Menschen in Tansania die Sehkraft zurückgeben

Medizinischer Hilfseinsatz : Menschen die Sehkraft zurückgeben

Zwei Wochen lang hielten sich Annika Demtröder und Stephan Schmitz, beide sind in der Augenklinik Walsum tätigt, in Tansania auf. Dort arbeiteten sie in einem internationalen Team, das Augenoperationen durchführte.

(RP) Tansania liegt in Ostafrika. Im Osten grenzt das Land an den Indischen Ozean, im Westen wird es durch den zentralafrikanischen Graben mit den drei großen Seen – Viktoria-, Tanganjika- und Nyassa-See – begrenzt. Die Stadt Sumbawanga, in der die medizinische Fachangestellte Annika Demtröder aus Dinslaken und der Augenarzt Dr. Stephan Irle im Einsatz waren, liegt in der Rukwa-Region und hat knapp 125.000 Einwohner. Das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit engagiert sich seit einigen Jahren dort. Gemeinsam mit einem chirurgischen Team von Interplast Germany werden die einheimischen Fachkräfte am Dr.-Atiman-Hospital bei der Patientenversorgung durch zwei mehrwöchige Einsätze im Frühjahr und Herbst jeden Jahres unterstützt.

Annika Demtröder und Dr. Stephan Irle, beide seit Jahren augenchirurgisch in der Augenklinik Walsum tätig, sind nun erstmalig Teilnehmer eines solchen internationalen Einsatzteams gewesen. Bei dem Einsatz wurden 993 Patienten untersucht und 212 Augenoperationen durchgeführt.

Kollegialer Austausch: Die Chemie zwischen Stephan Irle und Eric Msingomba aus Tansania stimmte. Foto: Stephan Irle

Erklärtes Ziel des Hilfsaktion ist es, nicht dauerhaft Verantwortung für die Patientenversorgung in Sumbawanga zu übernehmen. Vielmehr sollen die tansanischen Ärzte und medizinischen Kräfte durch gezielte Ausbildung und Unterstützung befähigt werden, selber mittelfristig die Patientenversorgung in Eigenverantwortung zu übernehmen. „Als Mitarbeiter der Augenklinik Walsum wollen wir uns in diesem Projekt auch künftig verlässlich und auf eigene Kosten engagieren, um die tansanischen Kollegen in Sumbawanga zu unterstützen“, so Demtröder und Irle.

Die Anreise nach Sumbawanga dauerte fast zwei Tage. Es ging über Zürich, nach Nairobi, dann weiter nach Dar Es Salam und nach einer Übernachtung weiter nach Mbeya, und von dort in einem Kleinbus in sechsstündiger Fahrt bis nach Sumbawanga. Demtröder und Irle hatten selbst wenig Gepäck mitgenommen, da ihre Koffer voller medizinischer Ausrüstung waren. Denn im Umkreis von 400 Kilometern um Sumbawanga gibt es nur einen Augenarzt. Deshalb würden dort viele Menschen erst einmal zu einem Heiler gehen, der mit Hokuspokus und Kräutern versuche zu helfen. Später sei es dann oft nicht mehr möglich, das Auge des betreffenden Patienten zu retten.

Der kleine Junge freut sich über seine Ein-Dollar-Brille. Foto: Stephan Irle

Nach Dienstschluss gingen die Helfer manchmal zu Fuß auf den Markt, wenn es noch hell war. Die jungen Afrikaner tuschelten dann „Muzungus“ (die Weißen), wenn sie die beiden sahen und kicherten.

Vom Limbori-Gästehaus, in dem Annika Demtröder und Stephan Irle untergebracht waren, brauchten sie zu Fuß etwa 40 Minuten bis in die Klinik. Vor Ort waren Eric Msingomba und zwei Schwestern. Nicht unüblich ist es in Afrika, dass auch Schwestern zum Skalpell greifen und beispielsweise eine Lid-Operation durchführen. Für die Gäste war dies erst einmal unverständlich, aber in Tansania war eben vieles anders. Nach einem Sturzregen kamen umso mehr Mücken und Fliegen in die Räume des Hospitals. Schwester Upendo machte dann im Operationssaal mit einer Fliegenklatsche Jagd auf sie. Deutsche Hygienestandards galten dort nicht. Im OP tropfte es nach dem Unwetter durch die Decke und oft war auch kein Wasser da – der Sterilisationsapparat fiel aus. Auch für die beiden Gäste war das Wasser rationiert. Im OP-Saal mussten sich zwei Teams die Belegung teilen, deshalb saßen die Patienten oftmals Stunden geduldig draußen und warteten, bis sie an der Reihe waren. Es beklagte sich niemand. Die Klinik stellte zu ihrer Versorgung Reis, Bohnen, Maismehl und Öl zur Verfügung, damit sie sich etwas kochen konnten. Beim morgendlichen Gottesdienst wurde verkündet, dass die ausländischen Helfer da seien und noch mehr Patienten kommen könnten.

Die Tage in Tansania hinterließen bei Annika Demtröder und Stephan Irle Spuren. Müde, erschöpft, aber zugleich auch glücklich und sehr zufrieden kamen sie wieder in Deutschland an.

(RP)
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