Besuch von Hans Sarpei beim Fußball-C-Ligisten SC Wacker Dinslaken II

Fußball : Hans Sarpei heizt den Ballermann-Boys ein

Der ehemalige Profi besucht regelmäßig Mannschaften, die ein „Sondertraining“ nötig haben, so wie die Zweitvertretung des SC Wacker Dinslaken. Mit viel Spaß verbrachte er ein ganzes Wochenende beim C-Ligisten.

Ihre Spitznamen haben die meisten ja schon lange. Jackson heißt eigentlich Jan, Olli wird nur Fruchtfliege gerufen, und dann gibt es da noch Kiffy, Kranek und den Bademeister. Der Trainer Wolfgang Brands hört auf den Spitznamen Wolle, aber seit Hans Sarpei die Kreisliga-C-Fußballer des SC Wacker Dinslaken für ein Wochenende als Coach heimsuchte und das Ergebnis am Dienstagabend im Fernsehen zu sehen war, firmiert das Team unter einer neuen Kennung: Die Ballermannboys. „Jetzt weiß es endlich ganz Deutschland“, schreiben die Feldmärker auf ihrer Facebook-Seite, „wir sind der geilste Haufen der Welt“.

„Das T steht für Coach“ ist der verheißungsvolle Titel der Sendung, in der der frühere Bundesliga-Profi Sarpei mit seinen Assistenten Marek Fis und Meti Volkan für den Sender Sport1 mit Vorliebe Teams aus den untersten Klassen auf Vordermann bringt – oder es zumindest versucht. Warum er in der Feldmark eine ganz harte Nuss zu knacken hatte, bekam der Zuschauer gleich zu Beginn der Fußball-Doku vorgeführt: Schon vor der ersten Einheit auf dem Platz staunte das Trainerteam über Bilder von einer Gruppe hüpfender, singender und Bier trinkender Sportler vor der Kabine und vermutete, bei „der wahrscheinlich lautesten Mannschaft Deutschlands“ gelandet zu sein.

„Vorm Training ein, zwei Bierchen, nach dem Training ein, zwei Bierchen – ist ja normal“, verrät „Jackson“. Trainer Wolle glaubt: „Wenn nach dem Training oder nach dem Spiel mal kein Alkohol da wäre, dann wär’s richtig schwierig“. Und Hans Sarpei fragt sich: „Wann sind die nüchtern?“

Waren sie dann doch, zumindest anfangs. „Singen, Saufen, Schmusen, das ist die wahre DNA des SC Wacker Dinslaken“, folgerte der TV-Sprecher aus dem Off, während sich die Spieler auf den Treppenstufen neben dem Rasenplatz lümmeln. „Wie auf den Felsen, wo die Paviane sind“, sagte Marek Fis, während Sarpei anmerkte: „Die haben viel Liebe zu geben.“

Also machte sich das TV-Trainer-Trio an die Herausforderung, die dreißig Mann starke Truppe zu trainieren. Zwar lag das Team schon zum Zeitpunkt des prominenten Besuchs mit fünf Siegen und einer Niederlage bei 20:8-Toren aussichtsreich in der Tabelle, zu verbessern gäbe es aber doch einiges. Der Versuch, mit Passübungen Grundlagen zu trainieren, ging aber erstmal aus fundamentalem Grund schief. „Wir wollen denen was beibringen, und dann stehen die da und hören nicht zu“, lamentierte Drei-Tages-Chef Sarpei und verpasste den Ballermannboys eine Standpauke: „Warum habt ihr uns gerufen?“ Zur Strafe für Unkonzentriertheiten drohten den Ungehorsamen Liegestütze und Schubkarrenlaufen auf dem Aschenplatz, bevor es endlich zum gemütlichen Teil überging. Unter der Leitung von Marek Fis gab’s im Vereinsheim einen feucht-fröhlichen Bingo-Abend. Nur komisch, dass ausgerechnet Hans Sarpei als Erster seinen Schein vollständig ausgefüllt hatte: „Wir wurden beschissen, das ist doch alles gescriptet“, vermuteten die Wackeraner Jackson und Kiffy.

Am nächsten Tag ging’s auf Rasen vornehmlich um den Torabschluss. Nötig war das allemal: Links, rechts und oben flog der Ball beim Training immer wieder am Tor vorbei. Unter erschwerten Bedingungen nach einer durchfeierten Nacht ging es an die Verbesserung – zur Not mit Hilfe einer Kopfschmerztablette. „Wenn man im Sechzehner ist, kann man auch mal mit der Innenseite schießen statt mit dem Spann“, trichterte Sarpei den Kreisliga-Kickern ein, schließlich wolle man doch gewinnen und um den Aufstieg spielen. Aufstieg? „Es ist einfacher, nicht abzusteigen“, witzeln die Wackeraner. Und trotzdem wirkte Sarpeis Rezept: Ihr Spiel gegen Post Siegfried Hamborn zum Abschluss gewann die Wacker-Reserve mit 2:1, beide Tore fielen per Schuss mit der Innenseite. Und seit Sarpeis Besuch blieb die Mannschaft ungeschlagen und liegt an zweiter Stelle. Wie sagte der Ex-Profi? „Champions League an der Theke seid ihr definitiv. So eine Truppe haben wir noch nie erlebt.“ Und das war durchaus als Lob gemeint. Auch wenn für die Ballermannboys der Aufstieg noch ein verbotenes Wort ist. Aber das kann sich ja noch ändern.

Die Sendung „Hans Sarpei – Das T steht für Coach“ mit der Wacker-Reserve ist im Internet auf dem YouTube-Channel Hans SarpeiTV zu sehen. Den Link dazu gibt’s auch auf der Facebook-Seite der des SC Wacker Dinslaken II.

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