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Schülerfirmen am Otto-Hahn-Gymnasium in Dinslaken

Projekt am Otto-Hahn-Gymnasium : Schülerfirmen mit Lieferservice und Alltagshilfe

Am Otto-Hahn-Gymnasium haben Schüler im Wirtschaftsunterricht Unternehmen gegründet.

Wirtschafts-Unterricht der Klasse 9c am Otto-Hahn-Gymnasium. Die Klasse teilt sich in zwei Firmen auf: Die „Alltagshelfer“-Crew zieht sich in einen anderen Klassenraum zurück, die „Giftbox“-Gruppe bleibt. In beiden Räumen wird über die Grundlagen für die anstehende Hauptversammlung diskutiert, wo man den Anteilseignern der „Firmen“ Rechenschaft ablegen muss.

„Wir müssen ein neues Marketingkonzept für die Hauptversammlung herausstellen“, macht Hannah-Sophie bei der „Giftbox“-Gruppe klar. Und im Anschluss formieren sich dort die unterschiedlichen Abteilungen – Lohnbuchhaltung, Verwaltung und so weiter. Es ist das vierte Mal, dass Schüler der Klasse 9 den Freiraum haben, zwei Unternehmer­ideen in die Realität umzusetzen, erklärt Lehrerin Anette Fuiten. „Es geht wirklich darum, zu verstehen, worum es bei einem Unternehmen geht.“ Dazu gehörten klare Werte, das „kooperative Zusammenwirken“ als Team, auch mit klaren Kommunikationsregeln und einem echten Konfliktmanagement.

Von der Entwicklung einer unternehmerischen Idee bis zu deren Umsetzung sollen so alle betrieblichen Prozesse möglichst realitätsnah durchgespielt werden. „Man ist immer wieder fasziniert, mit welchen Ideen die Jugendlichen um die Ecke kommen“, so die Pädagogin.

Auch in diesem Schuljahr hatten sich die Heranwachsenden mit der „Giftbox“ und dem Projekt „Alltagshelfer“ zwei spannende Projekte ausgedacht. Die „Giftbox“ ist eine tatsächliche Box, für die einzelnen Präsente zusammengestellt werden, um sie dann zu verschenken. Die 14-jährige Hannah-Sophie holt im Klassenraum ihr Handy heraus und zeigt ein Handybild mit der Box und einer „Du bist toll“-Tasse, Kugeln und einem Elch als Inhalt. „Das haben wir im Vorfeld von Weihnachten schon in Lohberg und Voerde verkauft.“

Dazu hatten die Schüler sogar schon echte Kooperationen mit „Tee Gschwendner“, den Firmen Mea Living und Schollin und der „WohnGlanzVilla“ als Wirtschaftspaten geknüpft. Bei der „WohnGlanzVilla“ sind sie sogar auf der Internetseite mit ihrem Angebot verlinkt, und auch über Instagram werben die Schüler schon. Für das Frühjahr plant die Gruppe, Pakete für den Valentinstag zu schnüren. Die können Schüler der Schule quasi „bestellen“. „Ein kleiner Lieferdienst für Liebespaare an der Schule“, meinte die 15-jährige Amelie augenzwinkernd.

Die „Alltagshelfer“ sollen als eine Art Service-Dienstleister Menschen, die das nicht mehr selbst so gut können oder den Rollstuhl benötigen, Einkäufe oder auch Alltagsarbeiten abnehmen und sie so unterstützen.

„Wir wollen das eventuell noch erweitern auf Nachhilfe und Gartenarbeit“, erläutert der 14-jährige Can-Luca. „Und wir haben auch schon Startkapital durch Anteilseigner“, ergänzt der ein Jahr ältere Finn. Man verkaufe Anteilsscheine für zehn Euro das Stück „an die Familie, Freunde und Interessierte.“ Das Ziel sei es dann, am Ende des Schuljahres den Eignern einen Gewinn auszuzahlen.

Beide waren sich einig, dass ein solcher Unterricht mehr bringt als nur trockenen Stoff zu pauken. „Da kann man schon Praxiserfahrung machen – und es ist eine tolle Erfahrung.“ Auch der 14-jährige Niklas, der die Gruppe mit führte, fand den „kleinen Ausflug ins Berufsleben“ prima.

Zumal alle Schülerinnen und Schüler für ihr Engagement auch noch mit 50 Cent pro Stunde bezahlt werden „mit Sozialabgaben“, wie Lehrerin Anette Fuiten verdeutlicht. Denn das Ganze läuft über eine Zusammenarbeit mit der IG Junior gGmbH, deren Träger das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ist.

(aflo)