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Nick Stolz, Ulrich Jaschke – Familien zwischen Angst und Hoffnung

Fälle in der Region : Vermisst – zwischen Angst und Hoffnung

Der 1. Juli ist der 23. Geburtstag des vermissten Nick Stolz aus Voerde. Eltern und Schwestern versuchen, mit der Ungewissheit zu leben. So wie die Angehörigen des verschwundenen Familienvaters Ulrich Jaschke aus Dinslaken.

Wenn Nick Stolz noch lebt, dann ist er jetzt 23 Jahre alt. Der 1. Juli ist sein Geburtstag. Seit neun Monaten ist der junge Mann aus Voerde verschwunden. „Ich will, dass man ihn nicht vergisst“, sagt seine Schwester Jessica. „Er wird noch einmal Onkel“, erzählt sie: Seine ältere Schwester Ilone erwartet ein Kind. „Mir ist wichtig, dass er so etwas weiß, wenn er noch leben sollte“, sagt Jessica Stolz.

Nick Stolz verließ am 28. September 2019 das Haus und kam nicht mehr zurück. Die Umstände seines Verschwindens sind mysteriös. Geld und Wertsachen aus seinem Besitz wurden in einer Box vor der Tür einer Bekannten in Aachen deponiert. Es gab auf seinen Namen gebuchte Zug- und Flugtickets, aber keinen Hinweis darauf, dass diese Reisen wirklich angetreten wurden. Und es gab Dinge, die gegen ein freiwilliges Untertauchen sprechen: Nick Stolz hätte sich ohne Geld oder sonstiges Gepäck und trotz Flugangst auf den Weg gemacht und bei der besagten Bekannten eine Abschieds-Notiz hinterlassen, in der die Geschwister nicht die Ausdrucksweise ihres Bruders erkennen.

Die Familie ist mit ihrer Suche nach dem Sohn und Bruder an einem Ende angelangt. Sie hat nichts Neues mehr erfahren von der Polizei oder durch einen Detektiv, mit dem sie Kontakt aufgenommen hatte. Ihre jüngste Hoffnung war zuletzt eine Anfrage beim Bürgerbüro. Weil kaum noch Post für Nick Stolz ankam, entwickelte sich die Hoffnung, dass er sich vielleicht vom Wohnort abgemeldet hätte. Aber das war nicht der Fall, die zuständigen Stellen waren wohl inzwischen lediglich über die Situation informiert.

Der vermisste Nick Peter Stolz aus Voerde. Zuletzt trug der 23-Jährige eine auffällige Jacke. Foto: Polizei

„Wir stehen komplett im Dunkeln. Wir wissen gar nichts“ sagt Jessica Stolz. Den Angehörigen gehe es natürlich schlecht damit. „Es gibt keinen Tag, an dem man nicht an ihn denkt. An einem Tag ist es ein bisschen leichter, am nächsten schwieriger“, beschreibt sie. Alle suchen ihren Weg, um mit der Ungewissheit zurechtzukommen. Sie selbst denke inzwischen häufig, dass ihr Bruder nicht mehr am Leben sei. „Nicht, dass er sich das Leben genommen hat. Aber, dass etwas Schreckliches passiert ist“, sagt sie. Sie könne sich einfach nicht vorstellen, dass Nick sie so im Unklaren lassen würde. Andere Verwandte wollten von solchen Gedanken nichts hören.

Ulrich Jaschke aus Dinslaken wird vermisst. Zuletzt war er mit einem VW-Bus unterwegs. Foto: Polizei/LKA

Ein zweiter Vermisstenfall, der Angehörige und Freunde in Angst und Unsicherheit lässt, ist das Verschwinden des Familienvaters Ulrich Jaschke aus Dinslaken. Von ihm hat seit dem 19. April niemand mehr etwas gehört. Der 45-Jährige hatte sich nach einem Spaziergang mit einem Freund vor der eigenen Haustür von ihm verabschiedet, war in seinen Wagen gestiegen und davongefahren. Am nächsten Tag meldete seine getrennt lebende Ehefrau ihn vermisst.

Nach einem Aufruf an die Öffentlichkeit kam heraus, dass sein VW-Bus seit dem 19. April in Winnekendonk stand und er selbst am gleichen Tag dort und beim nahegelegenen Schloss Hertefeld gesehen wurde. Er war demnach mit dem Fahrrad unterwegs, das er üblicherweise in dem VW-Bus zu den Ausgangsorten für Radtouren transportierte.

Das ist der Wagen von Ulrich Jaschke aus Dinslaken. Er stand lange in Winnekendonk, inzwischen hat die Familie ihn abgeholt. Foto: Ja/Norbert Prümen (nop)

Daraufhin gab es zwei groß angelegte Suchaktionen. Das Gelände rund um einen Tierpark in Weeze wurde von einer Hundertschaft durchkämmt, unterstützt von einem Hubschrauber. Eine zweite Aktion folgte, diesmal sogar mit mehreren Hundertschaften und Spürhunden und auch im weiteren Umkreis. Abgesucht wurde der Bereich rund um Schloss Wissen und die Niers. Es blieb vergeblich. „Wir haben keinerlei Hinweise auf den Mann gefunden“, berichtet Polizeisprecherin Andrea. Auch das Fahrrad ist weiterhin verschwunden, und Hinweise aus der Bevölkerung habe es ebenfalls nicht mehr gegeben.

Der VW-Bus stand noch einige Zeit dort, wo er geparkt worden war. Die Polizei hat auch den Wagen noch einmal genau untersucht, aber keine hilfreichen Spuren gefunden. Das Fahrzeug wurde danach für die Angehörigen freigegeben, die ihn inzwischen auch aus Winnekendonk abgeholt haben.

Nun seien aktuell keine weiteren konkreten Suchmaßnahmen geplant, so Polizeisprecherin Andrea Margraf: Es gebe einfach keine Ansätze mehr dafür. Es könne sein, dass der Mann über die Grenze in die nahen Niederlande gefahren sei. Doch ohne Geld, Proviant oder Gepäck sei es rätselhaft, wohin. „Aufgrund unserer intensiven Fahndungsaufrufe hätte ihn eigentlich jemand sehen müssen“, so Margraf.

Vermisstenfälle sind für die Angehörigen immer besonders belastend, erklärt die Sprecherin. Die Familie lebten bei so einem Geschehen immer zwischen Hoffen und Bangen. Mitunter sind Hoffnungen begründet. Andrea Margraf berichtet vom Fall eines Mannes aus der Region, der sogar mehrfach verschwand und später immer wieder auftauchte. Er habe sich niemals bei seiner Familie gemeldet und hinterher stets erklärt, er habe eine Auszeit gebraucht.