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Ronald Schneider empfiehlt "Erde und Papier" von Wolf Wondratschek

Buchtipp : Rückschau auf ein Literaten-Leben

Der inzwischen 75jährige Wolf Wondratschek war und ist ein Außenseiter in der deutschen Gegenwartsliteratur. Als Lyriker und „Rock-Poet“ war er in den 1970er und 1980er Jahren eine Kultfigur, erschloss sich in den letzten beiden Jahrzehnten dann aber mit einer leisen, sensiblen Prosa ein ganz neues Publikum.

Hier wurde er schon mit zwei Romanen vorgestellt, mit „Mittwoch“ aus dem Jahr 2013 und „Selbstbild mit russischem Klavier“ aus 2018.

Sein soeben erschienenes jüngstes Buch, „Erde und Papier“, enthält einen Rückblick auf sein bewegtes Leben in einer Fülle einzelner Streiflichter. Es sind Prosatexte aus den letzten Lebensjahrzehnten Wondratscheks, in denen es trotz unterschiedlichster Themenstellungen so gut wie immer auch um Selbsterkundungen des Autors geht.

Der Leser erfährt hier nicht nur viel über die persönliche Lebensgeschichte Wondratscheks, sondern auch über die ihn prägenden Erfahrungen und Begegnungen, über seine literarischen Vorbilder und über sein eigenwilliges Verständnis von Journalismus und Literatur („Journalismus und Lyrik sind gleich anspruchsvoll“). Und lesenswert sind auch die bissigen Porträts von mehr oder minder prominenten Weggefährten Wondratscheks, in deren Anders-Sein er immer auch die eigene Identität erfährt.

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Nicht ohne Selbstironie präsentiert sich Wondratschek hier als bekennender „Müßiggänger“, leidenschaftlicher Box-Fan und umtriebiger „Weiberheld“ – dem allerdings auch das Älter-Werden bei sich selbst wie bei den Frauen sehr zu schaffen macht. Die durchgängig leicht, unterhaltsam und amüsant zu lesende autobiografische Skizze eignet sich auch für ein erstes Kennen-Lernen dieses virtuosen Autors. Für Wondratschek-Fans Pflichtlektüre!

Wolf Wondratschek: Erde und Papier, Ullstein Verlag, Berlin 2019