Hünxe: Rätselhafte Rinnsale

Hünxe: Rätselhafte Rinnsale

Gelbliche und rostbraune Flüssigkeiten am Fuß der Halde Lohberg-Nord-Erweiterung in Bruckhausen geben Anwohnern und Politikern Rätsel auf. Die Untere Wasserbehörde soll herausfinden, ob die Substanzen harmlos sind.

Die Abstimmung über die Entlassung der Halde Lohberg-Nord aus der Bergaufsicht war eine Sache von wenigen Minuten. Der Planungsausschuss gab einstimmig grünes Licht. Die Untersuchung der Bodenproben hatten keinerlei Hinweise auf Menschen oder Grundwasser gefährdende Emissionen ergeben. Im Gutachten des beauftragten Ingenieurbüros Dr. Tillmanns & Partner steht es Schwarz auf Weiß.

Doch wann immer in Hünxe über Bergehalden diskutiert wird, dauert es nicht lang, bis jemand die Sprache darauf bringt, niemand wisse genau, welch geheimnisvollen Dinge sich möglicherweise in solch einer Halde verbergen. Diesmal war es FDP-Fraktionschef Wilfried Benninghoff, der Zweifel äußerte. Dr. Heinrich Peters (CDU) nahm die "Steilvorlage" dankbar an. Hatte ihn doch ein Anwohner der Brömmenkampsiedlung auf gelbliche und bräunliche Flüssigkeiten aufmerksam gemacht, die angeblich aus dem Haldenkörper der Lohberg-Nord-Erweiterung gesickert seien. Diese "Riesensauerei" müsse schnellstens untersucht werden, forderte Peters. "Wir müssen den Dingen nachgehen." Um die Verwaltung von der Dringlichkeit zu überzeugen, überreichte er Bürgermeister Hermann Hansen eine CD mit 17 Fotos, die das "Übel" dokumentieren. Die Bilder, die der RP vorliegen, zeigen unter anderem Detailaufnahmen von Rohren, aus denen rostbraune und grauschwarze Substanzen sickern. Auch sind einige Pfützen und Rinnsale zu erkennen, auf denen ein weißlich-gelber Film schwimmt.

Um welche Substanzen es sich handelt und ob diese möglicherweise gefährlich oder völlig harmlos sind, soll nun die Untere Wasserbehörde des Kreises Wesel herausfinden. Dorthin hat Bürgermeister Hansen die Foto-CD weitergeleitet. Der Hünxer Verwaltungschef wollte die Fotos gestern nicht bewerten.

Die Ruhrkohle AG erklärte auf RP-Anfrage, dass es sich bei der gelblichen Flüssigkeit höchstwahrscheinlich um harmlose Lehm-Ausspülungen handele. Ein Phänomen, das bei starkem Regen auftrete. Das Gelbe stamme nicht aus dem Haldenkörper, sagte RAG-Sprecher Frank Kremer. Auch bei den schlammgrauen Flüssigkeiten liege die Vermutung nah, dass es sich um unbedenkliche Auspülungen handele. Die rötliche Substanz deute auf eisenhaltiges Wasser hin. Einer endgültigen Bewertung will die RAG jedoch nicht vorgreifen. Die sei Sache der Unteren Wasserbehörde. Der Ansicht ist auch Dr. Heinrich Peters. "Mir geht es um eine Gefährdungsabschätzung", sagte er gestern im RP-Gespräch. Außerdem sei es an der Zeit, dass das bei starkem Regen aus dem Haldenrandgraben schwappende Wasser nicht länger ungehindert auf die Grundstücke einiger Brömmenkampsiedler fließe.

Es gibt Anwohner, die sich mit dem Problem bereits vor drei Jahren an die Bezirksregierung in Arnsberg gewandt haben. Die Hoffnung auf eine "kurzfristige Lösung", wie es in einem Brief vom 13. Juli 2007 formuliert ist, wurde bislang nicht erfüllt.

(RP)