1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Dinslaken: Reden wir doch mal über Pferde, Reiten und Entspannung

Dinslaken : Reden wir doch mal über Pferde, Reiten und Entspannung

In den RP-Sommerinterviews reden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Themen, zu denen sie sonst nicht befragt werden. Voerdes Kämmerin spricht über ihr Hobby und erklärt, warum sie sich ein Leben ohne ihre Tiere nicht vorstellen kann.

Manche joggen, andere radeln, Sie reiten. Haben Sie ein eigenes Pferd?

Simone Kaspar Zu unserer Familie gehören drei Pferde: Mambriso, ein Westfalenwallach, der ist 20 Jahre alt und Frührentner. Dann ist da Cool Connor, ein neun Jahre alter Oldenburger Wallach, ein Sportpferd. Und wir haben noch einen zwei Jahre alten Rheinländer Wallach, sein Rufname ist Fraggle. Der heißt so wegen seiner wilden Mähne. Er sah als Fohlen ein bisschen aus wie die gleichnamigen Puppen aus der Muppet-Show.

Wo stehen Ihre Tiere?

Kaspar Ein Pferd steht in Hünxe auf der Hengststation Schult, zwei sind in Schermbeck, auf dem Hof Heuwing untergebracht.

Wie sind Sie aufs Pferd gekommen?

Kaspar Durch eine Schulfreundin, die ich im Stall besucht habe. Daraufhin wollte ich auch Reitstunden nehmen. Als ich zehn oder elf Jahre alt war, lagen die Reitutensilien unterm Weihnachtsbaum. Das war eine tolle Überraschung. Wir wohnten damals in Herten-Westerholt. Zur Reitstunde bin ich einmal in der Woche mit dem Fahrrad gefahren. Für die Reitstunde, die damals zehn oder zwölf Mark kostete, habe ich sogar auf Taschengeld verzichtet.

Viele Mädchen träumen von einem eigenen Pferd. War das bei Ihnen auch so?

Kaspar Ja, natürlich. Als 20-Jährige habe ich mich dann so sehr in ein Pferd verliebt, dass ich es gekauft habe. Das war kein Vernunftkauf, eher Leichtsinn. Unseren Neunjährigen haben wir selbst gezüchtet, den Kleinen als halbjähriges Fohlen bekommen. Es ist spannend, die Tiere von klein auf zu begleiten. Man erlebt ihre Entwicklung mit, kann Vertrauen aufbauen. Uns macht es viel mehr Spaß ein Pferd selbst großzuziehen, als ein fertig ausgebildetes Tier zu kaufen. Es ist natürlich auch viel aufwendiger, aber auch spannender. Aufgrund des Kosten- und Zeitaufwands verzichtet man dann zugunsten der Tiere gerne auf den einen oder anderen Urlaub. Schließlich erholt man sich am Stall fast wie im Urlaub.

Sie sind Mitglied im Reit- und Fahrverein Hünxe?

Kaspar Ja, schon ziemlich lange. Ich bin dort aktuell sogar Kassenprüferin.

Wie intensiv betreiben Sie Pferdesport?

Kaspar Ich bin diesem Sport seit 32 Jahren treu und versuche es auch zu bleiben. Ein Leben ohne Pferde kann ich mir nicht vorstellen. Ab und zu habe ich mal an einem Turnier teilgenommen. Aber ich hatte nie den Ehrgeiz, ganz vorne mitzureiten.

Man sagt: Reiten ist mehr als ein Sport. Reiten ist Gefühl und Vertrauen, ist eine Lebenseinstellung.

Kaspar Das stimmt. Reiten bedeutet, dass man eine Beziehung zum Tier aufbaut und die Verantwortung übernimmt. Reiter und Pferd müssen sich absolut aufeinander abstimmen, nur dann können das Tier bzw. beide Leistung bringen.

Wie stimmt man sich ab?

Kaspar Ich muss das Pferd sehr genau beobachten, muss erkennen und fühlen, was es signalisiert. Ich muss auch seinen Charakter kennen und wissen, welche Bedürfnisse es hat. Oft funktioniert das nach dem Modell "Versuch und Irrtum".

Man sollte also dem Pferd weniger zuflüstern und ihm mehr zuhören.

Kaspar Genau. Jedes Pferd verhält sich anders. Am Ohrenspiel erkennt man, ob es gut oder schlecht gelaunt ist. Wenn es schnaubt, bedeutet das: Es sucht Kontakt oder es fühlt sich einfach nur wohl. Wenn es den Kopf nach vorn reckt, hat irgendetwas seine Aufmerksamkeit erregt. Angelegte Ohren und gebleckte Zähne stehen für Angriff. Aber Pferde sind von Natur aus gutmütig.

Sie haben einen harten Job. Können Sie beim Reiten abschalten?

Kaspar Ich muss gar nicht mal reiten. Es bringt schon Entspannung, wenn ich mich abends vor die Pferdebox setze, das Tier putze oder beobachte, wie es in der Herde läuft. Da zeigt sich die Anmut und Stärke dieser Tiere. Wenn ich dann eine Runde reite, meine Lektionen abrufe und das Pferd mitmacht, dann empfinde ich zudem eine tiefe Zufriedenheit.

Welche Lektionen sind das?

Kaspar Über Hindernisse springen, ein paar Hufschlagfiguren durchgehen, Galoppwechsel trainieren.

Reitet Ihr Mann?

Kaspar Nein. Wir sind sehr oft gemeinsam bei den Tieren. Aber er übernimmt im Wesentlichen die Pflege, auch dann, wenn ich mal gar keine Zeit habe.

Also keine gemeinsamen Ausritte?

Kaspar Nein, diese Wildwest-Romantik gibt's nicht.

Merken Sie, wenn es dem Pferd schlechtgeht?

Kaspar Ich habe mittlerweile so etwas wie ein kleines Tierarztabzeichen. Man macht seine Erfahrungen, hat eine Menge gesehen. Einfache Verletzungen kuriere ich selbst. Wenn das Pferd mal eine Prellung hat, kann man zu Hausmitteln greifen — dann gibt es zum Beispiel einen Quarkverband. Falls es eine Kolik oder Ähnliches hat, wird der Tierarzt gerufen. Pferde sind Herdentiere, die Kontakt zu Artgenossen und möglichst viel freie Bewegung auf der Weide brauchen. Pferde müssen Pferde sein dürfen.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihren Tieren?

Kaspar Mit Hin- und Rückfahrt sind es schnell zweieinhalb bis drei Stunden täglich. Manchmal bin ich aber auch nur kurz am Stall. Dann muss ich darauf achten, dass ich nicht zu hektisch bin. Hektik verzeihen Pferde nicht. Deshalb bringt es auch nichts, sich nach einem hektischen Arbeitstag aufs Pferd zu setzen.

Können Sie sich vorstellen ländlicher zu wohnen, mit einer Pferdeweide direkt vor der Haustür?

Kaspar Wir haben schon mit dem Gedanken gespielt, aber das wäre mit zu viel Arbeit verbunden. Wir haben zwar einen großen Garten, aber der ist nichts für Pferde. Außerdem habe ich Reitställe gefunden, bei denen sich die Besitzer und deren Mitarbeiter sehr gut um die Tiere kümmern.

Mögen sie Western?

Kaspar Nein, die haben mich nie interessiert. "Der Pferdeflüsterer" war ein sehr guter Film. Den könnte ich mir noch ein paarmal ansehen.

Wegen Robert Redford?

kaspar Wegen der Pferde.

Neben Ihrem Cool Connor — Stockmaß 1,74 Meter — wirken Sie eher klein. Wie kommen Sie in den Sattel?

Kaspar Ich nehme mir einen Hocker.

RALF SCHREINER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)