Dinslaken: Neue Vortragsreihe gegen das Vergessen und für mehr Toleranz

Dinslaken: Neue Vortragsreihe gegen das Vergessen und für mehr Toleranz

Stadtarchiv arbeitet jüdische Geschichte in Dinslaken auf: Vortrag zur Rolle der Reichsbahn

Kirchengemeinden, Bürger, Vereine, Schulen und Stadt haben sich mehrfach der historischen Verpflichtung und Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde gestellt, zuletzt mit dem Einweihen von Mahnsteinen des Künstlers Alfred Grimm und den verlegten Stolpersteinen von Gunter Demnig. "Gegen vergessen — für Toleranz" nennt sich in Regie des Stadtarchivs eine Veranstaltungsreihe, die neuerlich an das unselige Kapitel in der Geschichte erinnert.

Zum Auftakt am Montag, 28\. Januar, beleuchtet Professor Joseph Heid ab 19\.30 Uhr bei freiem Eintritt im Dachstudio der Stadtbibliothek die Rolle der damaligen Reichsbahn bei der Deportation jüdischen Bürger. Der Referent hat zahlreiche Publikationen zur deutsch-jüdischen Beziehungs- und Literaturgeschichte veröffentlicht und ist unter anderem Mitherausgeber der Judacia-Reihe des Campus-Verlages, Frankfurt. In einem Buch hat er sich speziell dem Judentum im Raum Duisburg zugewandt.

Der Historiker stellt seinen Vortrag unter das Thema "Mit der Reichsbahn in den Tod oder: Wie die jüdischen Opfer in die Vernichtungslager gelangten". Am Holocaust waren Tausende beteiligt, es war ein arbeitsteiliges Mordprojekt. An vorderster Front stand, wie bekannt, die Deutsche Reichsbahn und ein eifriger Spediteur: Albert Ganzenmüller, von 1942 bis 1945 Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium. In dieser Zeit deportierte das deutsche Eisenbahnsystem Millionen Juden in die Vernichtungslager.

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Ein anderer Spediteur war Paul Salitter, der im Dezember 1941 mehr als tausend Juden aus dem Rheinisch-Westfälischen, darunter Dinslaken, in den Tod transportierte. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Umständen, dem Durchführen und den Folgen der Deportationen in den Jahren 1941 bis 1945 und nimmt Opfer wie Täter in den Blick. Die Verhältnisse in Dinslaken, insbesondere die Situation während des Novemberpogroms 1938, werden in Heids Publikation "Ostjuden — Bürger, Kleinbürger, Proletarier — Geschichte einer jüdischen Minderheit" ausführlich geschildert. Darüber hinaus beziehen sich einige Fallbeispiele auf Jeanette Wolff.

Der Vortragende stellt Leseproben aus seinem Buch vor und erzählt dazu Begebenheiten, die für die deutsch-jüdische Geschichte allgemein und für den Niederrhein im Besonderen relevant sind. Er geht auf Fragen der Wiedergutmachung ein und auf neues jüdisches Leben durch die Zuwanderung von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion seit Ende der 1980er Jahre, insbesondere mit Blick auf die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen.

(RP)
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