Voerde: Maßarbeit beim Brückenschlag

Voerde: Maßarbeit beim Brückenschlag

Der Neubau der Spellener Brücke über den Wesel-Datteln-Kanal geht voran. Gestern wurde der Stahlüberbau der neuen Brücke unter den Augen zahlreicher Schaulustiger über den Kanal geschoben.

Aus der Ferne sieht es so aus, als schwebte das stählerne Brückenbauwerk in der Luft. Mitten über dem Kanal hängt das eine Ende im freien Raum. Erst aus der Nähe kann man den Ponton sehen, der die 390 Tonnen schwere Stahlkonstruktion mittels dicker Stützpfeilern über dem Wasser hält. Mit Zugseilen, Verschublagern und einem Spezialfahrzeug wird die Brücke langsam über den Kanal in Richtung des Betonfundaments auf der anderen Seite bewegt. "Das ist etwa so, als würde man sich an einem Seil in der Turnhalle nach oben ziehen", erklärt Daniel Feismann vom für den Brückenbau verantwortlichen Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich.

Dabei ist beim Bewegen der schweren Last vor allem Präzision gefragt. "Das ist schon Millimeterarbeit. Man muss aufpassen, dass sich nichts verhakt. Außerdem haben wir nur sehr geringe Toleranzen, die wir einhalten müssen", sagt Um sechs Uhr morgens wurde der Wesel-Datteln-Kanal zwischen Friedrichsfeld und Hünxe für den Schiffsverkehr gesperrt und der Ponton mit den großen Stahlstützen in Position gebracht. Um sieben Uhr begann dann die Reise der Stahlkonstruktion über den Kanal. Rund 20 Arbeiter von zwei verschiedenen Unternehmen kümmern sich darum, dass bei diesem Transport nichts schiefgeht. "Wir rechnen damit, dass wir am Abend fertig sind und dann den Kanal wieder freigeben können", sagt Daniel Feismann. In der Zwischenzeit gibt es für die Schaulustigen, die sich an beiden Ufern des Kanals versammelt haben, noch viel zu sehen.

Vorarbeiten

Der Stahlüberbau wurde vor Ort aus mehr als 30 einzelnen Großbauteilen mit einem Gewicht von bis zu 45 Tonnen zusammengeschweißt. Die Teile wurden zuvor mit Schwertransportern angeliefert. Aus diesen Einzelteilen entstand die Konstruktion mit 15,95 Metern Breite und 68,20 Metern Länge. Deutlich größer als die alte Spellener Brücke, die im Frühjahr des vergangenen Jahres abgerissen wurde. Und das hat einen guten Grund. "Es wird auf der neuen Brücke einen separaten Geh- und Radweg geben", erklärt Daniel Feismann. "Dadurch wird auch das umliegende Radwegesystem geschlossen." Neben den Autofahrern, die vor Abriss der alten Brücke seit lange mit einer einzelnen Fahrspur Vorlieb nehmen mussten, werden also auch die anderen Verkehrsteilnehmer von der neuen Stahlkonstruktion profitieren.

Fertigstellung

Stellt sich nur noch die Frage, wann die neue Brücke befahrbar sein wird. "Es sind natürlich noch einige weitere Arbeiten notwendig. Die Geländer müssen montiert und die Brücke wieder an die Straßen angeschlossen werden. Wir rechnen damit, dass der Verkehr ab Juni wieder laufen kann", sagt Daniel Feismann. Bis zum Herbst sollen dann auch die Rückbauarbeiten rund um die neue Brücke zu Ende gebracht worden sein. "Wir liegen da ganz gut im Zeitplan", sagt Feismann.

(RP)