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Dinslaken: Spaziergang durch die Stadtgeschichte

Dinslaken : Spaziergang durch die Stadtgeschichte

Es gibt viele Möglichkeiten, sich auf die Spuren der Historie in Dinslaken zu begeben. Ein Rundgang mit Eduard Sachtje, der in unterschiedlichen Rollen aus der Geschichte berichtet, gehört sicher zu den unterhaltsamsten.

Die Karriere als Stadtführer begann für Eduard Sachtje mit einem spontanen Einfall seiner Frau. Als diese ihm aus der Bibliothek einige Bücher von Hanns Dieter Hüsch mitbringen wollte, stieß sie auf das Buch "Der Burgvogt von Krudenburg" von Friedrich Sander und brachte es ihrem Ehemann mit nach Hause. "Ich begann es zu lesen und entdeckte viele Geschichten aus der Region", erinnert sich Eduard Sachtje.

Das lenkte sein Interesse auf alte Heimatkalender aus Dinslaken, die sich irgendwo im Keller befanden. In diesen las der heute 65-Jährige weiter und erfuhr dabei einiges aus der Geschichte Dinslakens. "Irgendwann hatte ich so viel gelesen, dass ich mir dachte, das muss auch wieder raus", erzählt er.

Erstmal schaute er sich selbst eine Führung durch die Stadt Dinslaken an, um sein eigenes Wissen zu testen. Dann nahm er mit Sankt-Jakobus-Reisen Kontakt auf, um nachzufragen, ob er nicht mal eine Stadtführung anbieten könnte.

Gesagt, getan und direkt ausgebucht. "Zu meiner ersten Führung kamen 29 Besucher. Es passten nur 30 Personen in die Adler Apotheke und ich wollte selbst auch mit rein", scherzt Eduard Sachtje. Und er geht durchaus selbstkritisch mit sich um: "Damals habe ich zu viele Informationen unter die Menschen gebracht", sagt er im Rückblick. Zu den DIN-Tagen 2006 trat er dann zum ersten Mal als Nachtwächter Heinrich Denkhaus in Erscheinung. Im historischen Kostüm samt Hellebarde und Laterne nimmt er die Besucher mit auf den Gang durch die Stadtgeschichte. "Ich habe mir gedacht, den Namen eines Stadtführers merkt sich ohnehin niemand. Aber das sie mit dem Nachtwächter unterwegs waren, erzählen die Teilnehmer später noch", erklärt er die Idee, für seinen Rundgang in eine Rolle zu schlüpfen.

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Doch eine Rolle genügte dem umtriebigen Forscher auf dem Feld der Heimatgeschichte nicht. "Ich kam einige Zeit später nach Wesel und habe mich gewundert, dass es dort bei der militärischen Vergangenheit mit Zitadelle keinen Offizier gibt, der die Besucher durch die Stadt führt", erzählt er. Diese Idee trug er dann mit nach Dinslaken. "Ich bin allerdings nicht der Typ, um einen Soldaten darzustellen. Und außerdem fehlt es Dinslaken da etwas an der passenden Geschichte", berichtet Sachtje. "Was Dinslaken hatte, war Buggenhagen." Genauer gesagt: Julius Heinrich von Buggenhagen, Landrat des Kreises Dinslaken. "Er hat genau die Zeit von Preußen, Napoleon und dann wieder Preußen mitgemacht", erklärt Sachtje, der sich die historische Figur zu eigen machte. Im Gehrock und mit Zylinder macht er sich so mit Besuchern auf den Weg durch die Stadtgeschichte. "Die Führungen sind etwas historischer angehaucht als die mit dem Nachtwächter", sagt Eduard Sachtje. Der Grundgedanke ist allerdings der gleiche: Den Teilnehmern der Führung einen Ausschnitt aus der Stadtgeschichte vorstellen und das mit Unterhaltungswert. "Ich erzähle auch manchmal Unwahrheiten, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu bekommen", erklärt der Stadtführer. "Aber dann kläre ich die natürlich schnell auf. Mein Hauptanliegen ist die Geschichte, die ich erzählen will - und die muss am Ende wahr sein."

Ob die dritte Figur im Repertoire von Eduard Sachtje es mit der Wahrheit so genau nimmt, weiß man nicht. Wenn es allerdings um die Sprache geht, ist Heinrich Schlitzohr, als weit gereister Zimmermann auf der Walz, allerdings ein wahrer Experte. Angefangen bei seinem Namen "Schlitzohr", bis hin zum "Sich etwas hinter die Ohren schreiben" erklärt Sachtje in dieser Figur die Herkunft und Bedeutungen von ganz geläufigen Sprichwörtern. "Auf diese Idee bin ich durchs Fernsehen gekommen", erzählt der 65-Jährige. In einer Sendung wurden unterschiedliche Sprichworte erklärt und sofort war sein Interesse für die Materie geweckt und er begann zu forschen. Das Ergebnis bekommen die Teilnehmer seiner Führung zu hören.

Das Forschen sieht Eduard Sachtje dabei als wichtigen Bestandteil seiner Arbeit als Stadtführer an. "Mittlerweile bestehen die Führungen zum großen Teil aus Informationen, die ich bei den Führungen aufgeschnappt habe", erklärt er. Das, was ihm die Menschen erzählen, überprüft er aber immer gewissenhaft, bevor er es wiederum in seinen eigenen Erzählungen verwendet. Besuche im Archiv sind da keine Seltenheit. Und wann immer es möglich ist, enden die Führungen des Nachtwächters im Museum Voswinckelshof. Ein Brückenschlag zwischen Stadtführung, Alltag und Geschichte. "Ich zeige den Teilnehmern dann immer das Modell der Stadt und dann können sie sehen, dass sich viele Dinge in den vergangenen hundert Jahren nicht verändert haben", sagt Eduard Sachtje.

Seine Führungen als Nachtwächter dauern übrigens etwa zwei Stunden. Das ist natürlich abhängig davon, ob die Teilnehmer Fragen stellen. "Wenn jemand eine Frage stellt, dann hat er auch das Recht auf eine Antwort", sagt Sachtje. Denn das Interesse an der Geschichte soll schließlich bleiben.

(fla)