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Dinslaken: Noch viele Lehrstellen frei

Dinslaken : Noch viele Lehrstellen frei

Hintergrund Das neue Ausbildungsjahr hat vielerorts bereits begonnen. Trotzdem fehlen dem Handwerk noch 15 000 Azubis. Leonhard Trenz, Inhaber der Dinslakener Tischlerei Trenz, trifft deshalb besondere Vorkehrungen bei der Suche nach Lehrlingen.

Hintergrund Das neue Ausbildungsjahr hat vielerorts bereits begonnen. Trotzdem fehlen dem Handwerk noch 15 000 Azubis. Leonhard Trenz, Inhaber der Dinslakener Tischlerei Trenz, trifft deshalb besondere Vorkehrungen bei der Suche nach Lehrlingen.

Dinslaken/Voerde/Hünxe Es sind besorgniserregende Zahlen, die die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) jüngst veröffentlichte. Demnach können immer mehr Betriebe ihre Lehrstellen nicht mit Azubis besetzen. Allein im Handwerk sind derzeit 15 000 Plätze noch zu vergeben, obwohl das neue Ausbildungsjahr vielerorts bereits begonnen hat. Die Zahl der bis Ende Juli abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 1,8 Prozent auf 82 500 an, doch fehlt es insgesamt an Schulabgängern. Besonders in den neuen Bundesländern ging die Zahl drastisch zurück. Insgesamt registrierte die DIHK in den alten Ländern rund 196 000 Vertragsabschlüsse, in den neuen Länder knapp 31 500.

Agentur für Arbeit bestätigt Trend

Diesen Trend bestätigt der Statistik-Service West der Agentur für Arbeit mit Blick auf den Bezirk Wesel. Dort sank die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge von 2825 (2008) auf 2548 (2009). In Dinslaken berichtet die Geschäftsstelle für 2009/10 von einem Zuwachs von 33 bei der Handwerkskammer gemeldeten Ausbildungsstellen – 33 davon waren aber Stand 29. Juli unbesetzt. Eine Prognose für den aktuellen Jahrgang konnte der Statistik-Service nicht abgeben. Eine Einschränkung bezüglich dieser Zahlen nahm Pressesprecherin Aneta Schikora vor: Macht ein Azubi eine handwerkliche Ausbildung in der Industrie, so taucht er nicht in der Statistik des Handwerks auf. Umgekehrt wandern etwa Bürokaufleute in Handwerksbetrieben in diese Statistik.

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Gegen diesen Strom schwimmt die Dinslakener Tischlerei Trenz, die auch für dieses Lehrjahr drei neue Azubis vermeldet. Seit acht Jahren bildet Inhaber Leonhard Trenz in seinem Unternehmen aus, das in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag feierte. "Und bislang haben wir pro Lehrjahr mindestens zwei Azubis eingestellt", berichtet Trenz. Zwei, um den Konkurrenzkampf hoch zu halten und die Lehrlinge zu besseren Leistungen zu animieren. "Das belebt das Geschäft – und hilft, mit den Azubis keine Probleme zu bekommen", ergänzt der Inhaber.

Dies ist aber nur eine Maßnahme der Tischlerei, um an "fähige" Azubis zu gelangen. So arbeitet Trenz eng mit der RAG Bildung zusammen, die ihm jährlich sechs Praktikanten vermittelt. "Sie machen meist ein längeres Praktikum bei uns. So können wir sehen, ob sie zu uns passen, und die Praktikanten merken auch, ob der Job etwas für sie ist", erklärt Trenz. Dadurch ist es der Tischlerei oft möglich, die passenden Azubis herauszusieben. Erstmalig begann nun ein Auszubildender bei Trenz, der sein Berufsvorbereitungsjahr am Dinslakener Berufskolleg absolviert hat. "Diese Jungs sind immer sehr fleißig und ehrgeizig."

Aktuell hat er mit den drei "Neuen" fünf Azubis in seinem Betrieb. "Die beiden im älteren Lehrjahr haben leider aufgegeben. Das ist zwar eine negative Erfahrung, war bislang aber die Ausnahme", sagt Trenz. Die Gründe für die Probleme, die aktuell auf dem Lehrstellenmarkt herrschen, liegen für den Firmeninhaber auf der Hand. "Viele Abgänger haben hohe schulische Defizite. Dies hängt mit vielen Faktoren zusammen. Vielleicht kann man die Schulen nicht mit früher vergleichen, aber oft ist es auch die fehlende Motivation der Jugendlichen oder die mangelnde Unterstützung und Kontrolle im Elternhaus", erklärt Trenz.

Fast ausschließlich Realschüler

Für sein Unternehmen bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Nahm die Tischlerei zu Beginn ihrer Ausbildungszeit noch Hauptschüler an, so sind es heute fast ausschließlich Abgänger von Realschulen. "Sollte der negative Trend weiter anhalten, dann müssen wir in zwei bis drei Jahren Abgänger von Gymnasien nehmen", analysiert Trenz.

(RP)