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Pflegerin soll Senior mit Schmerzmittel getötet haben

Dinslaken : Pflegekraft wegen Mordes angeklagt

32-Jährige soll Senior aus Lohberg mit einem Schmerzmittel getötet haben.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg klagt eine jetzt 32 Jahre alte Pflegehelferin aus Polen wegen Mordes an. Ihr wird vorgeworfen, im Dezember 2016 einen von ihr betreuten 87-jährigen Mann in Lohberg mit einem Schmerzmittel getötet zu haben. Der Prozess vor dem Landgericht in Duisburg beginnt im November. Die 32-Jährige streitet laut Aussage der Staatsanwaltschaft Duisburg die Tat ab. Sie beteuert, dass sie dem Senior das Mittel nicht gegeben habe.

Die damals 30-jährige Beschuldigte war im Dezember 2016 im Haushalt des an Demenz erkrankten Mannes und seiner Frau als Haushaltshilfe mit Pflegeaufgaben beschäftigt. Am 21. Dezember wurden der Senior und seine 82 Jahre alte Frau ins Krankenhaus gebracht, da sie zu Hause gestürzt waren. Die Beschuldigte hatte damals selbst den Krankenwagen gerufen. Die Seniorin konnte das Krankenhaus noch am gleichen Tag verlassen, ihr Mann starb einen Tag später.

In der Wohnung des Ehepaares fanden Angehörige zwei Packungen des Schmerzmittels Tramadol, das nicht zu den Medikamenten der Senioren gehörte. Die Pflegekraft erklärte damals, dass sie selbst das Mittel genommen habe. Aufgrund dieses Medikamentenfundes wurde eine Obduktion des Seniors veranlasst. Er hatte Vorerkranken, die auch zum Tode hätten führen können, wie die Staatsanwaltschaft damals erklärte. Weil es Zweifel an einem natürlichen Tod gab, wurde ein toxologisches Gutachten beim rechtsmedizinischen Institut der Universitätsklinik Essen angefordert. Allerdings ließ das Ergebnis auf sich warten. Erst im Februar 2018 traf das Gutachten ein. Es ergab, dass der 87-Jährige eine tödliche Dosis des Schmerzmittels Tramadol im Blut gehabt hatte. Das Medikament konnte auch bei seiner Frau nachgewiesen werden. Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten daher nicht nur Mord, sondern auch gefährliche Körperverletzung vor. Nachdem das Gutachten vorlag, wurde eine Mordkommission eingesetzt und eine bundesweite Fahndung nach der polnischen Pflegekraft ausgeschrieben. Zeugen wurden gesucht, die Angaben dazu machen konnten, wo sich die Pflegekraft zwischen Dezember 2016 und März 2018 aufgehalten hat.

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Die junge Polin konnte dann im März 2018 in Baden-Württemberg festgenommen werden. Dort hatte sie in Aitraich als häusliche Pflegekraft für eine 92-jährige Frau gearbeitet. Nachdem auch diese Seniorin gestürzt war, wurde bei ihr der Gehalt des in ihrem Fall allerdings ärztlich verordneten Schmerzmittels in ihrem Blut untersucht. Es sei jedoch nur eine ganz geringe Menge festgestellt worden, wie Garip Günes-Böhm von der Staatsanwaltschaft Duisburg jetzt erklärte. Die Ursache für den Sturz der Frau in Aitrach habe nicht ermittelt werden können, ein Tatverdacht habe sich daher nicht bestätigt. Allerdings sei eine hohe Konzentration des Mittels im Blut der Beschuldigten festgestellt worden. „Es spricht einiges dafür, dass sie es selbst konsumiert hat“, so der Staatsanwalt. Hinweise auf weitere Taten liegen den Ermitteln nicht vor.

(dpa/hsd/fla)