Lokalsport: Ausgerechnet RWS besiegelt VfB-Abstieg

Lokalsport : Ausgerechnet RWS besiegelt VfB-Abstieg

Fußball: Nach der 2:4-Niederlage gegen den Lokalrivalen Selimiyespor müssen die Lohberger wieder zurück in die Kreisliga A. Nachbar Rot-Weiß feiert den Sieg mit Hohn und Spott. Trainer Siegfried Sonntag zieht eine bittere Bilanz.

Die Resultate auf den anderen Plätzen stimmten. Ein Sieg hätte die Hoffnung zumindest noch einmal für eine weitere Woche am Leben gehalten, doch als Schiedsrichter Justin Jerzy gestern um 17.20 Uhr das Derby zwischen dem VfB Lohberg und Nachbar RWS abpfiff, war der Abstieg der "Knappen" aus der Fußball-Bezirksliga endgültig besiegelt. Während sich die Kicker des Gastgebers nach der 2:4 (0:3)-Schlappe sogleich enttäuscht auf den Rasen der Dorotheen-Kampfbahn fallen ließen, gab's von den ausgelassen feiernden Anhängern der Rot-Weißen noch reichlich Spott für den Lokalrivalen, mit dem es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Reibereien gekommen war. "Auf Wiedersehen, Auf Wiedersehen", skandierten die Selimiyespor-Fans in Richtung des Kontrahenten.

So ausgelassen feierten die Rot-Weißen ihren Sieg und damit den gleichzeitigen Abstieg des Nachbarn. Foto: Jochen Emde

Auch die RWS-Akteure ließen keinen Zweifel daran, wie sehr sie es genossen, die sportliche Talfahrt des ungeliebten Nachbarn am vorletzten Spieltag final zementiert zu haben. Im Anstoßpunkt des Stadions steckte plötzlich eine kleine türkische Flagge, um die herum das Gästeteam einen Freudentanz aufführte, als hätte man gerade die Meisterschaft perfekt gemacht und nicht nur den achten Tabellenplatz verteidigt.

Ein paar Meter weiter kämpfte Siegfried Sonntag mit den Tränen - und verlor zumindest kurzzeitig seine Fassung. Den so erfahrenen Übungsleiter des VfB nahm der Abstieg sichtlich mit. Sonntag drehte sich noch einmal ab, wollte kurz alleine sein, ging dann zu seinen Spielern und umarmte sie lange. Es war auch eine Art vorzeitiger Abschied, denn schon vor der Partie hatte der 62-Jährige erklärt, entgegen einer ersten Abmachung im März in Lohberg nicht über die Saison hinaus weitermachen zu wollen. "Ich sehe hier einfach keine Perspektive mehr. Im Verein tut sich zu wenig", erklärte Sonntag gestern.

Den Klassenerhalt habe man definitiv nicht erst im Derby gegen RWS verspielt. "Ich will meine Vorgänger nicht kritisieren, aber ich habe hier im November wirklich einen Scherbenhaufen vorgefunden. Das A und O sind für mich Trainingsbeteiligung und Fitness, aber dann hatte ich ständig nur sechs oder sieben Mann bei den Einheiten", so der scheidende Coach. Auch vor dem so wichtigen Vergleich mit RWS sah es personell wieder richtig bitter aus. Mit Tim Bruß und Manuel Viltuznik saßen nur zwei angeschlagene Feldspieler auf der VfB-Bank.

Ein heftiger Regenguss, der kurz vor dem Anpfiff einsetzte, sorgte dafür, dass in den ersten 20 Minuten kaum an ein reguläres Fußballspiel zu denken war. Immer wieder blieb das Spielgerät in einer Pfütze stecken. Vor allem die Fünfmeterräume glichen einer Seenlandschaft. Die Gastgeber begannen durchaus engagiert, lagen aber wieder einmal ganz schnell hinten. Adrian Rakowski (7.) und ein Eigentor von Sebastian Englert (18.) ließen die RWS-Fans schon zweimal jubeln, ehe der Referee die Partie wegen Gewitters für 36 Minuten unterbrach.

Der Unparteiische hatte kaum wieder angepfiffen, als Tayfun Kazkondu den Gastgebern mit einem platzierten Distanzschuss den nächsten Nackenschlag verpasste - 0:3 (25.).

Die "Knappen" ließen sich diesmal nicht hängen und kamen durch Marek Heuser (41.) und den eingewechselten Bruß (58.) noch einmal zum Anschluss. Phasenweise wurde es jetzt auch richtig hitzig, aber viele Chancen auf den Ausgleich erarbeiteten sich die Hausherren nicht mehr. "Wenn wir das 3:3 machen, dann gewinnen wir auch noch", war sich Sonntag hinterher sicher.

Es blieb beim Gedankenspiel:Tayfun Kazkondu stürzte die immer offensiver werdende VfB-Elf in Minute 84 endgültig ins Tal der Tränen.

VfB: Danziger; Ujkani, Englert, Emde, Güclü, von Holst (54. Bruß), Benchaou (72. Viltuznik), Mikat, Heuser, Aktas, Andrud.

RWS:Tekin; Marku, Colakovic, Kubilay Aydin, Cem Aydin, Rakowski (57. Ucar), Kazkondu, Barut, Acabuga (56. Karaoglu), Yildirim, Özer (67. Ilgar).

(RP)