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Politische Weltreise in Zeiten von Corona

Einschränkungen durch einen Virus : Politische Weltreise in Zeiten von Corona

Rund fünf Monate lang war der Dinslakener Peter Keup mit seinem Partner Harald Korff weltweit unterwegs. Auf dieser Tour hielt er Vorträge, diskutierte mit den Menschen über Demokratieerziehung und Diktaturerfahrungen.

Immer wieder wird Peter Keup gegenwärtig gefragt, ob er sich durch die massiven Bewegungseinschränkungen, denen die Menschen aufgrund der Corona-Pandemie unterworfen sind, in die ehemalige DDR zurückversetzt fühlt. „Nein“, antwortet der 61-Jährige, der in der DDR aufwuchs, von 1989 bis 2013 eine Tanzschule in Dinslaken betrieb und heute als Historiker tätig ist, entschieden. „Hier und heute sitzen nicht nur alle Deutschen in einem Boot, es sitzt die ganze Welt in diesem!“

Rund fünf Monate lang, von Anfang November 2019 bis Ende März 2020, befand Keup sich gemeinsam mit seinem Partner Harald Korff auf politischer Weltreise, „mit Reiseeinschränkungen und Ausgangssperren in unterschiedlichen Ausprägungen, Diskussionen über Freiheits- und Menschenrechte“. Wegen der Corona-Krise musste er die Tour dann vorzeitig abbrechen und kehrte früher als geplant nach Deutschland zurück. Keup wollte weltweit über die deutsch-deutschen Erfahrungen berichten, sich mit anderen Menschen austauschen und für demokratische Entwicklungen eintreten. Eingeladen hatten ihn deutsche Vertretungen und Auslandsschulen, Goethe-Gesellschaften, Universitäten sowie weitere Bildungseinrichtungen. Erschrocken ist er nach eigener Aussage darüber gewesen, wie häufig es in Diskussionen um die Frage ging, „ob nicht autoritäre und sogar diktatorische Systeme, wie China, vorbildhafter und vorteilhafter seien – für Sicherheit, Wohlstand und Gesundheit – statt Freiheit“.

Peter Keup hatte eine Einladung der Deutschen Botschaft in Bogota (Kolumbien) bekommen, Anfang November sollte er an der Universität de Los Andes einen Vortrag anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls in Berlin halten. Zudem sollte er zu deutsch-deutschen Themen ebenfalls bei einer Gedenkveranstaltung in Caracas (Venezuela) und bei der Brandis Universität im amerikanischen Boston sprechen. In Kolumbien begegneten ihm schnell jene Haltungen, die soziale Unsicherheit, Korruption und den fragilen demokratischen Zustand von Staat und Gesellschaft zum Anlass nahmen, über autoritäre und sogar diktatorische Maßnahmen nachzudenken: Sicherheit, Wohlstand und klare Verhältnisse statt Freiheit. In Venezuela traf er vor allem mit jungen Menschen (Studenten, Aktivisten, Künstler und Journalisten) zusammen, die von ihm wissen wollten, wie die damaligen DDR-Bürger ihre Freiheit gewonnen hätten und was man davon lernen könne. Für Keup waren in Venezuela überall „die Sehnsucht und der Wille nach Freiheit und die Möglichkeit, seine Zukunft selbst in die Hand nehmen zu können, zu lernen, zu arbeiten, sich mit anderen ohne Einschränkungen auszutauschen, reisen zu können“, zu spüren.

Peter Keup (links) mit Botschafter Daniel Kriener und dem Bürgermeister von Caracas, Gustavo Adolfo Duque Sáez, vor der Corona-Pandemie. Foto: Keup

Einen Kulturschock erlebte er mit der Einreise in die USA. Er hatte dort das Gefühl, „man sei alles ... nur nicht willkommen“. Die dortigen Veranstaltungen an der Brandis-Universität und im deutschen Konsulat seien zwar herzlich, bestens organisiert und gut besucht gewesen, doch hätten sie auf ihn auch irgendwie satt und ein bisschen träge gewirkt – denn für Geld gebe es alles in Amerika.

Von den USA ging es weiter nach Brasilien, von dort nach Santiago de Chile, Argentinien, Neuseeland, Australien und Thailand. In Argentinien hörte Peter Keup das erste Mal von einem neuartigen Virus, der in China ausgebrochen sein sollte. „Wieder mal China“, dachte Keup. Dieses Land war für ihn damals noch weit weg, so ziemlich am anderen Ende der Welt, denn erst im März/April wollte er dort sein. In der Folgezeit bestimmte die Corona-Krise immer mehr die Berichterstattung in den Medien und beeinflusste dann auch die Reise Keups. In Australien wurden die ersten Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen abgesagt, beinahe täglich kamen dann Absagen aus Asien. Schließlich entschlossen Peter Keup und Harald Korff sich, ihre Weltreise vorzeitig zu beenden und von Australien nach Deutschland zurückzufliegen, statt weiter nach Südostasien zu reisen, wie es ursprünglich geplant gewesen war. Einen kurzen Erholungsurlaub legten sie in Thailand ein und besuchten dort Freunde.

Zurück in Deutschland. „Ein kleines Virus hat unseren Bewegungsradius, nachdem wir zuvor die ganze Welt bereits haben, auf ein paar Quadratmeter eingeschränkt.“ Dies Gefühl hatte Peter Keup zuletzt 2015 in Nordkorea, als er dort unter Hausarrest stand. Natürlich erinnert er sich auch an die 23 Jahre seines Lebens, die er in der damaligen DDR verbrachte, mit all den Reise- und Bewegungsbeschränkungen. „Das war schmerzlich, denn es war willkürlich, einfach so, ohne plausible Erklärungen. Der Staat hat seine Bürger eingesperrt, sonst wären sie gegangen.“

Der heutigen Bundesregierung bescheinigt Keup, sich in der Krise viel Mühe zu machen, den Bürgern die Situation zu erklären, um Verständnis zu bitten. „Und das hat sie aus meiner Sicht insgesamt gut gemacht“, stellt Peter Keup fest.