Dinslaken: Mia bringt Toleranz ins Klassenzimmer

Dinslaken: Mia bringt Toleranz ins Klassenzimmer

Schauspielerin Anna Scherer von der Burghofbühne besucht aktuell achte Klassen. In der Rolle eines Roma-Mädchens spricht sie mit den Schülern über Migration, Akzeptanz und Toleranz.

Eine dunkelrote gemusterte Bluse, einen senfgelben Schal und einen grauen Hut - mehr braucht es nicht, damit Schauspielerin Anna Scherer in die Rolle des Roma-Mädchens Mia schlüpft. Keine spezielle Kulisse, kein spezielles Licht - nur einen Klassenraum. Und natürlich die Schüler darin. Achtklässler sind es, in diesem Fall besuchen sie die Realschule im Gustav-Heinemann-Schulzentrum.

Mia klopft an die Tür des Klassenzimmers, die Schüler erwarten sie schon. In der nun folgenden Schulstunde wird sie den Mädchen und Jungen der achten Klasse Geschichten mit Happy End erzählen, Geschichten, die anders sind als die von Mia. Mia, das werden die Schüler nun nach und nach erfahren, ist ein Roma-Mädchen, das aus seiner Heimat geflüchtet ist und auch in der neuen Heimat Deutschland nicht ohne Anfeindung und Gewalt leben kann

. "Mia ist ein Klassenzimmerstück, das die Themen Akzeptanz und Toleranz behandelt", hat Burghofbühnenintendant Mirko Schombert wenige Minuten zuvor erklärt. In eben dem Klassenraum, an dessen Tür Mia geklopft hat. In Anwesenheit der Schulleiter, die das Stück an ihrer Schule schon gesehen haben oder noch sehen werden.

15 Aufführungen des Klassenzimmerstücks sind bislang für das, wie Schombert es ausdrückt, "besondere Format außerhalb des regulären Spielplans", vorgesehen: Nicht nur an der GHZ-Realschule, auch am GHZ-Gymnasium, am Theodor-Heuss-Gymnasium, an der Ernst-Barlach-Gesamtschule und der Friedrich-Althoff-Schule hat oder wird Mia noch an einigen Klassenzimmertüren klopfen.

45 Minuten, eine Schulstunde lang, erzählt Schauspielerin Anna Scherer dann die Geschichte von Mia. "Es fühlt sich nicht wie ein klassisches Theaterstück an, vielmehr wie ein Gespräch", beschreibt Scherer das Format. Da sie in Interaktion mit den Schülern trete, sei jede Aufführung besonders.

"Es entspinnt sich jedes Mal etwas Anderes." Mal ist das Gespräch politisch-engagiert, dann wieder nachdenklich-interessiert. Auch in der der Aufführung folgenden Schulstunde sprechen die Schüler noch über die Geschichte von Mia: Gemeinsam mit Schauspielerin Anna Scherer tauschen die Achtklässler sich dann aus - über das eben Gesehene, Erlebte, Gefühlte.

"Da wir mit Mia ins Klassenzimmer kommen, bringen die Schüler uns manchmal eine andere Offenheit entgegen als im Theater", sagt Intendant Mirko Schombert. Das Stück im bekannten Klassenzimmerumfeld zu erleben, sei für manche vertrauter als ein Theaterbesuch. Die Lehrer sind voll des Lobes für das Format, das die Burghofbühne nun zum zweiten Mal anbietet.

"Mit Kunst, Musik, generell mit Kreativem, erreicht man die Schüler ganz anders als im klassischen Unterricht", sagt Bernd Saalfeld, Leiter des GHZ-Gymnasiums. "Diese Interaktion ist eine wertvolle Ergänzung unserer Arbeit." Schließlich sei Migration sowie Akzeptanz und Toleranz dieser, große Themen, "gibt es sie doch auch in jeder unserer Klassen". Auch Stefan Schumann, kommissarischer Leiter der GHZ-Realschule, findet: "Die Eindrücke aus dem Stück sind nachhaltiger, als wir das jemals mit einer normalen Schulstunde erreichen könnten."

(akw)