Dinslaken: Premiere für "Kleine Morde"

Dinslaken: Premiere für "Kleine Morde"

In der Oberhausener Lichtburg feierte der neue Kinofilm "Kleine Morde" von Adnan G. Köse Premiere. Der Dinslakener Regisseur lieferte eine Mischung verschiedener Genres und sorgte für düstere Stimmung.

oberhausen Der rote Teppich ist ausgerollt, mürrisch dreinschauendes Sicherheitspersonal steht hinter Absperrgittern, Luxuskarossen fahren an der Lichtburg in Oberhausen vor. Während im Blitzlichtgewitter die Schauspieler und Filmemacher den Fans Autogramme schreiben und den Journalisten Interviews geben, genießen im gut gefüllten Foyer des Kinos die geladenen Gäste ein Glas Sekt. Sie alle sind gekommen, um bei der Premiere des neuen Films von Adnan G. Köse "Kleine Morde" dabei zu sein — und ihm anschließend dafür zu gratulieren.

18 Jahre lang schlummerte das mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnete Skript in der Schublade. Für den Regisseur aus Lohberg ist der neue Film nicht sein erster, aber sein persönlichster, weil sein verstorbener Mentor Michael Lentz für die Dramaturgie verantwortlich war, der Film ihm und Köses ebenfalls verstorbener Mutter Elfriede gewidmet ist, und nur ein glücklicher Zufall dazu führte, dass das Drehbuch überhaupt verfilmt wurde. Erst die Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Schulfreund Eyyüphan Duy, der die Produktionsfirma SteelWorx gründete, machte "Kleine Morde" möglich.

Und so waren sie nun alle nach Oberhausen gekommen, um die Premiere zu feiern. Jimi Blue Ochsenknecht, im Film ein Taxi fahrender Kettenraucher mit der Vorliebe für Waffen, der mit dieser Rolle kein Teeniestar mehr wie in "Homies" sein will, die zierliche und im Geschäft etablierte Jasmin Schwiers, Udo Schenk mit seiner unverwechselbaren Stimme und zu guter Letzt Paul Falk. Nach Auftritten bei "Alarm für Cobra 11", "Soko Köln" oder einer Pilcher-Verfilmung ist es für ihn die erste Hauptrolle in einem Kinofilm, die das Potenzial des 15 Jahre alten Jungschauspielers, Jungmusikers und Gymnasiasten erkennen lässt. Für Köse ist er ein großartiges Talent, das bei "Kleine Morde" unter Verdacht gerät, einen kleinen Jungen erschossen zu haben und sich deswegen vor Gericht verantworten muss, weil in der Zukunft Deutschlands die Strafmündigkeitsgrenze aufgehoben ist. Sein Filmvater Uwe Ochsenknecht und seine Filmanwältin Ann-Kathrin Kramer blieben der Premiere fern.

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Köse selbst findet den Film traurig und hält ihn für schweren Stoff, weil er von der ersten Minute an düster ist, sich aber dabei in kein bestimmtes Genre einordnen lässt. Der Regisseur hatte bei den Dreharbeiten freie Hand, um das Experiment zu wagen, Drama, Melodram, Thriller, Krimi, einen Hauch von Horror und sogar Märchen in eine beklemmende Stimmung einzuweben. Mit seinem Kameramann James Jacobs arbeitet der Lohberger seit zehn Jahren zusammen und versteht sich mit ihm blind ("Wir müssen nicht mehr reden"), durch das Minibudget von 1,4 Millionen Euro sind keine großen Sprünge möglich und es wird an bekannten Orten in der Heimat gedreht: Lohberg, Duisburg, Oberhausen, Hünxe und Schermbeck.

Der ganz große Applaus bleibt nach der Premiere aus, als in der Lichtburg das Licht angeht. Das unerwartete Ende des Films ab 16 Jahre lässt das Jubeln nicht bei allen Besuchern zu. Köse hat Recht, wenn er sagt, bei "Kleine Morde" ginge es um Sterben, Verlust und Angst — aber auch um Hoffnung. Ein Glas Sekt im Anschluss im Foyer sorgt wieder für heitere Stimmung.

(gaa)
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