Projekt der Caritas: Sozialarbeiterin ist "Kümmerin" für Stadtviertel

Projekt der Caritas : Sie ist das „neue offene Ohr“ im Blumenviertel

Carolin Nederkorn ist die „Kümmerin“ der Caritas. Die Sozialarbeiterin will Menschen im Stadtteil unterstützen, wo immer es gefragt ist.

Carolin Nederkorn will da sein, wenn sie gebraucht wird – und zwar dort, wo sie gebraucht wird. Mal mit jemandem gemeinsam zur Wohngeldstelle gehen. Mal Angehörige von Senioren an die Demenzberatung vermitteln und mal jemanden zu Hause besuchen, um seine Probleme zu besprechen. Sie will im Stadtteil unterwegs sein und möchte angesprochen werden. Die Leute im Viertel können ihr vermitteln, was sie brauchen, hofft die 23-jährige Sozialpädagogin. Sie ist „das neue offene Ohr“ im Quartier, sagen ihre Kollegen bei der Caritas.

Carolin Nederkorn ist die „Kümmerin im Blumenviertel“. So heißt das Projekt, das die Caritas mit ihr gestartet hat. Seit Mitte Januar hat sie erste Kontakte geknüpft. Jetzt arbeitet sie im Team der Stadtteilhilfe und Sozialberatung sowohl im „Düppelpunkt“ an der Düppelstraße als auch im „Alfred-Delp-Haus“ am Baßfeldshof. Und sie will möglichst rasch verstärkt „rausgehen“ zu den Leuten. Ihr erster Eindruck von den Menschen im Umfeld war schon mal „super“, versichert sie: „Ich war echt überrascht, wie positiv, offen und herzlich die hier sind.“

Einige Arbeitsfelder, die gerade für das Blumenvierteil bedeutsam sind, hat sie bereits abgesteckt. „Das Thema Alleinerziehende ist auf jeden Fall hier sehr groß“, erklärt sie. Mütter und Väter, die den Alltag mit Kindern zu bewältigen haben, kommen mit ihren Fragen. Außerdem gehe es recht häufig um Wohnungssuche und Beratung zu Wohnberechtigungsscheinen und Wohngeld: „Welche Hilfen man in Anspruch nehmen kann, das wissen die meisten gar nicht.“

Stadtteilhilfe und Sozialberatung der Caritas gibt es schon lange. Aber diese Unterstützungsangebote sind enorm nachgefragt, erläutert Bettina Schäfer vom Caritas-Team. „Wir haben in letzter Zeit verstärkt festgestellt: Wir kommen an unsere Grenzen“, sagt sie. Man brauche „ausreichend Zeit für den Menschen“, um auch mal etwas länger gut zuzuhören und wirklich umfassend zu beraten.

„Das Blumenviertel ist liebenswürdig, unheimlich freundlich, offen“, ergänzt ihr Kollege Guido Busch. Aber es gebe dort auch vieles, was problematisch ist: Armut im Alter, Alleinerziehende in Bedrängnis, Menschen in der Grundsicherung. „Frau Nederkorn will ganz lebenspraktische, individuelle Hilfe bieten“, beschreibt Busch. Und sie sei die einzige im Team, die keine anderen Aufgaben habe, als auf diese Weise für die Ratsuchenden da zu sein. Zudem kann sie nicht nur informieren, sondern innerhalb des Stadtviertels Kontakte knüpfen, Menschen besuchen oder begleiten, zum Beispiel bei Behördengängen.

„Wir glauben, dass wir einfach mehr rausmüssen“, betont Caritas-Direktor Michael van Meerbeck. Vor allem, „weil wir immer wieder merken, dass Armut sich versteckt“. Und aufgedeckt werde sie dann durch Begegnungen. Die „aufsuchende sozialraumorientierte Arbeit“ werde immer wichtiger.

Das Projekt wird von der EU und dem Land gefördert. Für die Bewilligung war ein umfangreiches Konzept nötig. „Da steckt sehr viel Arbeit hinter, sehr viel Zeit“, stellt Michael van Meerbeck fest. Die Mitarbeiter des Caritas-Teams hätten auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten großen Einsatz gezeigt. Freiwillig, betont der Caritas-Direktor: „Eingefordert“ habe man das nicht.

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