Dinslaken: Sankt Martin nicht ohne den Heiligen

Dinslaken : Sankt Martin nicht ohne den Heiligen

"Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" statt Martinszug. Mit dieser Idee erregt Rüdiger Sagel, Vorsitzender der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen, die Gemüter. In Eppinghoven kann sich niemand ein Laternenfest ohne Sankt Martin vorstellen.

Wahrscheinlich, so darf man zumindest vermuten, hat Rüdiger Sagel nicht richtig nachgedacht. Der Vorsitzende der Linken in Nordrhein-Westfalen hatte sich dafür ausgesprochen, in den Kitas des Landes die Sankt-Martins-Tradition abzuschaffen und durch ein Fest im Zeichen hell leuchtender Himmelskörper zu ersetzen. Seine Begründung: Man dürfe in staatlichen Einrichtungen nicht allen Kindern christliche Traditionen aufzwingen. Das sei muslimischen Jungen und Mädchen nicht zuzumuten. Beim Eppinghovener Martinszug stößt diese Idee auf wenig Gegenliebe. "Man muss nicht immer einen Laternenzug machen. Aber die Martinsgeschichte mit der Mantelteilung gehört zu diesem Tag einfach dazu", meint Wibke Winkler. "Der Feiertag ohne Sankt Martin wäre wie Weihnachten ohne das Christkind", findet ihr Ehemann Marcel. "Man hätte nur das ganze Drumherum und nicht das, was wichtig ist." Sohn Jasper interessiert sich für solche Gedankenspiele nicht. Der Dreijährige schaut über seine leuchtende Drachenlaterne hinweg auf den kostümierten Reiter auf dem weißen Pferd.

Jessica Löhl, mit Matz, Maximilian und Matilda hält die Botschaft der Martinsgeschichte für universell. Foto: Büttner, Martin (m-b)

Arzu Ülger ist mit ihrer siebenjährigen Tochter Tuana zum Martinszug gekommen. Sie ist Muslimin, empfindet aber in dem Feiertag kein Aufzwingen christlicher Werte. "Es wird ja niemand dazu gezwungen, an einem Martinszug teilzunehmen. Wer nicht mitmachen möchte, der lässt es eben", sagt sie. Zudem könne man in Deutschland eine deutsche Tradition nicht einfach so verbieten. "Hier gehört Sankt Martin einfach dazu. Außerdem mögen ihn auch die muslimischen Kinder und deshalb gehen wir auch beim Martinszug mit." Den Vorstoß von Rüdiger Sagel empfindet sie als falsch. "Vielleicht hätte man da erst mal bei den Muslimen nachfragen sollen, was die überhaupt möchten", sagt Arzu Ülger mit Blick auf den Reiter.

Nadine Wolffgramm, unterwegs mit Sohn Phil, kann sich das Fest ohne den Heiligen nicht vorstellen. Foto: Büttner, Martin (m-b)
Für Marcel und Wibke Winkler mit Sohn Jasper würde dem Laternenfest ohne Sankt Martin etwas fehlen. Foto: Büttner, Martin (m-b)
Obwohl sie selbst Muslimin ist, war Arzu Ülger mit ihrer Tochter Tuana auf dem Martinszug. Foto: MB

"Ich halte überhaupt nichts von dieser Idee!", kommentiert Jessica Löhl auf den Vorschlag des Landesvorsitzenden der Linkspartei. Mit ihren Kindern Matilda (3) und Matz (5) und deren Freund Maximilian (5), die vergnügt ihre Laternen in Dunkelheit und Regen schwenken, ist sie zum Martinszug nach Eppinghoven gekommen. Besonders die Begründung für das vorgeschlagene Ersatzfest erscheint ihr weit hergeholt. Wo werde denn hier andersgläubigen Menschen eine christliche Tradition aufgezwungen, fragt sie. "Es geht bei der Martinsgeschichte um das Teilen. Und das wird schließlich von allen Religionen gelehrt." Der zweijährige Phil hält eine Eulenlaterne in die Luft und schaut aus seinem Kinderwagen immer wieder zu dem Schimmelreiter mit dem silbernen Helm hinüber. Seine Mutter, Nadine Wolffgramm, kann sich mit der Idee eines "Sonne-Mond-und-Sterne-Festes" ohne die Figur des Heiligen und die Geschichte von der Mantelteilung beim besten Willen nicht vorstellen. "Ich bin als Kinder selbst mit diese Geschichte und der Tradition großgeworden", erklärt sie. "Und Sankt Martin gehört zu Laternenumzügen und diesem Fest einfach mit dazu."

(fla)
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