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Pony in Hünxe wohl von Wölfen gerissen – Minsterin äußert "Sorge"

Tier in Hünxe wohl von Wölfen getötet : Pony gerissen – Ministerin: „Es bereitet mir Sorge“

Landesumweltministerin Heinen-Esser sagt: Vielleicht müsse neu bewertet werden, ob Niederrhein-Wölfin „Gloria“ doch geschossen oder eingefangen werden soll. Grund für diese Aussage: der jüngste Vorfall in Hünxe.

Nachdem am Montag in Hünxe neuerlich ein Pony mutmaßlich von Wölfen gerissen worden ist, hat die Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser sich persönlich eingeschaltet. „Es bereitet mir Sorge, dass nach Schafen, die auf den Weiden geschützt werden müssen, jetzt offenbar auch einzelne Pferde angegriffen werden“, teilt die Ministerin mit. „Wenn sich der Verdacht bestätigt, dass das Pony von einem oder mehreren Wölfen gerissen wurde, wäre es bereits der dritte Wolfsriss eines Ponys.“

Sie habe am Dienstagnachmittag mit dem Halter des getöteten Tieres telefoniert. Per Gen-Untersuchung soll ermittelt werden, ob Wölfe für den Riss verantwortlich sind – wovon allerdings auszugehen ist – und welche individuellen Tiere vor Ort waren. Sobald die Ergebnisse da seien, müsse man die Lage neu bewerten, so Heinen-Esser: „Die Frage einer Entnahme ist erneut zu stellen, wenn die Wölfin GW954f“, also Niederrhein-Wölfin „Gloria“, „an dem Vorfall beteiligt war und die Gefahr besteht, dass verstärkt Pferde Opfer von Übergriffen werden.“

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Eine Konsequenz kündigte sie an: Die Förderrichtlinie für Abwehrmaßnahmen gegen Wölfe solle auf Pferdehalter ausgeweitet werden. Auch Pferdebesitzer sollen demnach in Zukunft finanzielle Hilfen erhalten können, um ihre Tiere besser vor den Raubtieren zu schützen. Konkrete Rahmenbedingungen und Kriterien würden derzeit ausgearbeitet, heißt es vom Landesumweltministerium. Einstweilen sollten zur Vorsorge, „sofern logistisch möglich, einzelne kleinere Pferde nicht über Nacht auf ungeschützten Weiden gehalten werden“.

Der Fall von Montag wäre der dritte in der Region, bei dem ein Pferd durch Wölfe getötet wurde. Erstmals wurde Ende Oktober des Jahres 2020 in Kirchhellen ein Shetland-Pony gerissen. Das war in Nordrhein-Westfalen seinerzeit der erste Angriff auf ein Pferd, seit sich die Raubtiere wieder in dem Bundesland angesiedelt haben. Anfang Januar dieses Jahres wurde erneut ein Shetland-Pony zum Opfer, diesmal in Hünxe.

Das jüngste Vorkommnis hat Tierhalter im Umfeld aufgewühlt. So den Pferdezüchter Tobias Schuldt, Inhaber der Hengststation Schuldt. Der Riss habe sich nur etwa 1,5 Kilometer von seinem eigenen Hof entfernt ereignet, erklärt er: „Mit 80 Jungpferden auf den Wiesen fühlen wir uns in der jetzigen Situation machtlos und von den Verantwortlichen im Stich gelassen.“

Von der Anpassung der Förderrichtlinien für den Wolfsschutz, die die Landesumweltministerin in Aussicht stellt, hört er mit Skepsis. „Wir können uns einfach nicht schützen“, sagt er. „Man kann Pferdeweiden nicht wolfssicher einzäunen. Das ist unmöglich.“ Die Flächen, um die es da gehe, seien zu groß: „Die Kosten wären immens.“ Und derart umfangreiche Zaunstrecken zu kontrollieren, instandzuhalten und stets von Pflanzen freizuhalten, sei nicht praktikabel: „Das schafft man arbeitstechnisch gar nicht.“ Zumal er es für fragwürdig hält, weite Teile der Umgebung mit Pferde- und Kuhweiden mit hohen Stromzäunen zu verstellen. Das sei doch für die Landschaft nicht verträglich.

Sollte tatsächlich eines seiner Tiere zur Beute von Wölfen werden, dann wären Entschädigungszahlungen für ihn auch nicht wirklich ein Ausgleich. „Das Geld nützt mir gar nichts, wenn 50 Jahre Zuchtgenetik verloren gehen. Die kriege ich nie wieder.“ Zudem fürchtet er, dass Tiere nicht unbedingt getötet, sondern durch Wölfe in Panik versetzt werden und ausbrechen könnten. So vermeldet das Landesumweltamt, dass am 20. September in Dinslaken vier Pferde, sowohl Großpferde als auch Ponys, von ihrer Weide davongelaufen seien. Alle blieben unverletzt, die Ursache des Vorfalls ist bislang nicht geklärt. Aber Schuldt sagt: Im Zweifel könnte er bei so etwas gar nicht nachweisen, dass es an jagenden Wölfen lag. Dann gäbe es wohl auch keine Entschädigungen.

Nicht zuletzt werde schon lange von Änderungen bei den Förderbedingungen gesprochen: „Da vergeht viel Zeit“, es geschehe aber nichts.

Tobias Schuldt ist davon überzeugt, dass es zu weiteren Verlusten von Pferden, am ehesten von Fohlen, und von Rindern kommen wird. „Das wird, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, passieren“, prognostiziert er. Die Frage sei nur, wann.