Ronald Schneider empfiehlt Katja Schönherrs Roman "Marta und Arthur"

Buchempfehlung : Die Liebe als Beziehungsfalle

„Marta und Arthur“, das Romandebüt Katja Schönherrs, lotet die Abgründe einer völlig missglückten Lebenspartnerschaft aus und stellt die Frage, was Menschen zusammen bleiben lässt, obwohl sie sich wechselseitig unglücklich machen.

Der Roman erzählt zugleich aber auch die beklemmende Lebensgeschichte einer Frau, die nie zu sich selber fand.

Marta ist ein frühreifes Mädchen von 15/16 Jahren, als sie den 16 Jahre älteren Studien-Referendar Arthur kennenlernt. Arthur fühlt sich von jungen Mädchen sinnlich angezogen, Marta sieht die Chance, mit einer Beziehung zu Arthur ihrer herrischen Mutter zu entkommen. Beide werden ein Paar, ohne sich menschlich je näher zu kommen. Im Gegenteil: Je länger sie zusammen sind, umso fremder werden sie sich. Sie belauern sich und kränken und quälen einander auf sinnlose Weise – und kommen doch voneinander nicht los, sei es aus Pflichtgefühl, sei es aus der Angst vor dem Allein-Sein.

Auch ein gemeinsamer Sohn kann die Abgründe zwischen den beiden ungleichen Lebenspartnern  nicht überbrücken. Im Gegenteil: Als der Sohn in die Pubertät kommt, verbündet er sich mit dem Vater gegen die Mutter, die mehr und mehr ihr inneres Gleichgewicht verliert und in ihrem Verhalten immer irrealer wirkt. Als Arthur nach 40 Jahren „Familienhölle“ stirbt, rächt sich Marta auf groteske Weise ein letztes Mal an ihm.

Das Erstaunliche an diesem gekonnt erzählten Roman ist, dass der Leser Anfang an gefangen genommen wird von dieser düsteren Beziehungsgeschichte und bis zuletzt gespannt bleibt auf Erklärungen für die selbstzerstörerischen Verhaltensweisen von Marta und Arthur und auf den Ausgang des dramatischen Geschehens.

Katja Schönherr: Marta und Arthur, Arche Verlag, Zürich und Hamburg 2019