Dinslaken: Speed-Dating mit Chopin

Dinslaken: Speed-Dating mit Chopin

Beim dritten "Blind Date"-Abend des Kulturhauptstadtjahres präsentierte im Wohnzimmer der Familie Höyng der Dinslakener Pianist Ludger Höffkes im fliegenden Wechsel die bekanntesten Komponisten der Musikgeschichte.

Beim Titel der Auftrittsreihe, bei der er den dritten Konzertabend gestalten sollte, hatte Ludger Höffkes zunächst kalte Füße bekommen. "Ich bin ein ganz langweiliger Ehemann, seit 32 Jahren verheiratet, und völlig unbedarft, was das Thema Blind Date angeht", erzählte der Dinslakener Pianist seinem Publikum, das im Wohnzimmer der Familie Höyng bei Kerzenschein dem Konzertbeginn entgegenfieberte.

Dann jedoch habe er sich einer Filmszene erinnert, so Höffkes, in der die Darsteller an Tischen saßen, alle fünf Minuten ein Gong erklang und jeder ein Plätzchen weiter rutschte – am Ende des Abends hatte dann jeder mit jedem gesprochen und konnte sich aussuchen, wen er wiedersehen wolle. Inspiriert von dieser Idee gestaltete Höffkes seinen Konzertabend. Zwar mussten die Zuschauer sich nicht im hektischen Plätzewechseln üben, wurden aber mit den unterschiedlichsten Komponisten bekannt gemacht.

Ein Italiener für den Anfang

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Gong Nummer eins. Der erste Kandidat ist alt. 1510 geboren, dafür jedoch ein feuriger Spanier. Antonio de Cabezón, von dem Ludger Höffkes "La Pavana Italiana" spielte, läutete den Blind-Date-Abend ein. Nicht zu forsch und nicht zu behäbig begrüßte er die Zuschauer, die ihn weniger musterten, als vielmehr seinen Ausführungen lauschten. Doch wie das beim Blind Date so ist, erklang im Nu der nächste Gong, Höffkes vollführte einen kleinen Sprung ins Jahr 1685, und die folgenden Kandidaten waren den meisten Zuhörern nicht unbekannt. Bach, Händel und, ganz klar Höffkes' Liebling, Domenico Scarlatti stellten ihr Kompositions-Können unter Beweis. Während Händel und Scarlatti mit ihren aufregenden Studienreisen nach Italien und London als Globetrotter glänzten, überzeugte Johann Sebastian Bach mit dem ersten Satz aus seinem "Italienischen Konzert".

Schon Minuten später sahen sich die Zuhörer dann Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert gegenüber. Während Mozart auch mit materiellem Wohlstand aufwarten konnte, musste der bettelarme Schubert einräumen, nicht einmal ein eigenes Klavier zu besitzen. Dennoch erntete er von seinen Blind-Date-Partnern regen Applaus, nachdem Höffkes eine seiner Sonaten gespielt hatte.

So gaben sich die größten Komponisten der Musikgeschichte in fliegendem Wechsel die Tasten in die Hand, jeder wusste auf seine Weise zu überzeugen. Höffkes' virtuoses Spiel orientierte sich gerne an den aktuellen Jubiläen der Komponisten, so dass Chopins und Schuhmanns 200. Geburtstag gemeinsam gefeiert wurde und die Zuschauer nach dem kleinen Spaziergang durch die Musikgeschichte am Ende mit Gershwin auf eine gelungene Speed-Dating-Erfahrung zurück blicken konnte.

(RP)