Schüler laden zur Diskussion mit Weihbischof Lohmann in Voerde

Diskussionsabend mit Schülern in Voerde : „Die Kirche am Ende! Was nun, Herr Bischof?“

Diskriminierung, Skandale, Mitgliederschwund: Schüler des Gymnasiums Voerde laden zur Diskussion mit Weihbischof Rolf Lohmann.

Der Glaube spiele für viele junge Menschen durchaus eine Rolle. Sie hätten nur das Gefühl, dass sie ihn in den Strukturen der Kirche nicht ausleben können, sagt Lehrerin Andrea Wagner. „Viele sagen: Spiritualität – ja, die haben wir. Wir glauben an Gott. Aber die Institution Kirche kann uns das nicht bieten, was wir haben wollen“, stellt sie fest.

Um unter anderem darüber zu reden, haben Schüler des Gymnasiums Voerde den katholischen Weihbischof Rolf Lohmann zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung zu Gast. Sie laden zu dem Abend unter dem Titel „Die Kirche am Ende! Was nun, Herr Bischof?“ am Mittwoch, 6. Februar, 19 Uhr, ins Gymnasiums ein.

„Die Assoziationen, die insbesondere junge Menschen in Bezug auf die Institution Kirche äußern, sind ernüchternd: veraltet, weltfremd, diskriminierend“, heißt es in der Ankündigung des Abends. „Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und gewinnt besondere Brisanz durch aktuelle Studien, die immer wieder darauf hinweisen, dass der Wunsch nach Spiritualität, Religiosität und allgemein nach dem ,Guten’ ungebrochen ist.“ Die Zahl der Kirchenaustritte jedoch führe zu der Schlussfolgerung, dass die Kirche nicht imstande sei, diese Lebenssehnsucht zu stillen. Im Gegenteil: Skandale scheinen die Abkehr vom Glauben eher zu begünstigen.

Der Abend soll nach Möglichkeit zur lebhaften Diskussion unter großer Beteiligung des Publikums werden, erklärt Andrea Wagner. Nach einem Vortrag des Bischofs, der sich an der Themensetzung der jungen Leute orientiert, sind Fragen erwünscht.

Die Schüler haben aber auch selbst welche vorbereitet. Ihre Leitgedanken sind zunächst: „Was kann die Kirche eigentlich für uns Jugendliche tun? Sind wir noch interessant für die Kirche, werden wir eigentlich noch gesehen?“, umreißt Andrea Wagner. Die jungen Leute werfen der katholische Kirche außerdem mangelnde Transparenz vor. Sei es beim Umgang mit Geld – „Was passiert eigentlich mit unseren Kirchensteuern?“ – oder beim Umgang mit Skandalen, insbesondere Missbrauchsfällen. „Sie haben das Gefühl, dass viel verschleiert und schöngeredet wird.“

Nicht zuletzt gehe es den Schülern um die Diskriminierung von Frauen. Es gebe ein „völliges Unverständnis“ dafür, dass Frauen in der katholischen Kirche zwar zur Mitarbeit in der Gemeinde vonnöten, aber von den wichtigsten Ämtern ausgeschlossen sind. „Da ist ein ganz großes Ungerechtigkeitsempfinden.“

Die Gruppe „GV Forum“ gestaltet regelmäßig Diskussionsabende mit Gästen. Sowohl die jungen Leute als auch die begleitende Pädagogin Andrea Wagner engagieren sich dafür in ihrer Freizeit. Die Ideen für die Themen kommen meist aus dem Kreis der Teilnehmer, diesmal kam der Vorschlag aber von der Schullleitung. Sie sei deshalb zunächst skeptisch gewesen, sagt Andrea Wagner, aber die Idee sei bei den Schülern gut angekommen: „Ich war sehr überrascht, mit wie viel Enthusiasmus die da rangegangen sind.“

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, jeder ist willkommen.