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Schuldiskussion in Dinslaken

Dinslakener Schuldiskussion : Gesamtschule: Die schwierige Standortfrage

Ein Arbeitspapier der Verwaltung nennt Vor- und Nachteile. Ernst-Barlach-Gesamtschule fordert Gleichbehandlung der Schulsysteme.

Am Dienstag, 9. Oktober, soll die Politik in einer Sondersitzung des Schulausschusses, Beginn 17 Uhr, die Weichen für die Zukunft der weiterführenden Schulen in Dinslaken stellen. Als Diskussionsgrundlage hat die Stadtverwaltung für die Politik nochmals zusammengefasst, was für und was gegen welche Variante spricht. Das Papier sieht grundsätzlich die Gründung einer zweiten Gesamtschule vor. Dabei gibt es zwei Standort-Varianten. Variante 1: eine neue Gesamtschule am Volkspark, also in der jetzigen Sekundarschule, die Realschule bleibt in Hiesfeld. Variante 2: eine neue Gesamtschule in Hiesfeld, die Realschule zieht ins Gebäude am Volkspark.

Das spricht für Variante 1

Eine Gesamtschule im Volkspark bei einem Verbleib der Realschule in Hiesfeld hätte nach dem Papier für die neue Gesamtschule folgende Vorteile: Die FAS könnte im Volkspark auslaufen und gleichzeitig könnte dort die neue Gesamtschule aufgebaut werden. Die Gesamtschule hätte gute Startvoraussetzungen, was Ausstattung und Infrastruktur betrifft. Kooperationen mit EBGS, THG und OHG wären möglich. Für die Realschule hätte die Variante den Vorteil, dass sie nicht verlagert werden muss, für die Hiesfelder gut erreichbar bliebe, keine Nachteile für die Realschüler entstünden und somit kein Widerstand aus Hiesfeld zu erwarten wäre.

Das spricht gegen Variante 1

Gegen eine Gesamtschule am Volkspark spricht laut dem Papier, dass der Platz dort maximal für vier Züge reicht. Für eine Oberstufe wäre also ein Erweiterungsbau notwendig. Auch für die Aufnahme von Seiteneinsteigern ab Klasse sieben wären zusätzliche Räumlichkeiten erforderlich. Zudem könnte die neue Schule in der öffentlichen Wahrnehmung als Nachfolge der ehemaligen Hauptschule bzw. Sekundarschule wahrgenommen werden. Außerdem könnte durch die Nähe zur EBGS diese erste Wahl bei den Eltern bleiben und dadurch an der neuen Schule keine Leistungsheterogenität erreicht werden. Zudem sei die Realschule in Hiesfeld aus den westlichen Stadtteilen schlecht erreichbar.

Das spricht für Variante 2

Für die Variante einer neuen Gesamtschule am Standort Hiesfeld spräche laut dem Papier, dass dort genügend Platz für eine vier- oder fünfzügige Gesamtschule und auch für Seiteneinsteiger ab Klasse 7 sei. Zudem wäre die Leistungsheterogenität sichergestellt, weil die Schüler vorzugsweise aus dem Einzugsbereich kämen. Eine Gesamtschule in Hiesfeld würde eine Aufwertung des Schulangebots bedeuten, eine Kooperation mit der Oberstufe des Hiesfelder Gymnasiums wäre möglich. Wenn die Realschule zum Volkspark verlagert würde, würde sie ein Gebäude mit „Top-Ausstattung“ und einem entsprechenden Raumangebot erhalten und wäre aus den westlichen Stadtteilen besser erreichbar.

Das spricht gegen Variante 2

Wenn die Realschule zum Volkspark zieht, müssten zwei Schulen umziehen: Real- und die Sekundarschule für die Zeit ihres Auslaufens. Für die Hiesfelder wäre die Realschule am Volkspark schlechter erreichbar und auch hier könnte, so die Stadtverwaltung, der Realschule durch den neuen Standort ein „Imageverlust“ drohen. Auf die Stadt kämen Kosten für die Schülerbeförderung zu. Außerdem wäre Widerstand aus Hiesfeld zu erwarten – dort war schon von einem Bürgerbegehren die Rede.

Auch der Leiter der Ernst-Barlach-Gesamtschule hat sich in der Diskussion noch einmal zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief an Rat und Verwaltung kritisiert Hans-Ulrich Wangerin, dass Teile der Politik offenbar den Schulen, die dem gegliederten System zuzurechnen seien, also den Gymnasien und der Realschule keine Veränderungen zumuten möchte, bei den Schulen des integrativen Systems wie der Gesamtschule und der Sekudarschule dagegen tiefgehende Einschnitte billigend in Kauf nehme. Die Ernst-Barlach-Gesamtschule akzeptiere das Elternvotum für ausreichend Real- und Gymnasialplätze fordere aber die Gleichwertigkeit beider Systeme und könne nicht akzeptieren, dass Gymnasien und die Realschule von schulorganisatorischen Veränderungen verschont bleiben sollen. Wer letzteres wolle, zeige, dass er in Wahrheit an den Strukturen festhalten wolle, die zur gegenwärtigen Misere geführt hätten. Wer die Schullandschaft in Dinslaken zukunftsfest machen wolle, müsse die überkommenen Strukturen aber ändern.

(aha/jöw)