Open House in der Residenz im Zwischenraum in Dinslaken

Residenz im Zwischenraum in Dinslaken : Farben und Formen wirken lassen

Das dreitägige „Open House“ in der „Residenz im Zwischenraum“ am Rittertor in Dinslaken verband Ausstellungen von Kreativen im Quartier Lohberg und der drei Studienjahre der Magenta-Kunstschule.

Kunst kann einiges bewirken, sogar Achtsamkeit lehren. Diese Erfahrung machten die Teilnehmerinnen der drei Studienjahre der Magenta-Kunstschule von Ulrike Int-Veen ebenso wie alle Besucher des dreitägigen „Open House“ in der „Residenz im Zwischenraum“ am Rittertor in der Dinslakener Altstadt, die sich darauf einließen, Farben und Formen in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

„Die Bilder erschließen sich sicherlich nicht auf den ersten Blick“, sagt Int-Veen bei ihrer Einführung am Freitagabend, das Geheimnis liegt in der bewussten Wahrnehmung der Farbe. Angefangen von der Herstellung der Farben mit Pigmenten bis zum fertigen Bild lernen die Malerinnen eines Studienjahres in zehn Wochenendseminaren, eine einzelne Farbe zu erfassen, ihre Lebendigkeit in der Wechselwirkung mit anderen Farben zu durchdringen und dies zur Grundlage der Komposition zu machen.

Zwischen Informell und gegenwärtiger abstrakter Malerei ordnet Int-Veen den Stil ein, in dessen Rahmen die Teilnehmerinnen ihre eigene künstlerische Handschrift entwickeln. Zur Ausbildung gehört auch die Auseinandersetzung mit bekannten Künstlerinnen und Künstlern und deren Herangehensweise.

Jeweils drei Exponate zeigten Gisela Berndt, Heike Berz-Rütten, Monika Brücker, Ulla Buchwald, Eleonore Dommasch, Heidi Hemmer, Irmgard Koppenburg, Regine Kraft, Albina Kulig, Ulrike Norpoth, Petra Pilath, Sylke Schacht, Martina Schmidt, Iris Schnaitmann, Ulli Soré, Dörthe Speetzen und Eva-Maria Zimnoch an diesem Wochenende. Sie waren nicht die Einzigen in der „Residenz im Zwischenraum“, in die einige der Künstlerinnen des Vereins Kreative im Quartier Lohberg im Jahr 2016 nach dem Brand des Gesundheitshauses zogen und deren Mietvertrag nun um ein weiteres Jahr bis Herbst 2019 verlängert wurde. Doris Kook präsentierte in ihrem Atelier einen Rückblick auf ihre Arbeiten „2018“, und unterm Dach zeigte Sabine Hulvershorn „Landschaften“.

Und wieder Farbe. Vor einer weiten Landschaft in Schwarzweiß entfacht sich zwischen Betrachtern des Werkes eine rege Diskussion über Motiv und Wirkung: Ist Weiß gleich Eis? Kälte oder Ruhe? Bei aller Farbpsychologie, es gibt das eigene subjektive Empfinden, das die individuelle Wahrnehmung von Kunst spannend macht.

Eine horizontale Linie reicht, einer Landschaft Weite und Perspektive zu geben, horizontal gespiegelte, asymmetrische Flächen führen die Hügellandschaften von Rhein und Garonne vor Augen.

Haptisch wird es im Atelier von Doris Kook. Dort treffen die Besucher auf kleinere Varianten der großen Pappmaché-Schalen, die sie bei der Extraschicht zeigte. Ohne das Licht entfalten sie eine ganz andere Wirkung. Grau- und Anthrazittöne dominieren. Und darin ist ein Glitzern zu sehen. „Ich mische Glaspartikel hinein“, erklärt die Künstlerin. Auch sie lehrt ihre Technik. Die Workshops finden im Friedensdorf Bildungswerk statt, eine Institution, der sich Doris Kook schon lange verbunden fühlt.

Kunst fürs Auge ist ein Teil der Vernissage, Musik für die Ohren der andere. Kadra Dreizehnter spielt Bach und Couperin, die Waldorfschülerin studiert bereits jetzt schon Cembalo an der Folkwang-Hochschule. Und dann wird es temperamentvoll. La Banda de Melodias sind Mohammad Habbal, Yazan Hanza und Felix Engel (Gitarren), Dominik van Lierop (Djembe) und Susanne Gerstenberg (Violine). Mit ihren Flamenco- und Rumba-Rhythmen bringen sie ihre Kunst ins „Open House“: Klangfarben.

(bes)