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Interview: Rp-Sommerinterview Peter Steinhoff: Reden wir mal übers Treckerfahren

Interview: Rp-Sommerinterview Peter Steinhoff : Reden wir mal übers Treckerfahren

In unserer Serie reden unsere Gesprächspartner über Themen, zu denen sie normalerweise nicht befragt werden. Heute erzählt Peter Steinhoff, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, von seinem ganz besonderen Hobby.

Herr Steinhoff, im Ehrenamt sind Sie ja mehr auf Autos und den ganz normalen Straßenverkehr fokussiert, privat fahren Sie leidenschaftlich gern Trecker. Welches Modell fahren Sie?

Steinhoff Einen IHC 844 Allrad, Baujahr 1979.

Wie kommt man zu so einem Hobby?

Steinhoff Das Virus hat mich schon früh gepackt. Als Kind habe ich viel Zeit in der Eifel verbracht, wo meine Eltern eine Jagd hatten. Da war ich viel bei den Bauern in der Gegend und durfte auch Schlepper und Mähdrescher fahren. Das fand ich einfach faszinierend. Mit dem Abitur und der Familiengründung ist der Virus dann ein bisschen eingeschlafen. Aber wenn wir während der Erntezeit irgendwo in ländlichen Gegenden unterwegs waren, gab's für mich kein Halten mehr. Da habe ich mich aufs Fahrrad gesetzt, bin zu den Feldern gefahren und hab den Mähdreschern zugeguckt.

Wann wurde das Virus wieder virulent?

Steinhoff Das war 2011. Damals hat mich ein Bekannter - heute ist er ein Freund - angesprochen. Er ist selber Schlepperfan und hat mich gefragt, ob das nicht auch etwas für mich wäre. Er kenne jemanden, der gerade seinen Schlepper verkaufen wolle. Ja, und da habe ich kurzerhand zugegriffen.

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Sie reden immer von Schlepper, nicht von Trecker. Warum?

Steinhoff Schlepper ist der Begriff , den man von Flensburg bis München kennt. Die Zeitschrift, die sich mit unserem Hobby beschäftigt, heißt auch "Schlepperpost". Trecker ist ein Begriff, der hier in Nordrhein-Westfalen regional begrenzt verwendet wird. In der Eifel wurde seinerzeit eigentlich immer nur das Wort "Bulldog", das eigentlich ja nur ein spezielles Modell bezeichnet, für alle Schlepper benutzt. Aber egal, ob wir von Trecker, Traktor oder Schlepper reden, wir Schlepper-Freunde meinenaber immer das Gleiche.

Was macht man mit einem Schlepper?

Steinhoff Neulich Abends zum Beispiel: Das Wetter war schön. Da habe ich mich auf meinen Schlepper gesetzt und bin gemütlich nach Mehrum gefahren. Im Sommer unternehmen wir mit unserer Truppe von Schlepperfreunden Ausfahrten so über 20, 30 Kilometer - machen Halt an einer gemütlichen Straußenwirtschaft - und genießen die Freude an unserem Hobby. Wir besuchen auch Austellungen oder Feste, wie zum Beispiel das Apfelfest am Dinslakener Museum Voswinckelshof oder das Familienfest des BSV Eppinghoven am 1. Mai, wo wir unsere Schätzchen bewundern lassen.

Was sagt eigentlich Ihre Frau zu diesem Hobby?

Steinhoff Maria hat selbst einen Schlepper, einen Kramer. Sie ist eine der wenigen Frauen, die das Hobby aktiv betreiben. Meine Frau ist zwar nicht so jeck wie ich, aber das Hobby macht ihr auch großen Spaß. Wenn's ums Reparieren und Pflegen der Gefährte geht, muss aber schon ich ran.

Wie aufwändig ist das Hobby?

Steinhoff Es gibt Kollegen, die nicht das kleinste Stäubchen auf ihrem Schlepper dulden. Das ist dann schon zeitintensiv. So bin ich aber nicht. Wenn so ein Schlepper einmal läuft, dann hält sich der Aufwand eigentlich in Grenzen.

Aber Sie legen schon selbst Hand an, wenn etwas an Ihrem Schlepper zu tun ist?

Steinhoff Ich baue jetzt nicht das komplette Getriebe oder den Motor auseinander, aber was sonst an Arbeiten anfällt, erledige ich nach Möglichkeit selbst.

Träumen Sie von einer ganz besonderen Tour mit Ihrem Schlepper?

Steinhoff Natürlich denkt man immer mal wieder darüber nach. Einige aus unserer Truppe haben beispielsweise mit ihren Schleppern mal den Großglockner "bestiegen". Sie sind zwar nicht hingefahren, sondern haben die Fahrzeuge mit dem Tieflader dorthin transportiert, aber dann sind sie hochgefahren. Das muss ein besonderes Erlebnis gewesen sein. Grundsätzlich aber sind längere Touren problematisch. Schlepper fahren macht auf ruhigen Wegen am meisten Spaß. Auf der Landstraße Kilometer zu fressen, ist nichts für mich.

Außerdem gibt's dann wahrscheinlich Stress mit Autofahrern, die sich aufgehalten fühlen.

Steinhoff Da machen wir eigentlich eher die umgekehrte Erfahrung. Die Autofahrer freuen sich, wenn sie uns begegnen, hupen anerkennend beim Überholen oder zeigen uns die Hand mit hochgestrecktem Daumen. Aber natürlich kommt es auch zu Situationen - insbesondere wenn wir in der Stadt unterwegs sind - wo Autofahrer uns riskant oder verbotenerweise überholen. Ich habe schon erlebt, dass einer links an einer Verkehrsinsel vorbeigefahren ist, um vorbeizukommen. Aber grundsätzlich haben die Menschen eher Spaß, wenn sie uns mit unseren Schleppern sehen.

Das alles klingt so, als wollten Sie dieses Hobby noch lange betreiben.

Steinhoff Das hoffe ich doch sehr. Ich glaube kaum, dass das Virus jemals unwirksam wird.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE JÖRG WERNER

(RP)