Dinslaken : Trockenen Fußes im Rotbach spazieren

Die Hitze macht nicht nur den Menschen zu schaffen, sondern auch den Gewässern. Der Rotbach ist an einigen Stellen mittlerweile vollkommen ausgetrocknet.

Es ist ein idyllisches Bild mitten im Wohnungswald: Im Schatten der Bäume steht das Wasser im Rotbach still. Enten schwimmen auf der Oberfläche, putzen sich das Gefieder und genießen den Schatten. Libellen kreisen über der spiegelnden Oberfläche des Gewässers. Hier scheint mit dem Rotbach, trotz Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke, alles in Ordnung zu sein. Das Gewässer präsentiert sich so, wie es Radfahrer und Spaziergänger kennen.

Doch nur wenige Kilometer weiter zeigt sich ein ganz anderes Bild. Wer von der Brücke an der Gneisenaustraße auf das Bachbett blickt, hat den Eindruck, er schaut auf einen Sandweg, der sich in einer kleinen Kuhle durch die Landschaft schlängelt. Hier ist der Rotbach vollkommen ausgetrocknet. Wo sonst Wasser fließt, liegen Sand und Steine. Das Gras am Ufer ist verdorrt, vertrocknete Blätter am Bachufer haben sich bereits bräunlich-rot verfärbt. Sie verleihen der Szenerie einen herbstlichen Eindruck - und das mitten im Hochsommer. Radfahrer werfen erstaunte Blicke in die staubtrockene Rinne. Ein Mann durchquert mit seinem Hund das Bachbett.

„Uns wäre es am liebsten, wenn wir jetzt einen leichten Regen bekommen würden, damit die Gewässer sich erholen können“, sagt Michael Steinbach, Pressesprecher des Lippeverbandes, der auch für den Rotbach verabtwortlich ist. Würde es zu stark regnen, könnte das die lokale Kanalisation überfordern, was sich dann wiederum negativ auf die Gewässer in der Umgebung auswirken würde. „Davon wären nicht nur der Rotbach, sondern auch die anderen Gewässer betroffen“, erklärt Michael Steinbach.

Dass die Vegetation am Ufer derzeit ausgetrocknet ist, hat noch keine schwerwiegenden Auswirkungen. Die könnte es allerdings geben, wenn die Trockenperiode weiter anhält. „Wenn die Pflanzen absterben, ins Wasser fallen und dort verwesen, könnte es zu einem Sauerstoffentzug im Gewässer kommen“, erklärt Steinbach. Eine Prozess, der in extremen Fällen bis zum „Umkippen“ eines Gewässers führen kann.

Auch direkt am Rotbachsee ist vom Bach selbst nicht mehr viel zu sehen. Nur ein knapp ein Meter breites und nur wenige Zentimeter tiefes Rinnsal ist noch zu sehen. Die Enten haben sich auf den See zurückgezogen. Hier schwimmen gleich mehrere Entenfamilien rund um die Insel in der Seemitte herum.

Am Rand des Sees sprudelt derweil Wasser in einer kleinen Fontäne nach oben. Eine Pumpe arbeitet am Seeufer, direkt neben der Anzeige für die Wasserhöhe des Gewässers. Auch dafür ist der Lippeverband verantwortlich. „Es handelt sich um eine Vorsorgemaßnahme“, erklärt Pressesprecher Michael Steinbach. „Das Wasser wird im Kreis gepumpt, um den See mit Sauerstoff anzureichern. Derzeit sind die Sauerstoffwerte aber noch absolut im grünen Bereich.“ Sie liegen zwischen neun und zehn Prozent. Wenn sie weiter fallen, könnte dies für den Fischbestand problematisch werden.

Auch das überprüfen die Mitarbeiter des Lippeverbandes, die mit einem Auto vorfahren und mit Messgeräten am Ufer des Sees kurz ins Wasser laufen, um Daten zu sammeln. Regen würde dem Rotbach und den anderen Gewässern in der Region wirklich sehr guttun.

Die Prognosen stehen nicht ganz schlecht. Für das Wochenende sind Regenfälle vorausgesagt. Die können sich allerdings mancherorts auch zu heftigen Unwettern auswachsen.

(fla)
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