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Dinslaken: "Schloß-WG": mit Handicaps leben in der Wohngemeinschaft

Dinslaken : "Schloß-WG": mit Handicaps leben in der Wohngemeinschaft

Angehörige, Nachbarn, Arbeitskollegen, Betreuer – insgesamt rund 50 Besucher kamen zur Einweihungsfeier der "Schloß-WG" an der namensgebenden Schloßstraße. Gutes Zeichen: Nichts will so recht außergewöhnlich wirken. Marcel, Tina, Barbara und Holger zeigen stolz ihre Zimmer, die weitläufige Küche, berichten, wie ihr Alltag abläuft, und plaudern mit ihren Nachbarn.

Seit sie, anders als andere Menschen mit Behinderung, nicht mehr im betreuten Wohnheim leben, hat sich – gefühlt – alles für sie verändert. Denn in Gruppen mit über zehn Personen zu leben, wie einst im Wohnheim, bedeutet auch, dass die eigenen Wünsche und damit ein Stück Selbstbestimmung auf der Strecke bleiben.

Mit strahlend-stolzen Augen berichtet Tina, die sich mit ihren 34 Jahren als "WG-Mutti" sieht, was sich mit der eigenen Wohnung verändert hat: "Wir unternehmen mehr, kochen und putzen zusammen. Auch, was gegessen wird, bestimmen wir selbst." Weitere Vorteile? "Niemand platzt in mein Zimmer", bemerkt Holger, und alle stimmen ihm in puncto Privatsphäre zu. Wie die Vier so im Wohnzimmer tratschen, lachen und sich gegenseitig bestens zu kennen scheinen – etwa wenn sie über des anderen Essgewohnheiten spötteln –, verkörpern sie eine eingeschworene, humorvolle Gemeinschaft.

Die Mütter von Tina und Marcel, Karin Beneke und Sabine Manassra, sind die Hauptinitiatorinnen des Projekts zum selbstbestimmten Wohnen. Mit gehörigem Pioniergeist gründeten sie den Verein "Schloß-WG", über den die Mietkosten auf die Mitglieder, hauptsächlich Angehörige, aufgeteilt werden. Ihre Bilanz: durchweg positiv. "Die individuellen Fortschritte", so Karin Beneke, "sind nicht zu übersehen". Allein, dass Tina nur selten und nicht wie früher mehrmals täglich anruft, zeige ihre Zufriedenheit. Und Barbara: Noch im April, als zur Vereinsgründung zwölf Besucher kamen, habe sie in der Küche vor Angst geweint. Kaum vorstellbar, wenn Barbara heute bei voller Hütte lacht. Analog zur Selbstständigkeit (ein Betreuer ist aber immer vor Ort) kam auch das Selbstbewusstsein.

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Ein Projekt, das keine Makel finden lässt und die Inklusion ganz real anpackt. Auch ein Projekt, das Schule machen kann? Für die Gründerinnen von "Schloß-WG e.V." keine schwierige Frage. Stichwort "Geld": Neben der Grundsicherung könne ein Budget vom Landschaftsverband beansprucht werden, der auch auf seiner Homepage damit wirbt. Ein zentrales Problem allerdings besteht (noch): In der nahen Umgebung ist "Selbständiges Wohnen" der einzige Dienst, der in Sachen Pflege und Betreuung auf das Konzept der Schloß-WG gemünzt ist. "Es braucht mehr solcher Dienstleister", betont Karin Beneke.

(RP)