Dinslaken: Rhein-Hochwasser rauscht rasant ab

Dinslaken: Rhein-Hochwasser rauscht rasant ab

Mehr als fünf Millionen Liter Wasser fließen am Pegel Wesel derzeit pro Sekunde in Richtung Niederlande.

Vater Rhein hat sich in den letzten Tagen mal wieder richtig breitgemacht. Nicht bedrohlich, aber ordentlich. Das Schauspiel haben sich am Wochenende viele Spaziergänger an der Rheinpromenade nicht entgehen lassen. Sonntagmittag war am Pegel Wesel ein Stand von 7,44 Meter abzulesen. Das war hier zugleich der Scheitelpunkt für die aktuelle Hochwasserwelle. Seitdem sinken die Pegelstände wieder. 7,40 Meter waren es gestern Morgen um 5 Uhr. Ein Weihnachtshochwasser ist also nicht zu erwarten.

Morgen früh soll laut Prognose die Sieben-Meter-Marke unterschritten werden. Die Wassermengen, die derzeit am Weseler Ufer rheinab rauschen, sind gewaltig. Jan Böhme, Hydrologe beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein, spricht von 5100 Kubikmetern Wasser, die pro Sekunde den Weseler Pegel passieren. Das sind 5,1 Millionen Liter oder rund 34.000 Füllungen einer durchschnittlichen Badewanne.

Das Tempo ist auch nicht ohne: Ist der Rhein in unserer Region in der Regel mit vier bis sieben Kilometern in der Stunde unterwegs, so sind es laut Böhme zurzeit etwa zehn km/h. Pro Sekunde treibt die starke Strömungsgeschwindigkeit den Fluss knapp drei Meter voran.

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Anfang Dezember hatte der Rhein mit 5,85 Meter schon einmal einen Anlauf auf höhere Werte unternommen, war dann aber wieder in die Vier-Meter-Region zurückgefallen, um nun binnen fünf Tagen um gut drei Meter anzuschwellen. Jan Böhme sieht als Hauptursache die Niederschläge der jüngsten Vergangenheit. Die Böden seien komplett gesättigt und könnten nichts mehr aufnehmen, so dass frischer Regen unmittelbar in die Nebenflüsse und so zum Rhein fließe. Der Gewässerkundler spricht in der Rückschau auf 2017 von einem recht ausgeglichenen Jahr. Das letzte Hochwasser habe es im März mit 6,15 Meter am Weseler Pegel gegeben. Bis November hätten sich die Werte dann ums sogenannte Mittelwasser bewegt.

Für die Schifffahrt auf dem Niederrhein hat die jüngste Hochwasserwelle übrigens keine negativen Auswirkungen gehabt. Anders war das in Köln, wo am Sonntag mit 6,58 Meter der Scheitel erreicht war. Das waren 38 Zentimeter über der dortigen Hochwassermarke I, was zu ersten Beschränkungen für die Schiffsführer führte: Sie mussten das Tempo drosseln und in der Mitte des Fahrwassers bleiben.

Von solchen Verhältnissen war der Niederrhein weit entfernt. In Wesel liegt die Hochwassermarke I bei 8,70. Die Marke II, die hier zur Einstellung des Schiffsverkehrs führt, liegt bei 10,60 Meter. Dass diese auch hier überschritten werden kann, das zeigte sich zum Beispiel in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1995 mit 11,16 Meter sowie Heiligabend 1993 mit 10,85 Meter. Bei 11,45 Meter wäre es für die Deiche kritisch geworden. Als historisch höchster je gemessener Stand sind 12,31 Meter des Jahrhunderthochwassers vom 3. Januar 1926 bekannt.

(fws)
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