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RP-Sommerinterview Jürgen Stackebrandt: Reden wir mal über den MSV Duisburg

RP-Sommerinterview Jürgen Stackebrandt : Reden wir mal über den MSV Duisburg

In den RP-Sommerinterviews reden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Themen, zu denen sie sonst nicht befragt werden. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse spricht über seine Liebe zum MSV Duisburg.

Herr Stackebrandt, reden wir doch mal nicht über Geld und die Sparkasse, reden wir mal über den MSV. Sie sind bekennender Fan der Zebras. Wie sehr haben Sie in den vergangenen Wochen gelitten?

Jürgen Stackebrandt Das war schon ganz massiv, muss ich zugeben — einfach ein Gefühl von Leiden, gepaart mit Unverständnis über das, was da ablief.

Wie sind Sie MSV-Fan geworden?

Stackebrandt Ich bin gebürtiger Duisburg und habe, bis ich nach Voerde gekommen bin, an der Westender Straße in Rufweite des alten Stadion gewohnt. Mangels Spielplätzen hat es uns natürlich immer wieder zum Stadion gezogen. Wir haben das Training beobachtet. Ich war Balljunge. Ich bin praktisch mit dem MSV groß geworden.

Sind Sie eigentlich Vereinsmitglied?

Stackebrandt Nein, das bin ich nicht.

Wer waren die MSV-Helden Ihrer Jugend.

Stackebrandt Da gibt es viele. Unvergessen für mich ist beispielsweise, als in der ersten Bundesligasaison eine Auto am Stadion vorgefahren kam und Helmut Rahn auf dem schwarzen Aschevorplatz auftauchte. Dann gibt es da Michael Bella, Detlef Pirsig und wie sie alle heißen. Ein besonderer Fan bin ich aber von den MSV-Legenden "Lulu" Nolden, "Eia Krämer", "Pitter" Danzberg und Bernhard Dietz. Wie Letzterer habe ich, als ich beim TV Voerde gespielt habe, die Nummer 2 auf dem Trikot getragen.

Sie haben also selbst Fußball gespielt.

Stackebrandt Ja, leidenschaftlich, wenn auch auf anderem Niveau als Bernhard Dietz. Ich war immer mehr Kämpfer als Techniker. Gespielt habe ich in Voerde und beim SV Spellen.

Gibt es ein Spiel des MSV, das sie nicht vergessen werden?

Stackebrandt Ja das Spiel gegen die Bayern, das der MSV 6 : 3 gewonnen hat, mit der legendären Szene als Dietz nach einem Tor im Tornetz hing. Bei dieser Gelegenheit möchte ich einmal darauf hinweisen, dass der MSV anders als Bayern München Gründungsmitglied der Bundesliga war. Leider haben die Duisburger dann eine andere Entwicklung genommen als die Bayern.

Damit sind wir wieder bei der aktuellen Situation. Wie sehen Sie die Zukunft der Mannschaft? Das erste Drittliga-Spiel gegen Heidenheim ist gleich verloren gegangen.

Stackebrandt Ich habe das Spiel zwar nicht im Stadion sehen können, weil ich unterwegs war, aber ich habe es im Fernsehen angeschaut. Der Südwestfunk hat es übertragen. Man hat deutlich gesehen, dass Heidenheim eine eingespielte Mannschaft ist, die eine normale Vorbereitungszeit hatte. Da konnte der MSV taktisch und konditionell nicht mithalten. Aber kämpferisch haben die Spieler mich überzeugt. Es wird für die Duisburger schwer, die Klasse zu halten. Gerade auch mit Blick auf die personelle Situation. Es ist ja kein Geld da, um neue Spieler zu kaufen. Ich glaube aber, dass sie es trotzdem schaffen können.

Was macht Sie hoffnungsfroh?

Stackebrandt Es war bemerkenswert, wie angetan der Reporter von der Euphorie, die im Stadion herrschte, berichtete. Das ist genau der Punkt. Wann waren das letzte Mal 18 000 Zuschauer bei einem Spiel des MSV. Vielleicht gegen Köln — aber sonst. Und jetzt? Da waren 18 000 begeisterte Fans, die vor ein paar Tagen noch am Boden zerstört waren, im Stadion und haben die Mannschaft angefeuert. Wenn diese Euphorie anhält, hat die Mannschaft eine gute Chance.

Sie glauben aber nicht, dass es schon zum Wiederaufstieg langt?

Stackebrandt Nein, das wäre vermessen. Ziel musse es jetzt sein, wirtschaftlich zu gesunden und sich sportlich zu konsolidieren. Und dann kann die Mannschaft in der nächsten Saison vielleicht auch wieder angreifen.

JÖRG WERNER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)