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Dinslaken: Reden wir mal über einen Lebensgarten

Dinslaken : Reden wir mal über einen Lebensgarten

In den RP-Sommerinterviews reden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Themen, zu denen sie sonst nicht befragt werden. Die Buchhändlerin spricht über ihren Garten in Spellen – eine blühende Oase mit vielen Genussplätzen.

In den RP-Sommerinterviews reden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Themen, zu denen sie sonst nicht befragt werden. Die Buchhändlerin spricht über ihren Garten in Spellen — eine blühende Oase mit vielen Genussplätzen.

Ihr Garten in Spellen ist einer der schönsten und größten Gärten zwischen Lippe und Rotbach. Es ist fast ein kleiner Park. Was bedeutet der Garten für Sie, was ist dort Ihr Lieblingsplatz und warum?

Brigitte Korn Ja, da fängt der Luxus schon an. Es gibt nicht nur einen Lieblingsplatz, es gibt einen Platz, den Tag zu begrüßen, es gibt einen Platz für die Geselligkeit und es gibt einen Platz für den Abend. Es gibt aber auch einen Platz für die Traurigkeit. Er hilft immer. Die Natur zeigt uns, wie immer wieder etwas Neues beginnt, sie hilft einem sozusagen auf die Sprünge. Die Größe unseres Paradieses überschätzen Sie etwas, aber nur wenige Meter von der Ortsmitte entfernt, ist es schon ein besonderes Stück Natur, das ich sehr liebe.

Es ist nicht allein die Größe, die Ihre grüne Oase zu etwas Besonderem macht. Was macht den Zauber Ihres Gartens aus?

Korn Der Garten ist ein Lebensgarten, der vor etwa 50 Jahren in Etappen angelegt wurde, und da war er vor allen Dingen ein Paradies für die Kinder. Alles war darauf ausgerichtet, einen geschützten Raum zum Spielen, zum Erkunden und Erleben von Natur zu gestalten. So ging es dann immer weiter, immer waren die Ansprüche und Erwartungen andere. Heute bildet dieses Vergangene eine eindrucksvolle Kulisse für immer Neues. Da stehen eindrucksvolle Tannen, die einmal nette und hübsche Weihnachtsbäume waren. Sie sind nun ein Teil der eindrucksvollen Kulisse. Viele Pflanzen sind mit schönen Erinnerungen verbunden. Der Zauber geht von der Gestaltung aus, die die jeweilige Lebensphase vorgab und daher immer anders war.

Welche Blumen haben Sie gepflanzt, welche Bäume und Sträucher?

Korn Diese Frage kann ich gar nicht eindeutig beantworten. Wir haben unzählige duftende Rosensorten im Garten. Da gibt es das Wunder, was die Natur selbst gepflanzt hat. Wir haben staunend vieles zugelassen, was wir so nie geplant hätten. Im Frühjahr blühen an einem Teich Hunderte gelber Lilien. Ich muss noch einmal die 50 vergangenen Jahre anführen: Es ist ein Lebens- garten. Wir sehen nun die Summe aller Pflanzen und genießen.

Gibt es etwas, von dem Sie meinen, es würde Ihren Garten noch schöner machen. Etwa ein Teich mit Seerosen, ein künstlicher Bachlauf?

Korn Nein, genau das ist meine Philosophie, nichts wünschen, sondern staunen. Es gibt zwei Wasserflächen, die uns eine herrliche Tierwelt bescheren. Überhaupt die vielen Tiere und Insekten, die diesen Garten erst zum Paradies machen, sind für mich ein wundervoller, tröstlicher und beglückender Spiegel des Lebens.

In Cornwall und Devon gibt es die schönsten Parks und Gärten Südwestenglands. Manche Menschen fahren nur dorthin, um sich Anregungen für ihren eigenen Garten zu holen. Wenn Sie auf Reisen sind, schauen Sie sich solche Grünanlagen an?

Korn Auf Reisen schauen wir uns Gärten an und da gibt es dann immer etwas, was wir für unseren Garten neu denken. Es ist oft so, dass wir vorhandenen Pflanzen einen neuen Auftritt geben. Unsere schönsten Anregungen verdanken wir natürlich der Literatur. Lesend sind wir auf schönstes Zusammenspiel von Pflanzen, Licht und Jahreszeit gestoßen.

Wie viel Zeit verbringen Sie — schönes Wetter vorausgesetzt — im Garten?

Korn Ich verbringe jede freie Minute in meinem Garten. Es gibt es immer einen Genussplatz, und dieser Garten ist für mich und meine Seele ein schöpferischer Quell.

Haben Sie dort schon mal ein richtig großes Fest gefeiert?

Korn Ja, nicht so viele, dafür aber unvergessliche. Weil dieser Garten ein solcher Glücksort für mich persönlich ist, kann er kein Ort der großen Feste sein, wohl ein Ort für die Gastlichkeit, gute Gespräche, Musik und Heiterkeit. Jedes Fest, das wir gefeiert haben, ist unauslöschlich in mir bewahrt. Unvergessliche Stunden gab es mit Autoren in diesem Garten. Zuletzt mit Gerbrand Bakker, der wiederkommen wird, um unsere Rosen "fachmännisch" zu schneiden. Es ist der Ort, der Erinnerungen an Menschen, die nie wieder kommen werden. Der Ort glücklichster Stunden.

Ein großer Garten bedeutet viel Arbeit. Als Buchhändlerin haben Sie sicherlich andere Dinge zu tun als Rosen zu schneiden und Unkraut zu zupfen. Wer erledigt das für Sie?

Korn Gartenarbeit ist etwas ganz Besonderes. Es ist wie beim Musizieren, sie befreit augenblicklich von trüben Gedanken, von Traurigkeit. Sie schafft einen so totalen glücklichen Erschöpfungszustand, dass man denkt, morgen komme ich nicht mehr aus dem Bett. Es gibt kaum eine Arbeit, die so glücklich macht. Das Rosenschneiden ist allerdings nur die Kür. Ich habe aber nur noch einen kleinen Part an diesem Tun. Ein ganz großes Glück ist es, dass meine Tochter Eva die gleiche Liebe diesem Ort und diesem Garten entgegenbringt, und sie ist die tollste Gartenarbeiterin, aber auch die inspirierte Gärtnerin. Weil unser Garten aber auch immer ein Stück geliebte "Wildnis" sein darf, schaffen wir mit freundschaftlicher Hilfe alles gut.

Haben Sie das, was man einen Grünen Daumen nennt?

Korn Mit Selbsteinschätzung tue ich mich schwer — Eva würde jetzt sagen: Ja.

Sie sind in der DDR aufgewachsen. Hatten Ihre Eltern früher einen Garten, Ihre Großeltern und wie sah der aus?

Korn Ach, wie schön, dass Sie mich danach fragen. Meine Großeltern hatten im Krieg und der Zeit danach einen kleinen Garten und das war ein Überlebens-Garten. Es war ein Trümmergrundstück von wunderbaren wilden Blumen umsäumt, die für den Rest meines Lebens den Namen Trümmerblumen haben. Für mich das Eindrucksvollste in diesem Garten waren die Tabakpflanzen meines Großvaters, die natürlich aus meiner Sicht riesig waren, die so schön blühten, besonders dufteten und für mich ein Zauberwald waren. Die großen Tabakblätter wurden geerntet und auf dem Balkon zum trocknen gehängt. Noch heute habe ich den Duft parat. Seit dieser Trümmerkindheit war ein Garten für mich ein Sehnsuchtsort und ich bin glücklich und beschenkt, dass er in meinem Leben Wirklichkeit geworden ist.

RALF SCHREINER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)