Neujahrskonzert des Lions Club Voerde: Juliusz Goniarski springt für Georg Kjurdian ein

Absage wegen Erkrankung : Polnischer Pianist rettet Konzertabend

48 Stunden vor Beginn des Neujahrskonzertes des Lions Club musste Musikstipendiat Georg Kjurdian krankheitsbedingt absagen. 

Zum 20. Mal lud der Lions Club Voerde zu seinem Neujahrskonzert im großen Saal des Rathauses, und ausgerechnet dieses Jubiläum war kurze Zeit in Gefahr. Denn es ist Tradition, dass das Benefizkonzert vom aktuellen Musikstipendiaten der Voerder Lions selbst bestritten wird – aktuell also vom lettischen Pianisten Georg Kjurdian, der an der Essener Folkwang-Hochschule einen Master-Studiengang absolviert.

Am Freitagabend aber erreichte Gerd Brückerhoff, den amtierenden Präsidenten des Lions Club Voerde, die Nachricht aus Riga: Kjurdian ist krank, fällt für das Konzert am Sonntag aus.

Doch er konnte einen Ersatz vermitteln: Juliusz Goniarski, wie Kjurdian Klavierstudent an der Folkwang-Hochschule und zuvor ausgebildet an der Frederic-Chopin-Musikhochschule in Warschau, seiner Heimatstadt, in der er sich wegen der Ferien auch noch am Freitagabend aufhielt. 48 Stunden später nahm Goniarski Platz am Flügel im Rathaussaal und brachte dem Voerder Publikum Klänge aus der Heimat mit: Stücke von Ignacy Jan Paderewski (1860 - 1941), Karol Szymanowski (1882 - 1937) und natürlich Frederic Chopin (1810 - 1849). Dazu die „Ballade Slave“ und „L’isle joyeuse“ von Claude Debussy (1862 - 1918), letzteres ein Stück, das ursprünglich auch Kjurdian für den Abend im Programm hatte.

Und gerade die beiden Stücke des französischen Impressionisten waren die Highlights des Abends. Goniarski verlieh ihnen jenen schwebenden, vagen Klang, dem die Musik Debussys das aus der bildenden Kunst stammende Etikett „Impressionismus“ verdankt und setzte, um beim Bild zu bleiben, mit schnellen, kräftigen „Pinselstrichen“ im tänzerischen „L’isle joyeuse“ Akzente.

Stimmungsbilder schuf auch Paderewski in seinen „Miscellanea“ op. 16. Das Thema der „Legende“ erinnert ein wenig an Schumann, sein „Nocturn“ zeigt die heimelige Seite der Nacht. Zu Beginn des Abends verwies Juliusz Goniarski auf Gemeinsamkeiten der polnischen Komponisten untereinander. Im ersten Teil des Pogramms waren sie greifbar – mit der linken Hand. Das Nocturn wird von einem sich stetig wiederholenden Motiv bestimmt. Ganz ähnlich verhält es sich in der Ballade F-Dur op. 3. Weiter ging es im Takt der in der Romantik so beliebten venzianischen Gondellieder mit der heiteren, verspielten und durch unzählige Trillerfiguren verzierten Barcarolle Fis-Dur.

Karol Szymanowski betrat zwei Generationen nach Chopin die musikalische Bühne. Trotzdem weht in seiner Phantasie C-Dur op. 14 von 1905 zu Beginn noch der Geist der Spätromantik.

Bis zu dem Punkt, wenn die Musik quasi den Impressionismus durchschreitet und fast ein wenig atonal wird. Ein paar Jahre später wird Szymanowski Strawinksi in Paris kennen gelernt haben, seine von Goniarski attacca, also hintereinander weg gespielten Mazurken 17 bis 20 aus dem op. 50 klingen schroff expressionistisch.

Juliusz Goniarski beendet den Konzertabend mit dem temperamentvollen „Krakowiak fantastique“ von Ignacy Jan Paderewski. Gerd Brückerhoff blieb nach diesem rundum „geretteten“ Neujahrskonzert nur noch ein Wunsch ans Publikum: „Bleiben Sie musikalisch fasziniert!“

(bes)