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Dinslaken: Polizei räumt Rotbachsee

Dinslaken : Polizei räumt Rotbachsee

Eis macht leichtsinnig: Hunderte von Spaziergängern und Schlittschuhläufern tummelten sich am Wochenende auf dem zugefrorenen Gewässer in Hiesfeld. Die "Lebensgefahr"-Schilder ignorierten sie.

Das Warnschild am Ufer des Hiesfelder Rotbachsees ist nicht zu übersehen. "Lebensgefahr" steht darauf. Es zeigt ein Kind, das ins Eis einbricht. Die drei Mädchen, die ein paar Meter weiter ihre Schlittschuhe anziehen, interessiert das nicht. Sie wollen Spaß haben.

So wie die vielen anderen Eisläufer und Spaziergänger, darunter Familien mit Kinderwagen, die sich an diesem Sonntagnachmittag dick eingemummelt auf den zugefrorenen See hinauswagen. Wer sie auf das Warnschild aufmerksam macht, bekommt dumme Sprüche zu hören. "Die Schilder haben nichts zu bedeuten, die stehen das ganze Jahr dort", ruft eine Frau und schlindert auf den See. "Wird schon gutgehen", sagt ein Mann und stapft hinterher.

Für einen 47-jährigen Schlittschuhläufer, der am vergangenen Freitag in Nettetal in einen vereisten See eingebrochen ist, ging es nicht gut. Die Suche nach der Leiche wurde am Wochenende eingestellt.

Die Feuerwehr Dinslaken warnt davor, Eisflächen auf Gewässern zu betreten, wenn diese nicht durch entsprechende Beschilderung freigegeben sind. "Jeden Winter brechen Erwachsene und Kinder auf Eisflächen ein", sagte Feuerwehrsprecher Christian Throll. "In der Regel kann sich eine Person nur etwa drei Minuten über Wasser halten."

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Auch Thomas Pieperhoff, Sprecher der Stadt Dinslaken, mahnte zu größter Vorsicht. Die Stadt gebe grundsätzlich keine Eisflächen frei, erklärte er. "Wir übernehmen kein Haftungsrisiko." Gestern Nachmittag rückte die Polizei am Rotbachsee an und lotste die Menschen über Lautsprecherdurchsagen vom Eis. Außerdem wurde das Ordnungsamt eingeschaltet, um das Gewässer abzusperren.

Bei zweistelligen Minusgraden frieren nicht nur Seen zu. Auch das Treibeis auf dem Wesel-Datteln-Kanal wird dicker, die Eisschollen behindern die Schifffahrt. Am Samstag machte die große Schleuse in Friedrichsfeld Probleme. Am Sonntag konnten nur Schiffe bis zu 80 Metern Länge das Tor zum Rhein durch die kleine Schleuse passieren. "Große Schleuse zu Berg mit Behinderungen", meldete der elektronische Wasserstraßen-Informationsservice.

Was im Osten Deutschlands längst geschehen ist, dort sind etliche Wasserstraßen gesperrt, könnte in den nächsten Tagen auch zwischen Dorsten und Friedrichsfeld notwendig werden. "Bei anhaltenden Minustemperaturen verschärft sich die Lage", sagte Klaus Fähnrich vom Schiffahrtsbüro in Meiderich auf RP-Anfrage. "Unsere Anlagen sind zwar gut gerüstet. Aber wir stecken nicht in der Technik drin." Und deshalb können die Binnenschiffer, die heute noch durch die schwimmenden Schollen pflügen — mittlerweile treibt auf 80 Prozent der Strecke zwischen Hünxe und Friedrichsfeld Eis, ebenso im Hünxer Vorhafen und in den Schleusenkammern —, schon morgen Gefangene im Eiskanal sein.

Der Frachter "Solvere" hat es am Samstag noch bis auf den Rhein geschafft. Wenngleich es beim Öffnen der Tore der kleinen Schleusenkammer in Friedrichsfeld kräftig klirrte und knarzte. Die Eiszapfen an den Toren haben mittlerweile eine beachtliche Länge erreicht. Bleibt es so kalt, werden als nächstes Poller und Steigleitern vereisen. Die Verkehrssicherheit wäre dann gefährdet. Will heißen: Nichts ginge mehr — Zwangspause bis zum Einsetzen des Tauwetters.

(RP)