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Voerde: Margot Käßmann ruft zur Offenheit auf

Voerde : Margot Käßmann ruft zur Offenheit auf

In der Schinkelkirche beschäftigte sich die Theologin mit der Weihnachtsgeschichte.

Die Schinkelkirche in Götterswickerhamm ist fast voll besetzt, als Margot Käßmann mit ihrer Lesung beginnt. Die ehemalige Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland beginnt mit den Worten aus dem Lukasevangelium, in denen Maria durch den Erzengel Gabriel verkündet wird, dass ihr der Messias geboren werden soll. "Was macht man, wenn man einem Engel begegnet?", fragt Käßmann. Für sie ist die biblische Geschichte ein Hinweis darauf, dass man Gott überall begegnen kann. "Man muss keine besonderen Orte aufsuchen, sondern nur ein offenes Herz haben", sagt die Theologin.

In rund einer Stunde gespickt mit Bibeltexten, Geschichten und Zitaten arbeitet sich Margot Käßmann durch die Weihnachtsgeschichte. Kontrovers für gläubige Christen vielleicht die Andeutung, Maria wäre keine Jungfrau, sondern einfach nur eine "junge Frau" gewesen. "Die Sache mit der Jungfräulichkeit und allem, was daran hängt, kam erst durch die griechische Übersetzung des hebräischen Textes dazu", erklärt Käßmann. Ansonsten gibt es zum Advent eher freundliche und leichte Worte.

"Die Botschaft der Engel ist eine Nachricht für alle: Fürchtet Euch nicht!", erklärt die Theologin. Gott sei kein "strafender Donnergott, der Krankheiten und Naturkatastrophen schickt", sondern eine Größe, auf die man sich verlassen könne. Dazu hat Margot Käßmann ebenfalls eine Geschichte parat: Ein Pfarrer hat einen Apfelbaum, von dem Kinder Äpfel klauen. Der Geistliche stellt ein Schild auf, auf dem "Gott sieht alles" geschrieben steht. "Aber Gott petzt nicht", schreiben die Kinder darunter.

Käßmann gelingt in ihrer knappen Stunde Redezeit ein Brückenschlag von der Weihnachtsgeschichte, über die Botschaft des Evangeliums ("Eine Ermutigung für alle Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben") bis hin zu rechtsextremer Gewalt und Lebensmittelskandalen. Zwischendurch stimmt sie mit den Besuchern in der Kirche noch einige Kirchen- und Weihnachtslieder an. Für kleine Ruhepausen sorgt Gitarrist Werner Hucks. Auf seiner Akustikgitarre interpretiert er bekannte Stücke, wie "Maria durch ein Dornwald ging" neu und fügt mehrere Musikwerke zu einem neuen Klanggefüge zusammen.

Am Ende eines Vortrags der ebenso für Schmunzeln wie für Nachdenken sorgt, gibt es Applaus vom Publikum, dass zum Großteil wohl gerne noch mehr von Margot Käßmann gehört hätte.

(fla)