Voerde: Maritimes Flair im neuen Strandhaus Ahr

Voerde : Maritimes Flair im neuen Strandhaus Ahr

Die lange geschlossene Traditionsgaststätte am Rhein wurde gestern wieder eröffnet.

Wer das alte Strandhaus Ahr noch kennt und den Terrassenbereich betritt, der wird seinen Augen kaum trauen. Denn neben dem Gebäude hat sich so ziemlich alles verändert. Aus dem einst mit Glasscheiben umgebenen Bereich ist ein kleiner Sandstrand geworden. Nur noch ein dickes Tau trennt die Gäste, die hier sitzen, von der Wiese und dem Blick über den nahen Rhein. "Wir wollten vermeiden, dass man sich eingeengt fühlt", erklärt Ismail Polat, Geschäftsführer des Vereins Kreativ Akademie West, der das Strandhaus Ahr gemietet und in monatelanger Eigenarbeit komplett umgestaltet hat.

Statt der gepflasterten Terrasse findet sich außen jetzt ein Sandstrand. Die Tische sind über einen hölzernen Steg erreichbar, an dessen Ende sich die Sandfläche mit Liegestühlen befindet. Ein wenig Atmosphäre wie an Nord- oder Ostseestränden direkt am Rhein. Auch im Inneren des Gebäudes setzt sich das maritime Thema fort. Im Hauptraum wurden die Decken in Blau und Weiß gestaltet und mit Fischernetzen dekoriert.

Nur im Vorraum, den man durch die Eingangstür betritt, findet sich noch Mobiliar aus den früheren Tagen des Strandhauses. " Das Strandhaus hat schließlich auch eine Geschichte und die wollten wir hier im Raum mit der Theke zeigen. Außerdem findet man so eine Atmosphäre heute nicht mehr so häufig", erklärt Ismail Polat. Vor anderthalb Jahren war der Verein an die Besitzer des Strandhauses herangetreten, um etwas zu machen. Mit dem Aus für das benachbarte Steag-Kraftwerk stand auch das Projekt auf der Kippe und es gab bereits Gedanken, das Gebäude dem Erdboden gleich zu machen. "Da gab es aber einige besorgte Stellungnahmen von Bürgern aus der Stadt", berichtet Dr. Thomas Becker, Geschäftsführer der Steag Kraftwerks-Grundstücksgesellschaft mbH, die das Strandhaus schließlich kaufte. "Wir sind hier im Deichvorland und hier sind keine Gebäude vorgesehen. Das Strandhaus hat Bestandsschutz, aber man hätte an dieser Stelle nie wieder etwas bauen können", erklärte er. Das Gebäude und auch der besondere Blick auf den Fluss wären dann verloren gewesen. Mit der Neueröffnung startet ein neues Konzept. In der Küche gibt es vor allem Salate, Suppen und einige warme Speisen. Momentan stehen verschiedene Baguette-Varianten zur Auswahl. "Wir haben nicht den Anspruch, hier eine Profiküche zu bieten, sondern wollen uns auf das Kreative und Soziale konzentrieren", erklärt Ismail Polat. So möchte man das Strandhaus Ahr mittelfristig als integratives Café betreiben, in dem die Hälfte der Mitarbeiter Menschen mit Behinderung sind. Als regelmäßige Kulturveranstaltungen soll es Lesungen, Konzerte und Ausstellungen geben. Als erste Künstlerin stellt Ottilia Dienes dort aus, sie freut sich über die großen Flächen, die für das Hängen von Bildern zur Verfügung stehen.

Auch das Innere des Strandhauses versprüht mit Fischernetzen an der Decke und gemütlichen Sitzgelegenheiten maritimen Charme. Foto: Heiko Kempken

Die Betreiber des Strandhauses möchten allerdings vor allem auf die Bevölkerung in der Umgebung eingehen. "Wir sind für alle Anregungen und Ideen offen", sagt Ismail Polat. Erste Gespräche mit Kulturschaffenden aus der Umgebung laufen bereits. "Das Strandhaus Ahr soll Teil der Umgebung werden und wir möchten auch, dass die Menschen ein Stück weit Teil des Strandhauses werden", sagt Ismail Polat.

(RP)
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