Neues Zuhause gesucht: Für den Gnadenhof in Hünxe wird’s eng

Neue Heimat für viele Tiere gesucht: Für den Gnadenhof in Hünxe wird’s eng

Gnadenhof für Tiere in Hünxe braucht Hilfe

Für den Gnadenhof der Familie Schädel sind die Tage im Zuhause in Hünxe gezählt. Die Menschen und ihre rund 70 Tiere – diese sind alt, krank oder von einer schlimmen Vergangenheit verstört – brauchen dringend ein neues Heim.

Vom umzäunten Gelände aus tapern Gänse durchs Tor hinaus auf eine große Wiese. Kaninchen mümmeln in ihrem Gehege überm Futtertrog, ein Hahn stolziert in sein Hühnerhaus, und mehrere Hunde laufen jedem Besucher schwanzwedelnd entgegen. Etwa 70 Tiere – Katzen und Hunde, Kaninchen und Hühner, Meerschweinchen, Gänse und Enten – leben auf dem Gnadenhof von Nicole Schädel. Es sind alte, kranke oder verstörte Geschöpfe. „Ich sehe täglich, was Menschen mit Tieren machen“, sagt Nicole Schädel über ihre Schützlinge.

Aber so wie es ist, kann es nicht bleiben: Der Gnadenhof muss umziehen. Die 49-jährige Nicole Schädel wohnt mit ihrer Mutter, ihrer zwölfjährigen Tochter und den Tieren seit elf Jahren zur Miete in der Immobilie, die umgeben von Wald bei Hünxe liegt. Im Frühjahr 2018, nach dem Kauf durch neue Eigentümer, erhielt sie die Kündigung. Eigentlich sollte sie das Haus schon im Dezember verlassen, das wandte Nicole Schädel gerichtlich ab. Die Situation ist für sie ein ziemlicher Nervenkrieg. „Ich bemühe mich wirklich. Ich würde lieber heute als morgen ausziehen“, sagt sie. Nur: Es muss sich etwas Passendes finden.

Sie hat schon alles Mögliche auf die Beine gestellt. „Alle wissen Bescheid“, sagt sie: Es gibt eine Spendenaktion, es gab Aufrufe über soziale Medien und in der Presse, Tierschutzvereine strecken die Fühler aus. Es gab viele Reaktionen, die sie toll fand, erzählt Nicole Schädel: „Spenden, Futterspenden, nette Leute, die sich wirklich bemühen und rumfragen – aber das richtige Haus war noch nicht dabei.“ Es taten sich zwar Angebote auf, aber das waren entweder Häuser mit zu kleinem Grundstück, oder die Immobilien waren viel zu teuer.

Ihre Ansprüche hat sie seit dem Frühjahr schon etwas heruntergeschraubt. „Die Ponys haben wir zu Bekannten gestellt. Da können sie auch bleiben, so dass wir nicht mehr 7000 Quadratmeter Grundstück brauchen“, erklärt sie. „So 2500 Quadratmeter müssten wir haben, damit die Tiere artgerecht untergebracht sind.“ Eine große Wiese wäre auf jeden Fall schön. Und das Ganze müsste sich irgendwo im Umkreis von 40 Kilometern rund um Voerde finden; das ist für sie die Schmerz­grenze.

Diese Gänse fallen dem Schlachter nie zum Opfer. Nicole Schädel mit Hund Emily und Federvieh auf ihrem Gnadenhof in Hünxe. Foto: Zehrfeld

Sie würde ein Haus entweder mieten oder günstig kaufen. Ideal wäre ein kleiner Bauernhof, auf dem es noch eine Scheune gäbe – das Federvieh braucht ein Dach über dem Kopf. „Aber zur Not könnte man das auch noch bauen“, sagt Schädel. Tatkräftige Unterstützung werde sie dank vieler ehrenamtlicher Helfer wohl haben.

Die Lage des Areals ist natürlich wichtig. „Ich kann in keine Wohnsiedlung“, sagt sie. Wobei ihr Hof aber auch keine schlimme Belastung für die Umgebung sein müsse, wie sie meint: „Man muss sich das nicht so vorstellen, dass die Tiere da den ganzen Tag rumstressen.“

Der Gnadenhof ist für Nicole Schädel jeden Tag unheimlich viel Arbeit. Für sie ist es aber eine Herzensangelegenheit. „Ein Tier, das kann sich nicht helfen. Das ist dankbar“, beschreibt sie. Ihre Situation gehe ihr an die Substanz. Aber die Sache aufgeben? Nein, wehrt sie ab: „Dann sitzen die Tiere vor einem, gucken einen an, und dann denke ich: Nein, du kannst nicht aufgeben.“

Wie es denn weitergehen soll, wenn ihre Suche erfolglos bleibt und sich einfach kein neues Zuhause für sie und ihre Schützlinge findet, „darüber möchte ich eigentlich gar nicht nachdenken“, sagt sie. Es gibt für sie keinen Plan B. „Ich denke, wir werden was finden. Es braucht einfach seine Zeit.“

Mehr von RP ONLINE