Dinslaken: MCS-Technologies ist nach 126 Jahren nun Geschichte

Dinslaken : MCS-Technologies ist nach 126 Jahren nun Geschichte

Angeblich wollen Investoren das alte Mannesmann-Gelände übernehmen.

Ein Teil der noch gebliebenen Belegschaft versammelte sich ein letztes Mal bei einem Bier auf dem Werksgelände, passend dazu schallte aus den Musikboxen Trude Herrs "Niemals geht man so ganz". Für die Mitarbeiter der MCS-Technologies GmbH war es am Gründonnerstag ihrer letzter Arbeitstag und mit der Schließung des Werkes erfolgte das Ende einer 126-jährigen Geschichte.

Im vergangenen November teilten die iranischen Gesellschafter der Belegschaft mit, dass die Produktion zum 31. März stillgelegt werde. Nach zwei Insolvenzen sei es irgendwann absehbar gewesen, doch der Zeitpunkt kam dann doch überraschend. "Seitdem wissen wir wenigstens, wo wir dran sind. Es gibt keine Rum-Eierei mehr, Tarifverhandlungen waren ja gar nicht mit den Iranern möglich", sagt Peter R. aus dem Betriebsrat. Er möchte lieber anonym bleiben, weil er sich wie ein Großteil der 80 Mitarbeiter neu bewerben muss: "Das Durchschnittsalter bei uns liegt bei 48 Jahren, und die meisten sind alle bei Mannesmann groß geworden. Wir haben bis zum Schluss gekämpft, aber die Iraner wollten die ganze Zeit nicht investieren, sondern waren nur für den Know-how-Transfer hier und haben mit dem neuen Wissen parallel bei sich ein Werk gebaut."

Die Historie der heutigen MCS begann 1897 mit dem Bau des ersten Walzwerkes in Dinslaken, basierend auf den Plänen von Julius Kalle. Ein Jahr später umfasste der Betrieb ein Bandstahlwalzwerk, ein Drahtwalzwerk, ein Kaltwalzwerk und ein Röhrenwalzwerk. 1911 startete die Fertigstellung von nahtlosen Stahlflaschen, die bis zur Schließung produziert wurden, 1990 erfolgte die Gründung der Mannesmann Stahlflaschen GmbH. Nach der Umbenennung in Mannesmann Cylinder Systems (mcs) 1998 und der Auflösung des Mannesmann-Konzerns 2000 wurde die Firma an eine Investorengruppe verlauft.

Unter dem Namen mcs cylinder systems GmbH meldete das Unternehmen 2002 das erste Mal Konkurs an und wurde 2003 an iranische Investoren verkauft. 2011 ereignete sich als MCS International GmbH die zweite Insolvenz und eine weitere iranische Gruppe stieg mit dem neuen Namen MCS Technologies GmbH ein. Wie MCS-Geschäftsführer Eshagh Hajizadeh bei der letzten Betriebsversammlung am 21. März mitteilte, soll in Zukunft angeblich eine Investorengruppe aus dem Oman und Dubai das Gelände übernehmen und alles abreißen, um Neues zu schaffen. Die Betriebsrat hält dies aber für "sehr schwammige Aussagen".

(gaa)
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