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Dinslaken: Sich seinen Ängsten stellen und sie besiegen

Dinslaken : Sich seinen Ängsten stellen und sie besiegen

Thorsten Albustin las auf Einladung der Psychiatrie des Sankt-Vinzenz-Hospitals aus seinem Buch.

Ängste gehören einfach zum Leben dazu. Doch es kommt darauf an, wie Menschen mit ihren Ängsten umgehen, ob sie sich von ihnen das Leben bestimmen lassen. Von Angst geplagt war einst auch der Ex-Bundesligatorwart Thorsten Albustin. Überraschenderweise überfielen ihn seine Ängste nicht während seiner Bundesligazeit, nein, erst im zweiten Jahr seiner Spielsaison bei Mönchengladbach in der zweiten Liga. "Vielleicht war es der hohe Stressfaktor in der ersten Liga, der mich funktionieren ließ", erzählte Albustin gestern bei der Lesung seines Buches "Leben zwischen Fußball und Wahnsinn" den zahlreichen Zuhörern im Clemenssaal des Vinzenz-Hospitals.

Ausgangspunkt seiner Ängste, berichtete er weiter, sei ein nicht gehaltener Ball gewesen. "Ein Flatterball aus 30 Metern Entfernung auf den Mann gespielt." Eigentlich hätte er diesen Ball halten müssen, sein "Versagen" ließ ihn irgendwie nicht mehr los, verfolgte ihn, wurde schlimmer, bis er sich eines Tages nicht einmal mehr als Zuschauer ins Stadion traute. Fast 15 Jahre habe er gekämpft, gelitten, gezweifelt, weiter gekämpft und schließlich die Angst besiegt. Immer wieder stellte er sich seinen Ängsten, besuchte Amateurspiele mit einer Hand voll Zuschauern, steigerte allmählich die Stadiengröße und die Menschenmenge.

Heute arbeitet er in der Amateurliga als Torwarttrainer und ist "so glücklich wie kaum zuvor". Auch Bundesligaspiele besucht er ohne Angst. Er sei lange Zeit mit seiner Angst alleine gewesen, die guten Ratschläge, "sei ein Mann" oder "erzähl bloß keinem davon", die er zu hören bekam, waren nicht hilfreich. Und doch müsse man über seine Ängste reden, gibt er seinen Besuchern an die Hand. Wichtig sei es, sich Zuhörer zu suchen, sich auszutauschen, vor seinen Ängsten nicht davon zu rennen sondern sich ihnen mutig zu stellen. Und sich von ihnen sogar mal verschlingen zu lassen, sofern man sich wieder ausspucken lässt, wirft Dr. Barbara Florange, Chefärztin der Psychiatrie am Sankt-Vinzenz-Hospital in der Diskussion ein. Dabei sei professionelle Hilfe ebenso wichtig wie Freunde, die zuhören können, die einem zur Seite stünden.

Ängste können vielfältiger Natur sein, wie sich in der Diskussion herausstellte. Da finden die einen es als Verlust, wenn Freunde plötzlich fortbleiben, andere hingegen nutzen diesen Rückzug als Ruhezone für sich, um sich der Angst zu stellen. Frauen, so sagten einige, fänden einen schnelleren Zugang zu anderen, sprächen freier über ihre Ängste. Die eine hat Angst, allein in der Wohnung zu sein, hält es nicht in engen Räumen aus, ein anderer erleidet Panikattacken beim Autofahren. "Ich fahre seit einer Woche kein Auto mehr, weil ich Angst habe, jemanden zu verletzten, wenn ich bei einer neuerlichen Attacke nicht schnell genug einen Parkplatz finde." Ein Lichtblick - Ängste können überwunden werden, selbst die beim Autofahren können konditioniert werden, so Dr. Florange. Das meint auch Thorsten Albustin.

(big)