Solidarische Landwirtschaft in Voerde: Mit Freude auf dem eigenen Acker tätig

Solidarische Landwirtschaft in Voerde : Mit Freude auf dem eigenen Acker tätig

Auf einer Parzelle des Tinthofs in Spellen baut der Verein Solidarische Landwirtschaft eigenes Gemüse an. Jedes Mitglied darf dort nach seinem Geschmack Gesundes anpflanzen - perfekt für jeden, der keinen eigenen Garten hat.

Im großen Raum der Stockumer Schule in Voerde haben sich die Mitglieder des Vereins SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) Niederrhein versammelt. Maik Frevel ist einer der letzten Besucher, der zur Mitgliederversammlung erscheint. „Ich komme gerade vom Acker“, sagt der junge Mann, der als Gärtner für die SoLaWi arbeitet. Er hat soeben noch an einigen Stellen den Boden des Ackers in der Nähe des Spellener Tinthofs umgegraben, auf dem die SoLaWi ihr Gemüse in Eigenregie anbaut. „Wenn mir das keinen Spaß machen würde, würde ich das sicher nicht machen“, sagt er.

Der Spaßfaktor ist es auch, der viele der Mitglieder alle zwei Wochen zu den Arbeitstreffen auf den Acker treibt. „Es ist einfach schön zu sehen, wie die Pflanzen wachsen“, sagt Peter Langer. Der 60-Jährige hat die SoLaWi Niederrhein mitgegründet. „Ich wollte mich vernünftig und gesund ernähren und auch meinen Enkeln gutes Gemüse bieten können“, erläutert er seine Motivation, sich an dem Gemeinschaftsprojekt zu beteiligen. Und außerdem ist für ihn die Arbeit beim Anbau des eigenen Gemüses auf der Ackerfläche auch ein vergnügliches Erlebnis. „Wenn man mit den Händen in die Erde geht, ist das ein Traum“, berichtet er.

„SoLaWi macht Spaß“, sagt Christine Pokall zur ihrer Motivation, sich beim Verein einzubringen. Sie hat für die versammelten Mitglieder das vergangene Jahr in Zahlen aufbereitet. Unterschiedlich große Möhren hat sie auf eine Flipchart gemalt, um die Kostenanteile von Pflanzen, Material und Personal an den Ausgaben der SoLaWi grafisch darzustellen. Die Mitglieder amüsieren sich über die kreative Aufbereitung der eher trockenen Materie. Im vergangenen Jahr wurden 50 Anteile der SoLaWi gezeichnet. 40 Euro kostet ein halber Anteil, 75 ein ganzer. Dafür gibt es dann für die Anteilseigner wöchentlich frisches Gemüse vom Spellener Acker. Momentan sind nur 35 Anteile aktiv, da sich einige Anteilseigner durch Umzug oder aus anderen Gründen von der SoLaWi verabschiedet haben. „Wir hätten gerne wieder 50 Anteile, um neben unserem Gärtner noch Aushilfen bezahlen zu können“, sagt Christine Pokall. Daher sei es wichtig, neue Mitglieder für das solidarische Projekt zu werben.

Für das angebrochene Jahr haben die „SoLaWisten“, wie sich die Vereinsmitglieder selber nennen, schon einige Pläne. Man will sich mit dem Thema Permakultur beschäftigen, bei dem es darum geht, nachhaltige und naturnahe Kreisläufe in der Landwirtschaft zu etablieren. Auch über das Aufstellen einer Biotoilette auf dem Acker denken sie nach. „Dann würden wir direkt unseren eigenen Dünger produzieren“, scherzt eines der Mitglieder im Plenum bei diesem Vorschlag. Auch an Diskussionen darüber, wie es weitergeht, haben die Mitglieder der SoLaWi augenscheinlich Spaß.

Christine Pokall stellte die Zahlen aus dem Vorjahr vor und warb um neue Mitglieder für die SoLaWi. Foto: Martin Büttner

Die wichtige Arbeit erfolgt natürlich auf dem Acker. Hier gibt es alle zwei Wochen einen Samstag mit einem Arbeitsdienst. „Der bleibt natürlich weiterhin freiwillig“, sagt Christine Pokall. Allerdings würde man sich darüber freuen, wenn mehr der Mitglieder regelmäßig bei der Bewirtschaftung der Ackerfläche in Spellen mit anpacken würden. „Wir hätten den Wunsch, dass es für jeden Anteil fünf Einsätze pro Jahr auf dem Acker gibt. Wenn das jeder machen würde, wäre das super!“, sagt Christine Pokall. „Es muss auch nicht immer körperliche Arbeit sein. Jeder von uns hat Talente, die er für die SoLaWi einsetzen kann“, sagt Peter Langer und verweist auf Mitgliederwerbung und Internetauftritt des Vereins. „Wir freuen uns auch, wenn jemand uns Kaffee und Kuchen zur Arbeit auf dem Acker bringt“, sagt er lächelnd.

Am Ende freuen sich die Mitglieder aber vor allem über das frische Gemüse, das von den SoLaWisten herangezogen wird. „Man weiß das Gemüse viel mehr zu schätzen, wenn man weiß, wo es herkommt und wie viel Arbeit da drinsteckt“, sagt Ursula Langer. Zustimmung von den SoLaWisten, die auch dieses Jahr wieder möglichst viel in Eigenregie ernten möchten.

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