Dinslaken: Shakespeare auf dem Schulhof, Orwell im Keller

Dinslaken : Shakespeare auf dem Schulhof, Orwell im Keller

Bei der Aufführung des EBGS-Literaturkurses gab es keine Bühne, sondern fünf Stationen im Schulgebäude.

Gleich in doppelter Ausführung begrüßt Puck aus Shakespeares "Mittsommernachtstraum" das Publikum unter der Überdachung am Schulhof der Ernst-Barlach-Gesamtschule (EBGS). Um das Duo herum haben die Darsteller des Literaturkurses der Jahrgangsstufe 12 auf Stühlen Platz genommen. Sie wechseln die Plätze und präsentieren in ihren Rollen einzelne Sätze. Es ist eine Einführung für die Gäste, die sich ebenfalls bewegen dürfen.

An fünf Stationen haben die Schüler Spielorte aufgebaut. "Es ist das erste Mal, dass wir draußen spielen", erklärt Lehrer Andreas Welna, "weil momentan die Aula nicht zur Verfügung steht." Unter dem Titel "Er liebt mich - sie liebt mich nicht" gibt es eigene Texte und Zitate aus bekannten Stücken.

Auf dem Schulhof trifft Shakespeares "Mittsommernachtstraum" auf Geständnisse der Schüler über ihre eigenen Gefühle. Von dort geht es in den Fahrradkeller. Die Schüler haben ihn komplett verdunkelt, nur in der hintersten Ecke sorgt ein Kreis von Kerzen für Licht. Dort umarmt sich ein Paar, das erzählt, wie es sich kennengelernt hat. Dann löschen sie die Kerzen. Im Dunkel erklingen die Geräusche eines Polizeieinsatzes, und als das Licht angeht, findet eine Gerichtsverhandlung statt. George Orwells "1984" folgend, sollen die beiden verurteilt werden, weil Sexualität nur der Fortpflanzung dienen darf.

Weiter geht es am Fuße einer Treppe, wo die Besucher Zeuge einer in die Moderne gehobenen Version von Goethes "Faust" werden. Der macht sich mit Sprüchen an Frauen heran, lässt aber Gretl im Stich, die von ihm schwanger ist. Für das nächste Stück wird ein Aufenthaltsbereich der Schule zur Straßenbahn, in der die Darsteller neben den Besuchern sitzen. Die bekommen Freundinnen zu sehen, die über Männer diskutieren, Schulfreunde, die sich wiedertreffen.

Schließlich folgt der Gang in den Kunstraum, in dem die Schüler ein Drama spielen. Nach einem Unfall liegt ein Mann im Koma und bekommt Besuch vom ägyptischen Totengott Anubis. Der sinniert über die Liebe. So schließt sich der Kreis der Liebesgeschichten und die Zuschauer, die am Anfang in Gruppen aufgeteilt wurden, kommen alle wieder am Ausgangspunkt zusammen - und spenden viel Applaus.

(RP)