Dinslaken/Voerde: Rückkehr zu G 9 erfordert mehr Lehrer

Dinslaken/Voerde : Rückkehr zu G 9 erfordert mehr Lehrer

Zum Schuljahr 2019/20 stellen die Gymnasien wieder auf das Abitur nach neun Jahren um.

2200 neue Lehrerstellen und Mehrkosten von 110 Millionen Euro pro Jahr: Mit diesen Zahlen rechnet das NRW-Schulminister im Zuge der landesweiten Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren, welches die meisten Gymnasien bereits ab 2019/20 anbieten werden. Neben der Umstellung von Lehrplänen kommen dabei wohl auch andere Hindernisse auf die Schulen zu.

Vielerorts wird befürchtet, dass es einen Mangel an Lehrern und Räumen geben könnte. Diese Sorge treibt auch Gerd Kube, den Schulleiter des Gymnasiums Voerde um: "Es kann sehr gut passieren, dass uns in ein paar Jahren einige Räume zur Unterbringung von Schülern fehlen werden." Die zusätzliche Anzahl an Lehrern, die dann gebraucht werden, ist er auch schon durchgegangen: "Wir müssten sechs neue Lehrerstellen schaffen." Kube ist sich aber sicher, dass die zusätzlichen Stellen in den nächsten Jahren sukzessiv besetzt werden können.

Astrid Weidler, Leiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums, macht sich auch schon über die Raumkonzeption mit dem zusätzlichen Jahrgang Gedanken: "Wir haben mittlerweile einige Freiarbeitsräume geschaffen, diese müssten eventuell wieder umgestaltet werden. Bei uns hängt aber immer viel davon ab, ob wir drei oder vier neue Klassen aufnehmen." Bei der Lehrerbesetzung sieht sie in nur einem Bereich Nachholbedarf: "Allgemein sind wir an den Gymnasien ziemlich gut besetzt, nur das Angebot an Fachlehrern im Bereich Naturwissenschaften könnte in den kommenden Jahren dünn werden."

Bei der Umstellungen auf G9 sieht das Schulministerium vor, eben diesen Bereich sowie die Themen Wirtschaft und Digitalisierung stärker in den Unterricht mit einzubeziehen. Bei den bisher geplanten 30 Stunden pro Woche fragt sich Weidler allerdings: "Wie sollen wir in dieser kurzen Zeit so viele Bereiche stemmen?"

Beim Theodor-Heuss-Gymnasium macht sich der stellvertretende Schulleiter Daniel Tiszay unterdessen keine Sorgen, dass zu wenig Räume für den zusätzlichen Jahrgang zur Verfügung stehen: "Dieses Problem haben eher andere." Er ist sich eher unsicher, ob der Mehrbedarf an Lehrern gedeckt werden kann: "Ob das Schulministerium da sein Versprechen halten kann, bleibt abzuwarten." Tiszay gefällt bei der neuen G9-Umsetzung die gekürzte Stundenzahl, da dadurch an den Nachmittagen Zeit für AGs sei, die die G8-Jahrgänge momentan nur freitags hätten. "Wie der Unterricht für das Abitur nach neun Jahren konkret gestaltet wird, müssten in der nächsten Zeit Fachkonferenzen der Lehrer ergeben", so Tiszay weiter.

Als Kaffeesatzleserei bezeichnet Bernd Saalfeld, Schulleiter des Gymnasiums im Gustav-Heinemann-Schulzentrum, die aktuelle Debatte: "Die Probleme, die da auftreten könnten, werden eh erst dann auftauchen, wenn es den zusätzlichen Schuljahrgang überhaupt gibt." Dies wird zum Schuljahr 2026/27 der Fall sein.

Die Nutzung der Klassenräume habe sich in den vergangenen Jahren unter G8 durch verschiedene pädagogische Maßnahmen am GHZ bereits verändert. "Das wird im Zuge der angestrebten Digitalisierung auch so weitergehen", ist sich Saalfeld sicher. Die Stadt habe genug Zeit auf die eventuell knapp werdenden Raummöglichkeiten zu reagieren, so Saalfeld weiter.

Bei der Ernst-Barlach-Gesamtschule, die die Schüler schon immer in neun Jahren auf das Abitur vorbereitet, sind alle Plätze jetzt schon besetzt. Die Schule konnte in den vergangenen Jahren nicht alle Anmeldungen aufnehmen. Schulleiter Hans-Ulrich Wangerin befürchtet, dass das Interesse nach der G9 Umstellung sogar noch steigen könnte: "Wenn Eltern ihre Kinder auf ein Gymnasium schicken und die merken, dass sie eigentlich nicht dafür geeignet sind, versuchen sie es nach einem Jahr bei uns oder bei der Realschule, da kommen sie dann aus Platzgründen nicht mehr drauf." Dieses Problems müsse sich die Stadt dringend annehmen.

(lb)