Dinslaken: Männer mit Hüten spielen West Coast Blues bei Maaß

Dinslaken: Männer mit Hüten spielen West Coast Blues bei Maaß

The Jay Ottaway Band sorgte in der rustikalen Traditionskneipe für allerbeste Stimmung.

Das passte einfach perfekt: handgemachter West Coast Blues Rock und eine urige Kneipe. Das rustikale Maaß bot am Samstagabend den Lederhüte tragenden Musikern der Jay Ottaway Band eine perfekte Kulisse und Shawn Spicers Vintage-Saxophon wirkte, als habe er es sich geradewegs aus dem Musikinstrumenten-Sammelsurium gegriffen, das in der Traditionsgaststätte von der Decke hängt.

Dass die Fans - viele begrüßte Ottaway sogar mit Namen - die amerikanisch-deutsche Band gar nicht mehr gehen lassen wollten, lag allerdings in der ureigenen Natur des Bostoner Singer-Songwriters und seiner Mannen: Egal, ob sie eigenes Material spielten, oder Songs von Grateful Dead bis zu den Allman Brothers coverten: Hier stimmte einfach alles. Spieltechnik, Atmosphäre, das Menschliche. Die Musik der Jay Ottaway Band strahlt Optimismus aus, obwohl der Blues, das Gebrochene, in ziemlich jedem Text thematisiert werden. Besonders "Blessing in the skies" geht nahe: Es ist Ottaways tröstliches, mutmachendes Lied für seine Tochter, die an einer Augenkrankheit leidet.

Männer mit Hüten: Jay Ottaway singt und spielt in bester Singer-Songwriter-Manier akustische Gitarre. Shawn Spicers Saxophon klingt so seelenvoll und geerdet, wie es die matt schimmernde Patina auf dem Messing verspricht. Frank Tetzner (Bass) legt nicht nur gute Soli hin, er überzeugt mit "First Love" auch als Sänger und Komponist. Gitarrist H. B. Hövelmann braucht man nicht vorzustellen. Das Rock 'n' Roll-Urgestein hier in der Region kennt das Maaß "seit ich vier bin", wie er am Samstag erklärte. Jay Ottaway stammt aus Boston, lebte aber für eine Zeit in Köln. So knüpfte er die Kontakte auch zu Markus Griell, der, egal ob er Blues-Piano oder Rock-Orgel spielte, auf seinem Keyboard immer den richtigen Ton traf und Tom Gerke, der dezent, aber konsequent am kleinen Schlagzeug bei Maaß für den perfekten Groove sorgte.

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" Zu allen Leuten, denen das Herz gebrochen wurde, passt Americana", erklärt Jay Ottaway. Ein junger Mann liebt, aber die Liebe ist aussichtslos. Deshalb verlässt er die Stadt, zieht ziellos weiter. Doch wohin er auch kommt, die Menschen bleiben für ihn distanziert. Die Natur ist es, in der er seine Gefühle wieder gespiegelt erlebt. Ein lyrisches Road Movie in 24 Teilen, an dessen Ende der Hurdy-Gurdy-Man, der Leiermann wartet, um den Unglücklichen zu holen. Wem der Titel und die Story bekannt vorkommen, hat recht: Seit er 2012 den Liederzyklus "Winterreise" von Franz Schubert in Boston live hörte, ließen Jay Ottaway die poetischen Bilder des vielfach unterschätzten Dichters Wilhelm Müller (1794-1827) nicht mehr los. In vier Winter transformierte Ottaway die 24 Gedichte der "Winterreise" frei in englische Songtexte. Blues, Folk und Rock hauchen den alten Themen und Bildern Drive, Leichtigkeit und neues Leben ein.

Gerne hätte man bei Maaß den gesamten Zyklus am Stück gehört. Doch das hätte wohl die Kneipe zu sehr zum Konzertsaal gemacht und wohl auch nicht allen Wünschen des Publikums entsprochen. Stattdessen gab es einzelne Episoden wie "Old Messiah" und Ottaways "Lindenbaum" neben Mitmach-Coverversionen von "The Band". Und (fast) zum Schluss kulminierten Americana, Tod und Singer-Songwritertum in das berühmteste Stück, das all diese Charakteristika vereint: "Knocking on Heaven's Door" von Bob Dylan.

(bes)
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