Rockoratorium „Emmaus“ in der Vincentius-Kirche Dinslaken

Orchester und Solisten : Mit E-Gitarre und Saxofon nach Golgotha

Unter der Leitung von Stefan Büscherfeld gab es eine Aufführung des Rockoratoriums „Emmaus“ in der Vincentius-Kirche.

Ein gefühlvolles Saxofon-Solo tönt durch die Vincentius-Kirche. Klaus Depper begleitet das Sterben Christi am Kreuz. „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, singt Jesus, dargestellt von Gesangssolist André Gebhardt, auf sich allein gestellt. Dann setzt der Chorgesang des Emmaus-Projektchores unter der Leitung von Stefan Büscherfeld ein. Mit Schlagzeugbegleitung spielen die Musiker des Orchesters an der Stadtkirche los und schließlich lässt Gitarrist Kai Springstein seine E-Gitarre singen.

Die Kreuzigungsszene ist einer der Höhepunkte aus dem Rockoratorium „Emmaus“ von Thomas Gabriel, das Projektchor, Orchester und Solisten unter der Leitung von Stefan Büscherfeld in der Dinslakener Kirche aufführen. Die Zuhörer erleben, wie Kleopas (Bariton Patrick Kellert) und Thekla (Mezzosopranistin Stefanie Römer-Seif) nach dem Tod von Jesus auf den Weg nach Emmaus sind. Unterwegs erinnern sie sich an ihren ermordeten Weggefährten.

Komponist Thomas Gabriel setzt ihre Gefühle in Musik um, die Projektchor und Orchester wunderbar interpretieren. Von breiten Klangpanoramen, die klanglich in die weiten Landschaften des gelobten Landes entführen, über von Klezmermusik angehauchte Stücke bis hin zu gefühlvoll-rockigen Passagen ist hier ein breites Spektrum an Musik zu hören. Ebenso vielseitig die Einsätze des Projektchors, die von stimmlicher Begleitung für die Gesangssolisten über engelschorgleiche, helle Gesangspassagen bis zu dichten Klangpassagen und Gesangsduellen der unterschiedlichen Stimmfärbungen reichen.

Für besondere Klangeindrücke sorgen auch die zahlreichen Gesangssolisten, allen voran das Trio aus Stefanie Römer-Seif (Thekla), Patrick Kellert (Kleopas, Pilatus) und André Gebhardt (Jesus, Levi). Während Kellert seine vollklingende Baritonstimme ertönen lässt, liefert Stefanie Römer-Seif mit ihrer hellen und klaren Mezzosopranstimme den passenden Kontrast. Dazwischen angesiedelt die Stimmlage von André Gebhardt, der mal höher, mal tiefer singt. Und auch die anderen Solisten wissen zu überzeugen.

Leider gehen in der Vincentius-Kirche manche der Gesangspassagen etwas unter. Und für wahre Rockpuristen dürfte das „Rockoratorium“ von Thomas Gabriel dann doch etwas zu sehr nach Musical klingen. Trotzdem ist die Aufführung gut gelungen und das Rockoratorium sorgt für Abwechslung im kirchenmusikalischen Programm.

Das honorieren auch die zahlreichen Zuhörer in der Kirche am Altmarkt. Mehrere Minuten lang spenden sie stehend Applaus. Eine Zugabe haben Chor und Orchester allerdings nicht zu bieten. „Wenn Sie eine Zugabe wollen, können sie am Sonntag nach Moers kommen“, sagt Stefan Büscherfeld. Dort führen die Akteure das Rockoratorium am 19. Mai in der Stadtkirche auf.

(fla)
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