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Nächster Schritt im Emscher-Umbau: Mündung bei Dinslaken wird gestaltet

Einbau von bis zu 2,50 Meter hohen Natursteinen : Jetzt kriegt die Emscher eine Treppe

Die Mündung der Emscher in den Rhein bei Dinslaken wird verlegt. Ab dieser Woche werden große Steinblöcke eingesetzt, die rund fünf Meter Höhenunterschied ausgleichen. Sonst gäbe es später einen Wasserfall.

Aus der Vogelperspektive ist das künftige Flussbett bereits beeindruckend zu erkennen. Dort soll die Emscher, zurückversetzt in einen deutlich naturnäheren Zustand eines Flusses, in Zukunft in den Rhein münden: 500 Meter weiter nördlich als jetzt am Stapp. Ein 50-Millionen-Euro-Projekt, das jetzt einen entscheidenden Schritt weitergeht: Ab dieser Woche geht es an die eigentliche Gestaltung der neuen Mündung mit Naturstein-Brocken. Diese haben beeindruckende Dimensionen von bis zu 2,50 Metern Höhe.

Dem Projekt liegen Vorgaben der Europäischen Union zur „Durchgängigkeit“ von Gewässern zugrunde. „Wir bezeichnen das als EU-Reisefreiheit für Fische“, sagt mit Augenzwinkern Ilias Abawi von der Emschergenossenschaft, die hinter dem Vorhaben steht. „Das bedeutet im Klartext, dass nicht nur der Fisch aus Dortmund in Richtung Nordsee schwimmen können soll, sondern auch der Fisch aus dem Rhein nach Dortmund. Im Moment schafft er das nicht. Er müsste fünf Meter hoch springen.“

Denn schließlich liegt der Rhein rund fünf Meter tiefer als die Emscher. Die heutige Mündung des kleineren Flusses in den Strom ist ein sogenanntes „Absturzbauwerk“ am Stapp, praktisch ein künstlicher Wasserfall. Da kommt nicht nur kein Fisch hoch. Auch die Tiere, die herabgespült werden, und das Ökosystem an der betreffenden Stelle im Rhein leiden darunter, wie das Wasser verwirbelt wird. „Deswegen schäumt die Emscher in dem Bereich auch ganz massiv“, sagt Abawi.

Die neue Mündung soll anders werden: Bis zu zweieinhalb Meter hohe, ungleichmäßig geformte Natursteine werden eingesetzt, um den Höhenunterschied zwischen beiden Gewässern auszugleichen. So wird eine sogenannte „Sohlgleite“ gebildet, über die das Wasser in gemäßigter Geschwindigkeit herabrauscht und über die die Fische auch gegen den Strom emporschwimmen könnten. Die Konstruktion wird mit einer Treppe verglichen. Allerdings soll sie später nicht wie eine echte Treppe gerade und symmetrisch wirken. „Das soll ja alles naturnah sein und nicht, wie es früher war, von Menschenhand geometrisch gestaltet sein“, betont Ilias Abawi.

Das gleich gilt für die seitlichen Böschungen und Übergänge der Emscher. „So, wie Steine eben auch an einem natürlichen Bachlauf sind, soll das auch an der zukünftigen Emschermündung sein.“

 Die Aushubarbeiten auf dem Bauabschnitt sind bereits abgeschlossen, etwa 30.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt. Die Böschungen wurden mit einem Geotextil im Erdreich gesichert, es wurden dort bereits erste Anschüttungen von Steinen erledigt. Der Schritt der aufwändigen Gestaltung, der nun ab dieser Woche mit der Verlegung der großen Steinbrocken startet, wird nach den Plänen der Emschergenossenschaft etwa ein Jahr dauern, also bis Ende 2020.

Dann kommt der nächste Bauabschnitt, der bis mindestens Ende 2021 dauern wird. Dabei soll die Emscher in ihr neues Auenfeld umgelegt werden, der Rheindeich für die Mündung geöffnet werden. Der alte Emscher-Lauf wird verfüllt.

Weiter östlich, zwischen der Brücke Hagelstraße und der Bahntrasse, wird die Emscher „aufgeweitet“. „Da ist die Emscher noch stark eingeschnitten, also sehr schmal“, erklärt Ilias Abawi. Mit der Verbreiterung des Gewässers wird die weiter westlich begonnene Arbeit praktisch fortgesetzt: „Die Mündungsaue beginnt dort im Prinzip schon.“

In die Renaturierung der Emscher-Mündung investiert die Emschergenossenschaft etwa 50 Millionen Euro. Sie ist Teil eines „Generationen-Projekts“: des Emscher-Umbaus. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft in enger Abstimmung mit den Emscher-Kommunen diesen um. Man geht von einem Zeitraum von rund 30 Jahren aus, insgesamt 5,38 Milliarden Euro werden laut Prognosen investiert werden.