Nutztierhalter im Kreis Wesel brauchen Hilfe bei Schutzmaßnahmen gegen Wolf

Bürgerinfo in Hünxe : Schutz vor Wolf für alle Weidetiere

Schäfer und Naturschützer überreichen Forderungen an Umweltministerin Heinen-Esser. Heute Bürgerinfo in Hünxe.

Der Herdenschutz in Nordrhein-Westfalen soll angesichts der Rückkehr des Wolfes auf alle Weidetiere ausgeweitet werden. Dies fordern der Bundesverband Berufsschäfer, der Schafzuchtverband NRW, die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe und der Nabu NRW. Vertreter der Verbände überreichten Umweltministerin Heinen-Esser gestern in Düsseldorf ein gemeinsames Forderungspapier. Weidetierhaltern entstehe durch die Rückkehr des Wolfes ein wirtschaftlicher Mehraufwand für erhöhten Herdenschutz und Schäden durch Übergriffe auf Nutztiere, heißt es darin. Neben finanzieller Entschädigung seien daher verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen für einen effektiven Herdenschutz von essentieller Bedeutung, um die Akzeptanz für den Rückkehrer Wolf in unsere Kulturlandschaft zu steigern, so die Vertreter der vier beteiligten Verbände.

„Damit dies erfolgreich gelingen kann, muss die Förderung von Präventionsmaßnahmen auf alle Weidetiere erweitert und landesweit angeboten werden. Aufgrund des Wanderverhaltens von Wölfen ist ein geographisch begrenzter Herdenschutz für nur wenige Weidetierarten unzureichend, um Übergriffe auf Nutztiere effektiv zu begrenzen und damit dem Erlernen problematischen Jagdverhaltens von Wölfen vorzubeugen“, erklärte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Flächendeckende Prävention sei deshalb unabdingbar. Bis diese umgesetzt sei, werde jedoch etwas Zeit vergehen. Deshalb sollte zum Beispiel bei Schäden durch Risse in einer Übergangszeit bis 2020 auch bei fehlendem Herdenschutz Entschädigungen gezahlt werden.

Zudem sei die Einführung eines elektronischen Frühwarnsystems erforderlich, um sich frühzeitig über Wolfsverdachtsfälle informieren zu können. Hilfreich wäre sicherlich auch die schnellstmögliche Umsetzung einer Landesverordnung, die den notwendigen Umgang mit Wölfen regelt, die sorgfältig umgesetzte Herdenschutzmaßnahmen wiederholt überwinden.

Die Verbände begrüßen auch die Ende vergangener Woche gefasste Entscheidung der EU-Kommission, dass Investitionen in Vorsorgemaßnahmen gegen Risse von Weidetieren durch Wölfe künftig zu 100 Prozent durch die Länder finanziert werden können. Dies gebe Weidetierhalterinnen und -haltern mehr finanzielle Sicherheit und das Rüstzeug, um ihre Herden effektiv zu schützen Deshalb erwarten die vier Verbände, dass das Land der Entscheidung der EU-Kommission zügig folge. Aktuell würden 80 Prozent der Vorsorgekosten durch das Land Nordrhein-Westfalen in dem erst kürzlich ausgewiesenen Wolfsgebiet erstattet.

Auch die Kreisgruppe Wesel des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hält es für dringend geboten, „die Ausbreitung des Wolfes mit effektiven Maßnahmen zu begleiten, die das Zusammenleben von Mensch und Wolf erleichtern und zur Konfliktminimierung beitragen“, sagt Günther Rinke von der Kreisgruppe in Wesel.

Weil es sich um ein lernfähiges Tier handele, sei es nicht verwunderlich, dass die Wölfin mit der Kennung „GW954f“ immer wieder Übergriffe auf Weidetiere unternehme, heißt es weiter. Der BUND fordert, dass Weidetierhalter, zunächst allerdings insbesondere Besitzer von Schafen, Ziegen und Gatterwild, „weit umfassender bei Schutzmaßnahmen zu unterstützen“ seien als der Wolfsmanagementplan vorsehe. Die Kreisgruppe kritisiert, dass erst nach der Bewilligung des Förderantrages mit dem Bau von Zäunen begonnen werden dürfe.

Es müsse eine Möglichkeit gefunden werden, bereits erbrachte Schutzmaßnahmen nachträglich zu entschädigen. Nutztierhalter würden beim zusätzlichen Arbeitsaufwand, welcher durch das Errichten solcher Zäune anfällt, allein gelassen. „Deshalb fordern wir die Übernahme der Finanzierung dieses zusätzlichen Arbeitsaufwandes durch die Allgemeinheit“, so der BUND.

Das Landes-Umweltamt (LANUV) informiert am Mittwoch, 14. November, 19 Uhr, in der Aula der Gesamtschule Hünxe bei einer zweiten Bürgerversammlung über die standorttreue Wölfin in NRWs erstem Wolfsgebiet, das am 1. Oktober 2018 offiziell eingerichtet wurde.

Es umfasst mit 958 Quadratkilometern Teile der Kreise Kleve und Wesel (auch Hünxe und Teile von Dinslaken und Voerde), Borken und Recklinghausen sowie der Städte Bottrop und Oberhausen. Nach Westen hin erstreckt sich das Wolfsgebiet bis zum Rhein, im Süden bis zur A2.

Bei der Bürgerversammlung in Hünxe stehen der Präsident des LANUV, Thomas Delschen, der Leiter der LANUV-Abteilung für Artenschutz und Leiter der Wolfs-Arbeitsgruppe in Nordrhein-Westfalen, Matthias Kaiser, Rede und Antwort.

Als Vertreter des NRW-Umweltministeriums wird der Abteilungsleiter für Forst und Naturschutz, Hubert Kaiser, und der stellvertretende Pressesprecher, Peter Schütz, für Fragen zur Verfügung stehen. Fragen zur Abwicklung von Fördermaßnahmen im Wolfsgebiet liegen in der Verantwortung der Bezirksregierung Münster, diese wird vertreten von Maike Vossenberg aus dem Dezernat für Natur- und Landschaftsschutz.

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