Dinslaken: Querflöten-Vogel jagt Wolfs-Horn

Dinslaken : Querflöten-Vogel jagt Wolfs-Horn

Das Kammerorchester Dinslaken präsentierte in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums "Peter und der Wolf und andere Geschichten". Publikum spendete viel Applaus für dieses abwechslungsreiche Sinfoniekonzert.

Nicht nur das Orchester als Ganzes, sondern seine einzelnen Instrumente und ihre Klangfarben waren das zentrale Thema des Sinfoniekonzertes des Kammerorchesters Dinslaken am Sonntag im OHG. Da passte es, dass die Musiker zu Beginn nach mehr Licht riefen, auch wenn sich dies auf die Lesbarkeit der Noten bezog.

Ein Musterbeispiel für ein Orchesterwerk, in dem sich einzelne Instrumente als echte Charaktertypen präsentieren dürfen, ist "Peter und der Wolf" von Sergej Prokofjew. Ein Kinderstück, das sich allerdings, teils wegen der Kindheitserinnerungen, sicherlich aber auch wegen der keineswegs kinderleichten Partitur, auch bei Erwachsenen großer Beliebtheit erfreut. Am Sonntag also durfte Peter in seiner unbekümmerten Violinen-Laune mit dem frechen Querflöten-Vogel auf Wolfs-Horn-Jagd gehen. Doch zuvor durfte das Publikum in der Aula des OHG den Klang des Cellos in vollen Zügen genießen.

Fulbert Slenczka, Solist mit Ausbildung in Deutschland und den USA und Lehrbeauftragter der Musikhochschule Detmold spielte Camille Saint-Saens' Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-moll op. 33.

Ein Stück, in dem die Sätze ineinander verschmelzen wie die dunklen, geschmeidigen Klänge des Cellos selbst und das derart auf die lyrischen Qualitäten des Instrumentes und der Virtuosität dessen, der es spielt, fokussiert, dass das Orchester zum Widerhall, zur klanglichen Erweiterung des Solisten wird.

Was das Kammerorchester unter der Leitung von Sebastian Rakow musikalisch zu bieten hat, stand in der eher unbekannten Ouvertüre zur Oper "Joseph in Ägypten" von Méhul, Faurés einschmeichelnder Pavane op. 50 und auch der Zugabe von Henry Purcell im Vordergrund.

Und dies natürlich gerade auch bei "Peter und der Wolf". Wobei die Geschichte, die der übrigens als Autor von skurrilen Kurzgeschichten leider noch viel zu unbekannte Sergej Prokofjew selbst schrieb, ebenso wichtig ist. Prokofjews Mentalität offenbart sich in kleinen Szenen wie dem Streit zwischen Vogel und Ente über Identität: "Du bist kein richtiger Vogel, du kannst nicht fliegen" - "Nein, du bist kein richtiger Vogel, denn du kannst nicht schwimmen".

Alles eine Frage der Perspektive. Das Fagott spielte Peters Großvater, Thomas Baumann musste schmunzeln, als er die schlanke Fagottistin des Kammerorchesters bat, sich bei der Vorstellung ihres Themas zu erheben, Thomas Baumann könnte den russischen Großvater darstellen, trug aber Halstuch als "Junger Pionier".

Und die Melodie der Nationalhymne, die er als Erzähler pfiff, gilt für sowjetische wie für heutige russische Zeiten.

Ein paar lockere Sprüche, dann war das Orchester gefragt. "Peter und der Wolf" klingt eingängig und kindgerecht, reizt die Möglichkeiten der Instrumente aber durchaus aus. Und so hatte das Publikum seine Freude nicht nur wegen der humorvollen Darbietung, sondern auch aus rein musikalischen Gründen. Viel Applaus für dieses abwechslungsreiche Sinfoniekonzert; am 9. Juli wird das Dinslakener Kammerorchester den Bach- und Madrigalchor in der Pfarrkirche Sankt Vincentius begleiten.

(RP)
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