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Reportage Am Montag: Smileys für den Bahnhofsvorplatz

Reportage Am Montag : Smileys für den Bahnhofsvorplatz

Der Verkehrsplaner Kai Pachan vom Ingenieursbüro BVS Rödel und Pachan aus Kamp-Lintfort führte zum "Tag der Städteförderung" interessierte Bürger durch den Bereich vor dem Bahnhof und erörterte mit ihnen Problembereiche.

Es sind gut 20 Menschen, die Diplom-Ingenieur Kai Pachan auf dem Bahnhofsvorplatz bei seiner Einführung in die Thematik lauschen. Der Verkehrsplaner stellt sich als unabhängiger Experte vor, wenn es um das Projekt des Bahnhofsvorplatzes geht und stellt direkt fest, dass hier eigentlich dringend Handlungsbedarf besteht.

"Es funktioniert alles irgendwie, aber der Platz erfüllt längst nicht die Anforderungen eines modernen Verkehrsknotenpunktes, wie es ein Platz am Bahnhof heute müsste. "Vernetzte Mobilität" lautet das Stichwort, dass der Verkehrsplaner bei seiner Einführung in das Thema anbringt. Wo früher Menschen meist nur ein Verkehrsmittel nutzten, um ans Ziel zu kommen, würden sie heute mehrere nutzen.

Per Sprühdose verteilen Mitarbeiter der Stadtverwaltung an einigen Stellen positive und negative Smileys, die das Meinungsbild der Bürger zum Bahnhofvorplatz widerspiegeln sollen. Foto: Martin Büttner

Am Bahnhof müsse Platz sein für Car-sharing, Ladestationen für elektrisch betriebene Autos und Fahrräder. "Vor allem fehlt Menschen, die sich hier nicht auskennen, die Übersicht", sagt Pachan.

Das alles möchte man mit einer Umgestaltung des Platzes hinbekommen. Kai Pachan geht mit den Teilnehmern einzelne Stationen auf und um den Platz ab. Die erste Station sind dabei die Bushaltestellen. "Pro Tag steigen hier in Dinslaken 23000 Menschen ein und um", erklärt Kai Pachan. Das erste Problem ist offensichtlich, als die Gruppe sich auf einen der Busstellen-Haltesteige stellt. Kaum passen alle Teilnehmer hier zusammen hin.

"Jetzt stellen sie sich mal vor, hier stehen morgens 300 Schüler. Die Haltesteige breiter zu gestalten sollte daher ein Anliegen der Planung bei der Umgestaltung des Platzes sein, ebenso wie die Barrierefreiheit für Menschen mit Sehbehinderung oder solche, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. "Was man für Rollstuhlfahrer macht, kommt allen zu Gute", erklärt Pachan.

So wären zum Beispiel Einstiege in Busse auch für Mütter mit Kinderwagen oder Menschen mit schweren Einkaufstaschen leichter, wenn diese möglich wären, ohne dabei eine große Stufe überwinden zu müssen. Hier merkte ein Teilnehmer an, man solle sich auf Seiten der Stadt darum kümmern, die alten Bäume im Bereich des Platzes zu erhalten.

Ein weiterer Problemfall für den Verkehrsplaner: der Zebrastreifen, der von den Haltestellen in Richtung Eingang des Bahnhofs führt. "Der wird zum einen kaum benutzt und zum anderen zugeparkt", erklärte er. Für ihn ein Argument, keine Durchfahrtgelegenheit mehr für Autos an dieser Stelle zu gewährleisten, weil dies zu einem erhöhten Unfallrisiko führe.

"Ich weiß, einige haben sich daran gewöhnt, aber die Alternativen, um Menschen zum Bahnhof zu bringen, sind auch nicht viel weiter entfernt", erklärt er. Hier und da ein wenig leiser Protest von den Führungsteilnehmern: "Dafür wird es sehr viel mehr Parkplätze in Bahnhofsnähe geben", erklärt er. Zum Beispiel dort, wo sich derzeit noch der Wendehammer der Straßenbahn befindet.

Dass dort demnächst die Menschen zum Bahnhof gebracht werden und die Autofahrer parken sollen, rief einige kritische Stimmen hervor. Von "Chaos ersten Grades" und einer "Katastrophe im Berufsverkehr" sprachen einige. "Es gibt durchaus Stellen, mit ähnlichem Verkehrsaufkommen, wo eine Lösung funktioniert", erklärte Pachan.

"Das kann man auch berechnen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Die Stadt wird hier sicher nicht einfach losbauen und Geld verschwenden", erklärte der Verkehrsplaner. "Eine Umgestaltung des Platzes ist sicher sinnvoll, auch wenn da noch einige Details zu klären sind", sagt Kai Pachan am Ende der Führung.

Bei diesen Details will die Stadt die Bürger mit einbeziehen. Per Sprühdose verteilen Mitarbeiter der Stadtverwaltung an einigen Stellen positive und negative Smileys, die das Meinungsbild der teilnehmenden Bürger widerspiegeln sollen, ob es an gewissen Stellen Veränderungen braucht. Außerdem notiert man alle Anmerkungen, die von den Bürgern kommen.

"Das wird alles im Planungsprozess mitbedacht", sagt Kai Pachan. Die Bürger können sich auch in einem Info-Container, den die Stadt extra aufgestellt hat, über die grobe Planung zur Umgestaltung des Platzes informieren. Die Infobox ist auch von heute bis Mittwoch, den 9. Mai jeweils von 12 bis 19 Uhr geöffnet.

(RP)