Neugründung in Spellen: In Voerde gibt es jetzt eine Kolpingsfamilie

Offen für frische Ideen : In Voerde gibt es jetzt eine Kolpingsfamilie

Sie üben selbst noch, was „Kolpinger sein“ eigentlich bedeutet, sagen die Gründer. Gemeinsam mit Mitstreitern wollen sie die sozialen Fragen der Zeit aufgreifen, sich der Jugend zuwenden, kritisch und offen sein.

Dass eine Kolpingsfamilie neu gegründet wird, ist heutzutage ein Ereignis mit Seltenheitswert. Es kommt kaum noch vor - schon deshalb nicht, weil es überall mehr oder weniger gefestigte Verbandsstrukturen gibt. Allerdings war Voerde bisher ein „weißer Fleck“ auf der Karte des Kolpingwerks. Jetzt nicht mehr: In Spellen hat sich eine neue Kolpingsfamilie für die Stadt formiert.

„Das ist so selten, dass sogar der Bundesverband uns Glückwünsche geschickt hat. Und wir wurden sehr eng begleitet von höheren Stellen, die ziemlich stolz waren, dass sich heutzutage noch eine Kolpingsfamilie gründet“, erzählt Martin Kuster, der Vorsitzende der jungen Vereinigung.

23 Mitglieder haben sich zusammengefunden, vor allem aus Spellen und Umgebung. Die eigentliche Gründungsversammlung war im Dezember, eine Feier mit Fahnenweihe war jetzt im Frühjahr. Dabei lobte Pfarrer Wilhelm Kolks, Präses der jungen Kolpingsfamilie, dass die Aktiven Mut hätten, so ein Projekt zu starten.

Damit könnte er Recht haben. „Es ist allgemein eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die wir seit 20 bis 30 Jahren beobachten: Diese Bindungskräfte, gerade im katholischen Milieu, sind nicht mehr so stark, wie sie es vorn 50 bis 60 Jahren waren“, analysiert Vorstandsmitglied Christian Garden.

Andererseits will die neue, junge Kolpingsfamilie gerade nah dran sein am Puls der Zeit und der Veränderungen, die diese mit sich bringen, betonen die Gründer. Man wolle „die sozialen Fragestellungen unserer Zeit aufgreifen“, sagt Garden. Umweltschutz. Ökonomische Überlegungen. Und - als Laienverband - auch Fragen zur Kirche. All das seien Punkte, mit denen die neue Organisation junge Leute und Jugendliche ansprechen könne, hoffen die Aktiven. Vor allem, da die neue Gruppe vielleicht auch einladender sein könnte für Menschen, die keine Erfahrungen mit der Organisation haben. „Wir sind kein eingeschworener Club“, beschreibt es Martin Kuster. Von den Gründungsmitgliedern sind gerade mal fünf Personen „alte Hasen“ aus anderen Gruppen im Kolpingwerk, alle anderen sind frisch dabei. „Wir sind selber noch in der Übungsphase“, versichert Kuster.

Wer also mitmachen will, der stößt nicht auf verknöcherte Strukturen. Die große Idee und Tradition von Kolping schwebt zwar über der Voerder Organisation. Aber wie das mit Leben gefüllt wird, das findet sich noch. „Bei uns kann jeder mit üben, Kolpinger zu werden“, sagt Kuster. Und Christian Garden ergänzt: „Und darüber auch definieren, was ,Kolping’ ist.“

Gerade um junge Menschen könne man damit offensiv werben, sagt Garden. „Wir wollen deutlich machen, dass es auch für Jugendliche attraktiv ist, in einer Kolpingsfamile, die sich der Entwicklung der Gesellschaft nicht verschließt, aktiv zu sein.“ Denn Jugendliche hätten durchaus ein großes Interesse, sich mit Kirche zu beschäftigen. Er verweist auf Diskussionen, die Schüler des Gymnasiums Voerde erst mit dem Bischof Rolf Lohmann, später mit der Pfarrei Sankt Peter und Paul geführt haben. „Vielleicht ist unser Angebot da passgenau“; sagt Garden: „Kirche nicht über die Amtskirche kennenzulernen, sondern über einen Laienverband.“

Ein konkretes Ziel haben sich die Akteure gesetzt: „Wir wollen, dass es eine stärkere Zusammenarbeit mit Dinslaken und Wesel gibt“, kündigt Martin Kuster an. Dafür könnte die neue Voerder Gruppe das Bindeglied sein zwischen den schon lange existierenden Mitstreitern in Dinslaken und Wesel. Es bieten sich Kooperationen an, sagt Martin Kuster. „Wenn es um gemeinsame Fahrten geht. Oder um Diskussionsveranstaltungen mit Leuten, die sagen: Wir wollen auch eine bestimmte Zuschauerzahl haben“, schlägt er vor.

Ein Jahresprogramm mit Gemeinschafts- und Bildungsangeboten haben die Gründer erstmal auf die Beine gestellt. Außerdem hat die Kolpingsfamilie die Durchführung von Englisch-Kursen für Teilnehmer ab 50 übernommen. Dabei sind noch ein paar Plätze frei - offen für jedermann.

Einen Schwerpunkt wollen die neuen Kolpinger in der Jugendarbeit setzen. Auch und gerade weil sie keinen eigenen Jugendverband haben, wollen sie Aktivitäten in der Stadt unterstützen und Projekte ins Leben rufen, berichtet Martin Kuster. „Wir stellen die Frage: Was können wir für Jugendliche tun?“ Nicht zuletzt als Investition in die Kolping-Zukunft.

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