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Messgewand aus St. Vincentius in Dinslaken erzählt die Weihnachtsgeschichte

St. Vincentius Dinslaken : Die Heilige Familie auf dem Messgewand

Zu den Kunstschätzen von St. Vincentius gehören auch mit feinsten Stickerein verzierte Messgewänder. Eins davon zeigt in kräftigen Farben die Szene im Stall von Bethlehem.

Das Kind ist geboren, Maria bettet es auf einem Zipfel ihres langen Gewands und Josef spendet ihm Licht und Wärme mit einer kleinen Kerze, über deren Flamme er schützend die Hand hält. Die Krippe selbst dient Ochs und Esel als Futterstelle. Der Engel erscheint, die Hirten eilen herbei. Recht moderne Hirten, drei von ihnen spielen Drehleier, Schalmei und Dudelsack und alle vier sind nach der Mode der Zeit gekleidet. Gewänder, die die Knie freilassen, enge Hosen, runde Schuhe.

Sie machen die Datierung der Darstellung auf das erste Drittel des 16. Jahrhunderts einfach. Es ist eine feine Arbeit, die diese Szene wiedergibt. Gestickt auf Seide mit feinen Stichen und in kräftigen Farben, die Heiligenscheine sind aus Goldfäden gearbeitet. Die Darstellung ist der „Hingucker“ im Gabelkreuz der Rückseite einer so genannten Kasel, eines Messgewands, das zu den Kunstschätzen von St. Vincentius gehört. Die Kasel ist weiß, und auch wenn die liturgischen Farben erst wenige Jahre später im Tridentinum, dem Konzil von 1545 bis 1563 festgelegt wurden, so ergibt sich doch schon ein ganz schlüssiges Bild: Das wertvolle Messgewand wurde in der Christmette getragen, der Priester stand am Altar mit dem Rücken zur Gemeinde von St. Vincentius oder den Nonnen vom Kloster Marienkamp – auch das ist eine mögliche Herkunft der Kasel. Die Rückseite des Gewands war also die Schauseite. Und diese zeigte das Geschehen, was im Festgottesdienst gefeiert wurde.

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Die weiße Kasel ist nicht das einzige Gewand aus der Schatzkammer von St. Vincentius, das auf die Geschehnisse der Weihnachtszeit Bezug nimmt. Noch wertvoller ist die rote Kapelle. Der Begriff Kapelle hat mehrere Bedeutungen. Er steht für eine kleine Kirche oder einen abgeteilten Raum in einer Kirche – so hatte St. Vincentius bis zum Zweiten Weltkrieg links und rechts des Turmes eine Antonius- und Sebastianskapelle –, für eine Gruppe von Musikern, aber auch für eine einheitliche „Kollektion“ von Gewändern für Priester und Diakone. Zur roten Kapelle von St. Vincentius gehören ein Chormantel, der beispielsweise bei Prozessionen getragen wurde, eine Kasel, eine Stola, eine Dalmatik, das Messgewand des Diakons und eine Tunicella, das Messgewand des Subdiakons. Alle Gewänder sind reich figürlich bestickt. Datiert wird die Gruppe auf die Zeit um 1500. Die Gewänder sind aus rotem Samt gefertigt. Dass sie über die Jahrhunderte immer wieder einmal ausgebessert wurden, mindert kaum ihren Wert, nur die wenigsten Stoffe überdauern eine Zeitspanne von 500 Jahren.

Das Prunkstück der Kapelle von St. Vincentius ist der Chormantel mit der Darstellung von Szenen aus dem Leben Mariens. Wurde die bewegliche Marienfigur des ehemaligen Marienaltars, die, wie berichtet, im 19. Jahrhundert ersetzt wurde, bereits um 1500 bei Prozessionen durch die Straßen Dinslakens getragen? Dafür wäre dieser Chormantel perfekt gewesen.

Die ursprüngliche Cappa des Chormantels ist nicht erhalten. Stattdessen soll nach einer Aktennotiz von 1990 des damaligen Archivars Heinz Deckers 1954 von Josef Gotzes, Weberei für kirchliche Stoffe in Krefeld, ein ebenfalls aus der Zeit von 1500 stammendes Stück angesetzt worden sein, dessen Unterstoff weiß war. Diese Cappa zeigt die Anbetung der Heiligen drei Könige in einer beeindruckend künstlerischen Qualität. Dass zwei wertvolle Stücke einfach kombiniert wurden, überrascht aus heutiger Sicht. Vielmehr jedoch noch die Aussage des Vorsitzenden des Förderkreises kirchliche Kunstgegenstände von St. Vincentius Wolfgang Krüsmann, dass Pastor Jakob Baers in den 50er Jahren die 500 Jahre alten, so empfindlichen wie wertvollen Messgewänder tatsächlich noch bei feierlichen Anlässen getragen hat.

Stoffe wurden importiert, verarbeitet, bestickt und weiterversandt. Im Stiftsmuseum in Xanten gibt es eine Rote Kapelle aus der gleichen Zeit, für die roter Seidensamt aus Italien verwendet wurde, der über Köln oder die Niederlande importiert und dort bestickt wurde. Die rote Kapelle von St. Vincentius wird einer flandrischen Werkstatt zugeschrieben – wie einige Jahrzehnte zuvor entstandene Kreuzaltar.

(bes)