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Dinslaken: "Museumsmäuse" sind gut bei Stimme

Dinslaken : "Museumsmäuse" sind gut bei Stimme

Sie besuchen Einrichtungen wie das Evangelische Krankenhaus Dinslaken und das Sankt-Benedikt-Seniorenheim, um alte Menschen mit bekannten Liedern aus vergangenen Zeiten aufzuheitern. Das gelingt ihnen ganz hervorragend.

Die kleine Sitzecke auf dem Flur in der Abteilung für Altersmedizin im Evangelischen Krankenhaus ist gut gefüllt. Männer in Jogginganzügen und im Rollstuhl, Frauen in Bademäntel gehüllt - sie alle sitzen andächtig in der Runde, lauschen den Gitarrenklängen und dem Gesang der Museumsmäuse. Wer genau hinhört, merkt, sie lauschen nicht nur, sie summen und singen leise mit. Denn die Lieder kennen sie noch alle mehr oder weniger. Stammen sie doch aus ihrer Jugendzeit, erinnern sie vielleicht an schönere Zeiten. Sie alle, die hier zuhören, sind Patienten der Geriatrie und erfreuen sich an diesem kleinen Konzert.

Einige Besucher stutzen, als sie den Flur betreten. Einer der Besucher dreht sich um, schiebt den Rollstuhl seiner Begleiterin heran, lauscht. Ein weiterer Patient wünscht sich eine Zugabe, ein Seemannslied. Kein Problem für die Sängerinnen - auch diese Songs gehören zu ihrem Repertoire.

Zu den aufmerksamen Zuhörern gehören jedoch nicht nur Patienten und ihre Besucher, nein, auch das Stationspersonal nimmt Anteil. "Über die Grünen Damen ist der Kontakt zu den Sängerinnen entstanden", erzählt Oberärztin Dr. Martha Niemöller. "Seit einem halben Jahr nun kommen die Museumsmäuse jeden Monat auf die Station und singen den Menschen etwas vor, singen mit ihnen."

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Die Patienten nehmen dies sehr gut an. Wer nicht auf den Flur darf oder kann, der lässt seine Tür weit offen, um dem Gesang der Damen zu lauschen. "Da wird von weither mitgeschmettert oder applaudiert", erzählt die Ärztin lachend. Sie könne sich vorstellen, diese Aktionen weiter auszubauen - vielleicht therapeutisches Singen, das wäre ein gutes Training, die Stimme zu stabilisieren, aber vor allem auch die Stimmung.

Singen und alles, was guttut, wirke bekanntlich positiv auf die Gesundheit, berichtet Dr. Martha Niemöller. Selbst die Männer in der Abteilung für Altersmedizin, die ja schwerer zu motivieren seien, wären mit Begeisterung dabei. "Manchmal fließen auch die Tränen, aber das ist in Ordnung und jetzt im Advent geht es besonders emotional zu", erzählt die Medizinerin.

Seit zwei Jahren gibt es die Abteilung für Altersmedizin im Evangelischen Krankenhaus, komplett renoviert ist sie inzwischen und gehört dem Fachbereich der Inneren Medizin an. 40 Betten hält die Abteilung vor, die von Dr. Nicola Zimansky geleitet wird. Die Pflegekräfte sind eigens für die Altersmedizin weitergebildet worden.

"Wir machen hier unsere internistisch behandelten Patienten wieder fit für den Alltag daheim", erklärt Dr. Niemöller. Das Ziel der Altersmedizin sei es, den Patienten dabei zu helfen, so lange wie möglich ihre Selbstständigkeit zu erhalten und damit ihre selbst bestimmte Freiheit.

Dazu greift man auch gerne zu ungewöhnlichen Mitteln wie eben das gemeinschaftliche Singen mit den Museumsmäusen. "Singen schafft Geselligkeit, macht froh, fördert die Denkleistung. Man muss wieder selber aktiv werden, erinnert sich an die Lieder", doziert die Ärztin.

"Wir möchten auch weitere Dinge einführen, die man nicht unbedingt mit einem Krankenhaus in Verbindung bringt." Das könnten durchaus Lesungen, Tanzen mit dem Rollator oder Rollstuhl sein. "Ich hoffe, dass die Museumsmäuse noch lange hier singen werden", spricht Dr. Niemöller einen Wunsch aus. Der kommt den Sängerinnen sehr entgegen.

Vor 23 Jahren hat sich die Gruppe bei der Weihnachtsausstellung im Museum Voswinckelshof gefunden. Seitdem schmettert sie, was das Zeug hält, im Museum, im Franziskus Altenheim, im Evangelischen Krankenhaus und neuerdings mit viel Elan auch im Sankt-Benedikt-Seniorenheim.

"Uns macht es Spaß, wir machen es gern und es freut uns, wenn es den Menschen gefällt", bringt es Wilma Helpa, Mit-Sängerin der ersten Stunde, auf den Punkt.

(RP)