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Dinslaken/Duisburg: Murat D. machte vielen Menschen Angst

Dinslaken/Duisburg : Murat D. machte vielen Menschen Angst

Mordprozess: 27-jähriger Angeklagter aus Lohberg leidet wahrscheinlich an Schizophrenie. Manchmal soll er längere Zeit herumgestreift sein, dann in leer stehenden Häusern oder sogar auf Bäumen geschlafen haben.

Murat D. sitzt mit Handschellen gefesselt auf der Anklagebank und starrt teilnahmslos vor sich hin. In einer kurzen Verhandlungspause beugt er den Oberkörper nach vorn und lässt, scheinbar erschöpft, den Kopf die Tischplatte sinken. Einmal muss der 27-jährige Lohberger, der einen Nachbarn niedergestochen haben soll und dem zwei Mordversuche vorgeworfen werden, in der gestrigen Verhandlung vor dem Duisburger Landgericht lächeln: als er hört, dass seine Mutter tricksen musste, damit er seine Tabletten nimmt, die sie ihm unter das Essen mischte. Doch meist aß er nicht das, was ihm seine Mutter hinstellte und kochte sich stattdessen lieber selbst Spaghetti. Wenn er seine Tabletten genommen hatte, war alles in Ordnung, doch ließ er sie weg, dann ging in ihm eine Veränderung vor, die den Menschen in seiner Umgebung Angst machte. Im Laufe der Verhandlung fällt dann auch der Name der Krankheit, an der Murat D. leiden soll: Schizophrenie.

Da der junge Mann den Eindruck macht, schwerst psychisch gestört zu sein und weil von ihm deshalb eine Gefahr für andere ausgeht, hat die Staatsanwaltschaft beantragt, dass Murat D. dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

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Gestern wurden etliche Zeugen gehört, auch der 51-jährige Mann, ein Nachbar von Murat D., den dieser am 28. Februar mit einem Messer attackiert und schwer verletzt haben soll. Damals soll der Angeklagte den 51-Jährigen nachts zu einem Spaziergang aufgefordert haben, weil er angeblich Tipps von diesem haben wollte, wie man eine Autofirma betreibe. An der Grabenstraße soll Murat D. mit einer Plastikflasche Wasser aus dem dortigen Ententeich geschöpft und es getrunken haben. Der 51-Jährige will Murat D. angeboten haben, ihm eine Flasche Mineralwasser zu kaufen, daraufhin sei urplötzlich die Messerattacke erfolgt. Das Opfer leidet nach eigener Aussage immer noch an den Folgen der Messerstiche, die ihm in die Brust und ins Gesicht versetzt worden waren: noch heute habe der Mann Angst und traue sich nicht in die Öffentlichkeit. Damals hatte er sich schwer verletzt nach Hause geschleppt, weil er befürchtete, der Messerstecher wolle auch seine Frau und seine Kinder töten.

In der Befragung weiterer Zeugen, zu denen auch Familienmitglieder von Murat D. gehörten, wurde deutlich, dass der Angeklagte etlichen von ihnen regelrecht Furcht einflößte. "Wir hatten Angst vor ihm", sagte eine Zeugin. Nicht nur sein Lachen sei merkwürdig gewesen, auch sein Verhalten. Nachmal sei er längere Zeit verschwunden gewesen, er habe sich in Spielhallen rumgetrieben und soll in leeren Häusern oder auf Bäumen geschlafen haben. "Man konnte nicht vernünftig mit ihm reden", so die Zeugin weiter.

Familienangehörige sagten aus, dass Murat D. früher anders gewesen sei, sich dann irgendwann verändert habe. Stundenlang habe er zu Hause das Wasser laufen lassen und einfach nur zugeschaut. Manchmal schlossen sich Familienmitglieder nachts aus Angst vorihm in ihren Zimmern ein. Er selbst habe in seinem Zimmer oft die Möbel zerstört und mit den Fäusten gegen die Wände geschlagen. Ob Drogen im Spiel gewesen seien, diese Frage blieb unbeantwortet. Einen psychischen Knacks soll Murat D. vor Jahren die Trennung von seiner damaligen Freundin versetzt haben. Das Verfahren wird fortgesetzt.

(RP)